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Wöhrl zu Air Berlin"Einer marktwirtschaftlich ausgerichteten und demokratischen Nation unwürdig"

Hans Rudolf Wöhrl gilt als einer der reichsten Deutschen, er hat schon einmal eine Airline in Deutschland erfolgreich aufgebaut. Jetzt will er für die insolvente Airline Air Berlin mitbieten. Doch Wöhrl erntet dafür nur Häme und Spott. Ein richtiges Interview zu seinen Plänen will Wöhrl nicht geben. Er schickt lieber einer Stellungnahme. Wir zitieren die wichtigsten Passagen. 22.08.2017 - 13:36 Uhr

Hans Rudolf Wöhrl

Foto: Robert Brembeck für WirtschaftsWoche

Wie es nach der Insolvenz mit Deutschlands zweitgrößter Airline Air Berlin weitergeht, ist nach wie vor unklar. Seit Freitag laufen Gespräche zwischen Air Berlin und der Lufthansa. Auch der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl signalisiert Interesse: Er will die Fluglinie komplett übernehmen. In einer Stellungnahme, die wir auszugsweise an dieser Stelle veröffentlichen, beantwortet Wöhrl nun die wichtigsten Fragen zu seinen Plänen:

Welche Teile der Air Berlin wollen Sie übernehmen?
Die INTRO-Verwaltung, die ich einst gegründet habe, ist nur an einer Gesamtübernahme und Fortführung der Air Berlin interessiert.


Wie sieht Ihr Angebot konkret aus?
Bisher bestand unser Angebot in einer entsprechenden Absichtserklärung an die Insolvenzverwalter. Die Behauptung, es sei dort kein Schreiben eingegangen, hat man später revidiert: „Die E-Mail und das Fax sind leider in den vielen Air Berlin relevanten Schreiben untergegangen!“.

Sie sprechen von Investoren. Wer und wieviel Geld stecken dahinter?
Die INTRO-Verwaltung verfügt über ein Konsortium von Fachleuten, Investoren, Leasinggesellschaften und Fluggesellschaften, welche bei Bedarf zur Verfügung stehen. Wer und welche davon benötigt werden, lässt sich erst entscheiden, wenn eine
Fortführungsprognose erstellt ist. Im Vorfeld zu unserem Angebot haben wir diesen Kreis befragt und positive Rückmeldungen bekommen. Nach der heutigen Kenntnislage könnten wir das, was INTRO-Verwaltung alleine nicht bewältigen oder finanzieren kann, mit diesen Partnern abdecken.

Air Berlin

Gläubigerausschuss trifft sich am Mittwoch

Wie hoch schätzen Sie den Kapitalbedarf?
Diese Frage lässt sich ohne genaue Kenntnis über die aktuelle Lage der Firma nicht abschätzen.

Thomas Winkelmann, Chef der Air Berlin, hat Sie öffentlich als Trittbrettfahrer bezeichnet.
Bisher habe ich Herrn Winkelmann als seriösen Manager kennengelernt. Daher halte ich diese Äußerung für einen emotionalen Gefühlsausbruch. Dieser ist durchaus verständlich, denn Herr Winkelmann kam von Lufthansa zu Air Berlin
und vertritt offensichtlich nach wie vor die Interessen seines früheren Arbeitgebers. Das verstößt gegen Treu und Glauben gegenüber den Anteilseignern der Air Berlin, von denen auch INTRO mit rund 500.000 Aktien einer ist. Herr Winkelmann weiß sehr genau, welche Erfahrungen und welch guten Ruf die INTRO auf dem Gebiet der Luftfahrt hat. Dass wir diesen guten Ruf nicht um eines PR-Gags Willen riskieren würden, weiß auch er!

1978

Der amerikanische Pilot Kim Lundgren (im Bild links zu sehen mit seinem Sohn Shane Lungren) gründet gemeinsam mit einem Kollegen die „Air Berlin Inc.“ im US-Bundesstaat Oregon. Damals durften westdeutsche Fluggesellschaften das geteilte Berlin nicht anfliegen. Der erste Flug startet am 28. April 1979 von Berlin-Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasst zwei Maschinen.

