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Bundeskartellamt prüft Real-Verkauf Real und die Suche nach der verlorenen Zeit

Quelle: imago images

Im September 2018 startete Metro-Chef Olaf Koch den Verkauf der Supermarktkette Real und wollte die Konzerntochter längst los sein. Doch die geplante Aufteilung der Handelskette verzögert sich immer weiter. Frühestens im Frühjahr 2020 könnte ein Deal zustande kommen. Vielleicht.

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Inzwischen sind wohl selbst die Real-Chefs genervt vom zähen Verkaufs- und Zerschlagungsprozess für die Supermarktkette. In einem Brief an die 34.000 Beschäftigten des Unternehmens schrieben sie noch am vergangenen Freitag: „Wir alle brauchen schnell Klarheit“. Die Konzernmutter Metro habe erklärt, „man sei zuversichtlich, die Verhandlungen in den kommenden Wochen zu einem Abschluss bringen zu können“. Auch die Geschäftsführung setze sich dafür ein, dass es „möglichst schnell zu einer Entscheidung im Verkaufsprozess kommt“, beteuerten die Real-Chefs in dem Schreiben.

Vier Tage später ist klar, dass daraus nichts wird. Der Abschluss des komplexen Deals wird sich noch über Monate hinziehen – und selbst dann ist fraglich, ob und in welcher Form er überhaupt Realität wird. Das Problem: Das Bundeskartellamt hat eine umfassende Prüfung des Verkaufs eingeleitet. Es seien weitere Ermittlungen zu den Auswirkungen der Übernahme nötig, teilte die Bonner Behörde am Dienstag mit. Die Untersuchung laufe deshalb nach aktuellem Stand bis zum 28. Februar 2020.

Dabei schien der Prozess anfangs auf gutem Weg. Der Real-Mutterkonzern Metro hatte exklusive Verhandlungen mit einem Konsortium um den Immobilieninvestor Redos aufgenommen und auch das Kartellamt hatte einer Übernahme durch Redos bereits zugestimmt. Redos will gemeinsam mit Metro mehr als 50 der über 270 Real-Märkte weiter betreiben, die Marke Real soll dabei erhalten bleiben. Die übrigen Standorte sollen an Konkurrenten gehen, teils auch geschlossen werden. Der geplante Verkauf an andere Händler muss aber ebenfalls vom Kartellamt gebilligt werden.

Darunter fallen insbesondere die Übernahme-Pläne für 87 Real-Standorte durch Deutschlands größten Lebensmittelhändler Edeka. Klarheit, welche Märkte Edeka übernehmen kann, herrscht erst nach dem Ende der Prüfung durch die Kartellwächter. Diese schauen sich Übernahmen im von wenigen großen Handelskonzernen geprägten deutschen Einzelhandel in der Regel sehr genau an und hatten schon vor einigen Jahren Edekas Pläne für den Kauf sämtlicher Supermärkte von Kaiser’s Tengelmann durchkreuzt. Die Abgabe einzelner Standorte an kleinere Interessenten wie Tegut und der Georg Joss. Kaes Gmbh, die in Bayern unter anderem die V-Märkte betreibt, gilt in der Branche dagegen als wettbewerbsrechtlich unproblematisch.

Noch komplizierter wird die Situation durch das Verhalten von Kaufland. Der wichtigste Real-Wettbewerber arbeitet mit dem Immobilienunternehmen X+bricks zusammen, das ebenfalls Real übernehmen will, zunächst aber bei Metro-Chef Olaf Koch abgeblitzt war. In der vergangenen Woche war der Investor allerdings mit einer neuen Offerte vorgeprescht. „X+bricks hat sich erneut bei Metro gemeldet und signalisiert, mit einem deutlich nachgebesserten Angebot auf unsere Anforderungen einzugehen“, hatte eine Metro-Sprecherin erklärt. Die Verhandlungen mit Redos würden aber mit Hochdruck fortgeführt. „Wir sind bereits sehr weit und gehen jetzt in jedem Fall in die entscheidende Phase und sind zuversichtlich, zeitnah zu einer Entscheidung zu kommen“, hieß es zu diesem Zeitpunkt noch. Intern war man offenbar von einer deutlich schnelleren Prüfung durch das Bundeskartellamt ausgegangen.

Bereits seit September 2018 suchen Koch und seine Leute offiziell nach einem Käufer für Real. Zunächst im Frühjahr 2019, später im Sommer wollte man die Transaktion abschließen. Unter dem zähen Prozess leidet inzwischen auch das Geschäft. So verbuchte Real von Jahresanfang bis September ein deutliches Umsatzminus beim Verkauf von Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs (FMCG) – als einzige der großen deutschen Handelsketten. Das zeigen vertrauliche Marktdaten des Nürnberger Marktforschers GfK, die der WirtschaftsWoche vorliegen.

Nicht zuletzt sorgt das Gezerre für erhebliche Unruhe unter den Beschäftigten. „Es ist eine Zumutung“, kommentiert etwa eine Real-Mitarbeiterin bei Facebook die jüngsten Entwicklungen. „Ich wäre dafür, dass deutschlandweit jeder Markt von morgens bis abends streikt, und zwar solange bis endlich alles gesagt wird“.

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