WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Kritische Infrastruktur vor der Omikron-Welle „Die Infizierten-Schicht könnte das gesamte Netz steuern“

Seite 2/2

„Wir haben alles eingelagert, bis hin zum Essen“

Wie haben Ihre Mitarbeiter darauf reagiert, als Sie gesagt haben: Leute, im Zweifelsfall müssen wir euch infiziert reinholen?
Das muss man natürlich erklären. Aber wer bei uns in einer Leitwarte Schicht macht, der weiß, was von seinem Job abhängt. Alle kennen ihre Verantwortung. Es gibt eine Offenheit für besondere Situationen und Notwendigkeiten. Natürlich gibt es Fragen, und natürlich beziehen wir den Betriebsrat mit ein. Unsere Verantwortung als Krisenstab ist es, saubere, sichere Konzepte zu entwickeln.
Und dann meldet man sich als Infizierter freiwillig?
So lange das möglich ist: Ja.

Wie? Solange das möglich ist? Im Notfall würden Sie Infizierte auch verpflichtend reinholen?
Dafür braucht es eine rechtliche Handhabe. Erst wenn die Landesregierung die rechtlichen Voraussetzungen schafft, geht das.



Andere Unternehmen planen eine Kasernierung von Schichten. Machen Sie das auch?
Mal abgesehen von der erheblichen psychischen Belastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihrer Angehörigen, ist es prinzipiell in einer Pandemie keine gute Idee, Leute in engen Räumen zusammenzubringen. Von dieser Maßnahme haben wir bisher abgesehen und haben es derzeit auch nicht geplant. Aber auch für eine solche Maßnahme wären wir grundsätzlich gerüstet, auch schon vor der Pandemie. Wir haben alles eingelagert, bis hin zum Essen. Das ist gerade im Bereich kritischer Infrastrukturen selbstverständlicher Teil der Vorbereitung auf potenzielle Krisen.

Was macht sie so optimistisch, dass der ganz große GAU ausbleibt?
Bezogen auf die Handlungsfähigkeit, das Wissen, dass infizierte Mitarbeiter nach der neuen Quarantäne-Regelung auch wiederkommen – und zwar nach sieben Tagen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Haben Sie eigentlich auch Impfgegner unter Ihren Mitarbeitern?
    Ja, die gibt es auch. Wir arbeiten sehr eng zusammen hier, irgendwann kommt das zur Sprache. Aber ich bin ein großer Freund des Prinzips 'leben und leben lassen'. Auch wenn ich's nicht immer verstehe: Es steht jedem zu, seine eigenen Ansichten zu vertreten. Und mit dieser Haltung begegne ich auch meinen Mitarbeitern. Sie dürfen nur nicht andere von der Arbeit abhalten.

    Das heißt, Sie als Chef sagen dann nicht: Du gefährdest unser aller Stromversorgung?
    Geht ja gar nicht. Nein, ich organisiere das Drumherum, das ist meine Pflicht. Wir als Führungskräfte dürfen keine Barrieren bauen, wir müssen zugänglich bleiben. Meine Erfahrung ist: Es gibt einfach Menschen, die erreichen wir nicht mit Argumenten. Und die brauche ich trotzdem.

    Das interessiert WiWo-Leser heute besonders


     Was heute noch wichtig ist, lesen Sie hier


    Sie wirken, ganz der Krisenmanager, sehr gelassen. Mit welchem Gefühl blicken Sie denn jetzt den nächsten Wochen entgegen?
    Wir sind mit unseren Erfahrungen aus der Pandemie und mit unseren Maßnahmen gut aufgestellt. Wir beobachten jetzt genau, was passiert, und haben ein tägliches Reporting zu den Krank- und Quarantänemeldungen aufgesetzt. Wir sehen sofort, wenn die Zahlen nach oben gehen – vor allem im betriebsnotwendigen Bereich. Und dann sind wir vorbereitet.

    Mehr zum Thema: Die Betreiber kritischer Infrastrukturen sorgen vor, um ihr Personal trotz Omikron-Welle einsatzfähig zu halten. Letzter Ausweg: „Kasernierung des Schichtpersonals“.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    Zur Startseite
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%