Foto: WirtschaftsWoche

1991

Joachim Hunold, bis dahin Marketing- und Vertriebschef beim Ferienflieger LTU, wird Geschäftsführer und Aktionär. Die restlichen Anteile halten Privatinvestoren wie die Brüder Severin vom gleichnamigen Hausgerätehersteller. Kurz darauf starten 15 Flüge pro Tag.

Foto: WirtschaftsWoche

1998

Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft. Sie startet von 12 deutschen Flughäfen. In den Reisebüros beginnt der Verkauf von Einzelplätzen.

Foto: WirtschaftsWoche

2003

Neben den Ferienzielen fliegt Air Berlin nun vermehrt europäische Großstädte an und wird zum Jahresende (gemessen an der Zahl der Passagiere) Deutschlands zweitgrößte Airline nach der Lufthansa.

Flugzeuge Jahresende: 46

Foto: WirtschaftsWoche

2004

Air Berlin übernimmt 24 Prozent von Niki, der vom ehemaligen Formel 1-Fahrer Niki Lauda gegründeten Fluggesellschaft. Erster Großauftrag an Airbus über die Lieferung von 70 Flugzeugen.

Flugzeuge Jahresende: 47

Foto: dpa

2005

Übernahme von Fluggeschäft und Maschinen des Billigfliegers Germania Express. Umorganisation als als PLC nach britischem Recht. Das bringt Steuervorteile und verhindert, dass Arbeitnehmer im obersten Aufsichtsgremium sitzen.

Flugzeuge Jahresende: 79

Foto: WirtschaftsWoche

2006

Börsengang mit einer Woche Verschiebung und zu einem niedrigeren Ausgabekurs als geplant. Im August Übernahme des Billigfliegers DBA vom Nürnberger Flugunternehmer und Berater Hans Rudolf Wöhrl, Großbestellung von 75 Boeing-Flugzeugen.

Flugzeuge Jahresende: 117

Foto: AP

2007

Im März Übernahme des defizitären Düsseldorfer Ferienfliegers LTU vom Nürnberger Flugunternehmer und Berater sowie von 49 Prozent des Schweizer Ferienfliegers Belair. Übernahme des Thomas-Cook Ferienfliegers Condor wird angekündigt, scheitert aber an Kartellamtsauflagen in 2008. Bestellung von bis zu 40 Exemplaren des Boeing-Langstreckenflugzeugs 787, später gekürzt auf bis zu 20 Exemplare. Durch die Zukäufe der Ferienflieger bietet Air Berlin nun auch Interkontinentalflüge an.

Flugzeuge Jahresende: 124

Foto: gms

2008

Die 2007 begonnene Kooperation mit der Luftfahrtgesellschaft Walter aus Dortmund wird ausgebaut. Wegen der Finanzkrise stockt erstmals das Wachstum, Air Berlin rutscht in die roten Zahlen. Ein erstes Sparprogramm folgt.

Flugzeuge Jahresende: 125

Foto: dpa

2009

Das Bundeskartellamt stoppt die geplante Fusion mit Tuifly. Stattdessen übernimmt der Reisekonzern Tui 10 Prozent an Air Berlin. Im Gegenzug übernimmt Air Berlin für eine Mitgift von angeblich zehn Millionen Euro das defizitäre Städtefluggeschäft der Tuifly sowie 17 Flugzeuge. Die türkische ESAS-Holding übernimmt gut 15 Prozent an Air Berlin. Große 30-Jahrfeier mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit.

Flugzeuge Jahresende: 152

Foto: WirtschaftsWoche

2010

Komplettübernahme der österreichischen Niki, Ankündigung des Beitritts zur Oneworld-Allianz um British Airways, American Airlines, Cathay Pacific aus Hongkong und der australischen Qantas. Außerdem Einstieg ins Mediengeschäft.

