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Strom- und Gastarife Wie sich Verbraucher im Tarifdschungel zurechtfinden

Es spricht viel dafür, dass die Energiepreise weiter ansteigen. Dennoch können Verbraucher durch den Wechsel zu einem anderen Strom- oder Gasanbieter viel Geld sparen. Wenn sie die strategisch wählen und die Stolperfallen umgehen.

Verbraucher können durch einen Tarifwechsel viel Geld sparen. Angst vor einem Wechsel muss aber niemand haben, wenn man einige Stolperfallen kennt. Quelle: dpa

Kompakt, schadstofffrei und energieeffizient. So preist die Firma Evo ihre Elektroheizungen als Ersatz für Nachspeicherheizungen an. Gegen eine Postwurfsendung des baden-württembergischen Herstellers von Elektroheizungen ging die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen jüngst wegen Irreführung gerichtlich vor - mit Erfolg. In einem Diagramm hatten die Stromheizer nämlich die Kosten einer Kilowattstunde Strom mit den Preisen von einem Liter Heizöl und einem Kubikmeter Gas verglichen –.und Strom somit als günstigste Energiequelle dargestellt. Vergleichbar sind jedoch allenfalls die Preise pro Kilowattstunde, errechnet aus dem Energiegehalt von Öl und Gas. Das Oberlandesgericht Stuttgart untersagte deshalb dem Unternehmen diese Werbepraxis, bei Verbrauchern entstünde so ein verzerrtes Bild. Die Verbraucherschützer betonten. Strom ist gemessen am Kilowattstundenpreis die teuerste Energiequelle in privaten Haushalten. Das Urteil von Ende Mai diesen Jahres musste Evo schließlich akzeptieren.

Günstigerer Strom nicht in Aussicht
Das Vergleichsportal Check 24 zählt aktuell 718 Stromanbieter, die ihre Preise im Januar oder Februar des neuen Jahres erhöhen. Für einen Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 5.000 kWh wird der Strom im Durchschnitt 12,07 Prozent teurer. In den Top-Ten der Grundversorger, die ihre Preise am stärksten erhöhen, befinden sich auf dem zehnten Platz die Stadtwerke Zeil a. Main. Die Kunden müssen hier 17,97 Prozent mehr für ihren Strom bezahlen. Das entspricht bei einem Verbrauch von 5.000 kWh pro Jahr rund 226 Euro mehr als zuvor. Quelle: dpa
Auf dem neunten Platz liegen die Licht-, Kraft- und Wasserwerke Kitzingen GmbH mit einer Differenz von 18,09 Prozent zum alten Preis. Damit verlangt der Versorger 232 Euro mehr für seinen Strom. Quelle: dpa
Die städtischen Werke Borna GmbH befinden sich auf dem achten Platz der Strompreiserhöhungen im neuen Jahr. 18,35 Prozent müssen die Verbraucher mehr bezahlen - das sind 260 Euro mehr als im Vorjahr. Quelle: dpa
Auch in Fürth wird es für Stromkunden teurer: Die infra fürth GmbH verlangt 18,92 Prozent mehr - was 257,50 Euro entspricht. So liegt der Versorger auf Platz sieben. Quelle: dpa
Auf dem sechsten Platz befindet sich die EMB Energieversorgung Miltenberg-Bürgstadt GmbH & Co. KG mit einer Preiserhöhung von 19,05 Prozent. Hier müssen Verbraucher 236 Euro auf den alten Preis draufzahlen. Quelle: dpa
Den fünften Platz erreichen die Stadtwerke Borken/Westf. GmbH. Der Grundversorger hat seine Preise um 19,12 Prozent erhöht, was für den Verbraucher bedeutet, dass er 232 Euro mehr zahlen muss als zuvor. Quelle: dapd
Mit einer Erhöhung um 19,13 Prozent liegen die Stadtwerke Straubing Strom und Gas GmbH auf Platz vier. Hier muss der Verbraucher bei einem Jahresverbrauch von 5.000 kWh 230,50 Euro zusätzlich zahlen. Quelle: dpa

Das Beispiel zeigt: So manches Unternehmen bedient den drängenden Wunsch der Verbraucher nach Energieersparnis mit fragwürdigen Argumenten. Diese fallen oft genug auf fruchtbaren Boden, denn die Energieausgaben privater Haushalte haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch erhöht. In den vergangenen fünf Jahren stiegen die Kosten für Strom in einem Durchschnittshaushalt laut Bundesverband der Verbraucherzentralen um fast 44 Prozent. Der Gaspreis pro Kilowattstunde stieg im gleichen Zeitraum um mehr als 30 Prozent.

Das Fatale: Die Nachrichten über bevorstehende Preiserhöhungen für Energie reißen nicht ab. Möglichst günstig Strom und Gas zu beziehen, ist für viele private Haushalte zunehmend von existenzieller Bedeutung. Dabei wird es für Privathaushalte auch immer schwieriger, die Kosten für Strom und Gas im Zaum zu halten - trotz liberalisierter Märkte mit inzwischen mehr als 1.000 Strom- und über 850 Gasanbietern in Deutschland. Denn im gleichen Umfang Energiekosten zu sparen, in dem sie steigen, ist nahezu unmöglich oder selbst mit hohen Kosten für energiesparende Technik verbunden.

Verbraucher können dem nur durch eine zweigleisige Strategie begegnen: Energie sparen und Energie so preiswert beziehen wie möglich. Gerade bei letzterem drohen einige Fallstricke. Zudem haben Verbraucher inzwischen die Auswahl aus einem Tarifdschungel von mehr als 12.000 Strom- und über 8.000 Gastarifen. Wie also finden Verbraucher das beste Angebot für günstigen Strom und Gas? Wer seinen Bedarf an Strom und Gas analysiert und seinen neuen Tarif mit Bedacht wählt, kann zumindest vom zunehmenden Wettbewerb profitieren.

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