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KursabsturzDas Debakel bei Siemens Energy hat alle beschädigt

Die Aktie von Siemens Gamesa hat so schnell an Wert verloren wie kaum ein Dax-Wert zuvor. Das liegt auch am Management: Die Verantwortlichen des Unternehmens haben lange viel zu optimistisch kommuniziert. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Angela Maier 26.06.2023 - 14:47 Uhr
Foto: dpa

Der Schock sitzt tief bei den Aktionären von Siemens Energy. Die erneute Gewinnwarnung des Vorstands wegen weiterer Milliardenlasten bei der Windtochter Siemens Gamesa ließ den Aktienkurs am Freitag um im Dax nahezu beispiellose 37 Prozent abstürzen. Am heutigen Montag bleibt die Gegenbewegung bisher aus, bis Mittag ging es um rund fünf Prozent auf knapp 14 Euro weiter nach unten. Der Markt löscht damit sämtliche Kursgewinne der Siemens-Energy-Aktie seit vergangenem November aus.

Der Kurssturz zeigt: Der Siemens-Energy-Vorstand hat viel, womöglich alles Vertrauen verspielt, das er seit der Abspaltung der Energietechnikfirma im Herbst 2020 aufgebaut hat. Wie konnte das passieren?

Aus heutiger Sicht kann die Kommunikation wohl nur als katastrophal bezeichnet werden. Noch vor fünf Wochen bei der Vorlage der Halbjahreszahlen fehlte jeder Hinweis darauf, dass das Management wegen erhöhter Fehlerraten eine Überprüfung der bereits installierten Windräder an Land (Onshore) gestartet hat. Insbesondere bei Rotorblättern und Lagern bestehender Windräder stellten Kunden und die vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) des Unternehmens höhere Ausfälle fest. Das zu beheben, wird Siemens Energy nach den jetzigen Angaben über mehrere Jahre hinweg über eine Milliarde Euro kosten.

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Statt auf die Risiken hinzuweisen, verbreiteten Vorstandschef Christian Bruch und Finanzchefin Maria Ferraro vor fünf Wochen und auch in den vergangenen Monaten insgesamt den Eindruck, alles im Griff zu haben. Ein Grund dafür dürfte sein, dass sie die restlichen Anteile an der börsennotierten Siemens Gamesa an der Börse einsammeln wollten. Der Preis von rund vier Milliarden Euro, die Siemens Energy für den Erwerb der übrigen gut 30 Prozent an der Windfirma aufwandte, erscheint aus heutiger Sicht viel zu hoch. Begründet wurde dies damit, dass so der Durchgriff verbessert werde. So als hätte Siemens Energy nicht schon vorher mit 67 Prozent der Anteile das Sagen gehabt.

Anleger wollten es nicht wahrhaben

Die Anleger sollten sich aber auch an die eigene Nase fassen. Dass sich der Siemens-Energy-Aktienkurs vom Tiefstand 10,25 Euro vergangenen September bis Anfang Juni auf 24,81 Euro mehr als verdoppelt hat, war schlicht irrational. Das Onshore-Geschäft ist schon ein Desaster, seit Siemens 2017 seine im Offshore-Bereich starke Windsparte mit der spanischen Onshore-Firma Gamesa fusionierte. Die jetzige Warnung war nach Zählung der „Börsen-Zeitung“ die zehnte seit November 2019. Macht statistisch eine Prognosekorrektur alle 4,4 Monate.

Es scheint, die Anleger wollten gern an das Energiewende-Wunder glauben – und den Aufschwung nicht verpassen. Bei der letzten Warnung vor Qualitätsmängeln im Januar stieg der Siemens-Energy-Aktienkurs sogar. Ganz so, als wollten die Anleger nicht wahrhaben, dass Siemens Gamesa gut sechs Jahre nach der Fusion immer noch am Anfang steht. Der Vorstand muss sich allerdings vorhalten lassen, die Euphorie nicht gebremst zu haben. Nun stehen alle beschädigt da.

Lesen Sie auch: Ist die Windtochter Siemens Gamesa unsanierbar?

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