Flugzeuge Jahresende: 169

Foto: dapd

2011

Ex-Metro-Chef Hans-Joachim Körber wird Chef des Verwaltungsrats und drängt stärker als sein Vorgänger, der Reiseunternehmer Johannes Zurnieden, auf eine Sanierung. Kooperation mit der Fluglinie Intersky aus Friedrichshafen. Wegen der schlechten Zahlen startet Vorstandschef Joachim Hunold ein großes Sparprogramm, tritt aber im August zurück. Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn, seit 2008 Verwaltungsratsmitglied, ersetzt ihn. Ein weiteres Sparprogramm kommt. 18 der mittlerweile 170 Maschinen werden verkauft.

Foto: dapd

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Fluglinie mit Millionen. Ein neues Sparprogramm beginnt. Vollmitgliedschaft von oneworld zum 20. März.

Foto: WirtschaftsWoche

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft.

Flugzeuge: 142 Maschinen.

Foto: dpa

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie zuvor.

Foto: dpa

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich aber nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen.

Ende September werden erste Ergebnisse verkündet: Air Berlin soll schrumpfen, ein größerer Teil der Flotte samt Crews an die Lufthansa vermietet werden. Neben den 38 Flugzeuge für den Lufthansakonzern packt Air Berlin weitere 33 Jets in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Tui und Etihad. Das soll unter dem Markennamen Niki das ehemalige Stammgeschäft bestreiten: Ferienflüge rund ums Mittelmeer für Reiseveranstalter.

Flugzeuge nach dem Umbau: ca. 75

Foto: dpa

April 2017

Wechsel an der Spitze: Im Februar 2017 übernimmt der frühere Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann das Ruder. Stefan Pichler verlässt das Unternehmen. Winkelmann will die Ende 2016 eingeleitete Kurswende weiterverfolgen. "Ich habe die Aufgabe mit dem Ziel übernommen, die Neupositionierung des Unternehmens erfolgreich abzuschließen", erklärt er bei Amtsantritt. Schon da ist klar: Leicht wird das nicht.

Foto: dpa

Juli 2017

Überraschend präsentierte Air Berlin einen neuen Verwaltungsratschef und damit den Nachfolger von Joachim Hunold. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann (rechts) stellte mit Ex-Bahn-Vorstand Gerd Becht einen Juristen und Übernahme-Spezialisten als neuen Chefaufseher vor. „Er ist ausgewiesener Experte für Restrukturierungen und Mergers and Aquisitions. Er wird der Air Berlin mit seiner Erfahrung frische Impulse geben“, so die Botschaft von Air-Berlin-Vorstandschef Thomas Winkelmann. Wem das zu unklar ist: Becht ist Spezialist für das Verkaufen von Unternehmen und soll hier für mehr Schwung sorgen.

Foto: PR

August 2017

Air Berlin ist pleite. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft stellte am 15. August 2017 den Insolvenzantrag, nachdem ihr Großaktionär und Geldgeber Etihad Airways ihr den Geldhahn zugedreht hat. Damit sei keine positive Fortführungsprognose mehr gegeben, erklärte die Führung von Air Berlin. Diese ist Voraussetzung, dass ein überschuldetes Unternehmen um einen Insolvenzantrag herumkommt. Der Flugbetrieb solle mit Hilfe eines Überbrückungskredits der Bundesregierung weitergehen, erklärte Air Berlin. Der Kredit ist mit einer Bundesbürgschaft abgesichert.

Foto: dpa

Was halten Sie von den diversen Erklärungen der Regierung?
Um ehrlich zu sein, bin ich entsetzt! Was in den letzten Tagen passierte, ist einer marktwirtschaftlich ausgerichteten und demokratischen Nation unwürdig. Ich kann gar nicht aufzählen, gegen wie viele Regeln verstoßen wurde und vermutlich noch wird. Es drängt sich der Eindruck auf, dass wir in Deutschland auf dem besten Weg zu einer sozialistischen Planwirtschaft sind, bei der nur noch Großbetriebe erwünscht sind.

Das klingt nach Verschwörung.
Da ich mich hüte, Dinge zu behaupten, die ich nicht beweisen kann, nur so viel; es würde mich nicht wundern, im Spiegel einmal einen ähnlich ausführlichen Bericht über diesen Fall, wie über den Flughafen Berlin, zu lesen wäre.

Air Berlin

Bonusprogramm ist außer Kraft

Was würden Sie tun, wenn INTRO-Verwaltung am Ende doch den Zuschlag bekäme?
Die Übernahme der kompletten Firma bedeutet zwangsläufig, dass der Geschäftsbetrieb zunächst unverändert fortgeführt wird. Details können erst nach einer genauen Ist-Analyse genannt werden. Air Berlin war ja zu Zeiten von Joachim Hunold mit dem Konzept: „Von der Provinz in die Welt“ sehr erfolgreich. Nach dem Einstieg von Etihad hat man, in der Hoffnung ein internationales Drehkreuz in BER aufbauen zu können, dieses Erfolgsmodell Stück für Stück aufgegeben. Dafür konnte Air Berlin herzlich wenig, aber darüber spricht heute kaum noch jemand. Unser Bestreben wäre es, teilweise zu den Wurzeln zurückzukehren, was den touristischen Verkehr anbetrifft. Dann würden wir uns intensiver wieder mit dem innerdeutschen und den europäischen Kurzstreckenverkehr befassen, denn eine so große Airline braucht Ganzjahresziele. Ein Punkt aber ist wichtiger als alles andere und diesen positiv zu belegen wäre schon die halbe Miete. Wir würden alles tun, um das Vertrauen der Mitarbeiter und damit das Vertrauen der Kunden wieder zu gewinnen. Air Berlin verliert Millionenumsätze, weil die Leute der Airline nicht mehr vertrauen. Das muss sich als erstes ändern und das können wir!


Was würde INTRO für die Mitarbeiter bedeuten?
Auch wenn ich nicht als Freund der Gewerkschaften gelte, so bin ich kein Feind meiner Mitarbeiter. Ganz im Gegenteil! Bei keiner unserer Beteiligungen haben wir die Sanierung auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen. Lediglich bei der dba haben die Mitarbeiter freiwillig auf 15 bis 20 Prozent ihres Gehaltes für ein Jahr verzichtet. Das war verbunden mit der Zusage, dass dieser Verzicht im Falle einer Kündigung zurückbezahlt worden wäre. Wir haben das Versprechen eingehalten, nach einem Jahr gab es bereits wieder neue Jobs und die alten, hohen Gehälter. Bei der LTU und allen anderen Sanierungen gab es keine Einschnitte für die Belegschaft! Unser Prinzip ist es, durch Produktivitätssteigerung sowohl den Personalstand als auch die Gehälter beizubehalten. Mit motivierten Mitarbeitern ist das kein Problem!

Joachim Hunold gründete Air Berlin und führte das Unternehmen fast 20 Jahre lang. Er wollte immer mehr, übernahm DBA, LTU und Niki. 2008 schreibt die Linie erstmals rote Zahlen.

Foto: dpa

Hartmut Mehdorn wechselte ab September 2011 von der Deutschen Bahn an die Air-Berlin-Spitze. Mit seinem Engagement und Etihads Finanzspritze von einem Kredit über 255 Millionen Dollar verzeichnete die Fluglinie temporär wieder schwarze Zahlen.

Das Problem: Außer der Partnerschaft mit Etihad fand Mehdorn keine Lösung für die Zukunft.

Foto: dpa

Wolfgang Prock-Schauer leitete Air Berlin ab Januar 2013. Der im Fluggeschäft erfahrene Mann kündigte viele Reformen an, setzte aber kaum eine durch.

Fazit: Hunderte Angestellte von Air Berlin verloren ihren Job. Die Fluglinie schrumpfte auf nur noch 142 Maschinen, weil Prock-Schauer ähnlich wie sein Vorgänger vor allem auf ein strammes Sparprogramm pochte.

Foto: REUTERS

Stefan Pichler übernahm die Führung ab Februar 2015. Der Airline- und Touristikmanager war zuvor Vorstandsvorsitzender bei Fiji Airways. Unter seiner Leitung verzeichnete Air Berlin den größten Verlust in der Unternehmensgeschichte: 447 Millionen Euro. Pichler setzte vor allem die Ideen der Konzernmutter Etihad um.

Foto: dpa

Thomas Winkelmann kam von Konkurrent Lufthansa. Seit Februar 2017 ist er der Mann an der Spitze von Air Berlin. In seinem halben Jahr als CEO fehlten ihm Geld und Zeit, um den Konzern vor der Insolvenz zu retten.

Foto: dpa

Wie lange glauben Sie würde es dauern, bis Air Berlin verlustfrei fliegen könnte?
Das hängt davon ab, wie schnell das Verfahren durchgezogen werden kann und wie der Vergleich mit den Gläubigern aussieht. Wenn ich meine Erfahrungen als Ansatz nehme, dann wird der Winter 2017/2018 hohe Verluste bringen, der Sommerflugplan 2018 könnte mit ein wenig Glück eine schwarze Null zeigen. Dann folgen noch einmal sechs schwierige Monate, die aber der Sommer 2019 ausgleichen könnte. Dann sollte/könnte Air Berlin gut dastehen.


Wie sähe Ihre Air Berlin 2019 aus?
Neben einem leistungsfähigen innerdeutschen Netz würde der touristische Verkehr das Programm klar dominieren. Wir würden nicht die billigste Airline sein, aber mit uns würde der Urlaub zwei Tage länger werden, weil wir Hin- und Rückflug zu einem Vergnügen machen werden. Bei der Langstrecke stünden ausschließlich touristische Ziele im Flugplan, möglichst solche die man 52 Wochen im Jahr anfliegen kann. Es gäbe eine teilweise Rückverlagerung in die „Provinz“, um - falls er bis dahin fertig sein sollte - über BER und Palma mit den Inlandsstrecken auch ein zusätzliches Passagieraufkommen zu generieren.


Manche bezeichnen Sie als jemanden, der Firmen kauft, um sie möglichst schnell wieder mit Gewinn zu verkaufen. Haben Sie das auch mit Air Berlin vor?
Die Firma Wöhrl wurde 1933 gegründet, war immer in Familienhand, nur leider hat mein Bruder (er übernahm sie nach 2004 in zwei Schritten zu 100 Prozent von mir) massiv auf Expansion gesetzt und sich dabei übernommen. Das Ergebnis: Vor einem Jahr musste er unter den Schutzschirm schlüpfen, hat es aber leider nicht geschafft, ein erfolgversprechendes Fortführungskonzept zu unterbreiten. Er hat den größten Teil seines Vermögens verloren und am Ende war es mein Sohn Christian Greiner, der mit meiner Unterstützung die Firma als Ganzes retten konnte. Wenn es uns ums Geld ginge, hätten wir das in dieser schwierigen Zeit für den Handel sicherlich nicht getan. Nichts anderes war es beim NFD. Wir nahmen 1989 mit Karstadt und ILG zwei vermutlicher Partner auf. Als durch die Insolvenz von ILG (Air Europe) auch der NFD bedroht war, kauften wir alle Anteile zurück. Das kostete viel Geld, war extrem riskant, aber ich fühlte mich gegenüber meiner Mitarbeitern in der Verantwortung.
Ich bin ziemlich emotional, aber ich bin auch Realist. Daher beteilige ich mich, wo ich eine Chance sehe, aber ich bin auch bereit, mich von einem Engagement zu trennen, wenn es keine Zukunft hat. Da muss man auch mal eine verlustreiche Schließung in Kauf nehmen. Im Normalfall aber gibt es strategische Lösungen, die genau eine solche verhindern. Kaufen und Verkaufen gehören einfach zusammen, wer darin etwas Schlechtes sieht, der hat von Wirtschaft keine Ahnung!

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