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Deutschlands bekanntester Mittelständler Die große Wolfgang-Grupp-Show

Ein Unternehmerpaar lässt sich feiern: Wolfgang Grupp mit seiner Frau Elisabeth. Quelle: dpa

Fanfaren, Tränen, Schlager: Der Trigema-Patriarch Wolfgang Grupp bekommt zum 100. Jubiläum seiner Firma das Bundesverdienstkreuz – und einen Auftritt von Helene Fischer. Beobachtungen eines Partygastes.

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Eine Fanfare ertönt. Dann schreitet die Unternehmerfamilie Grupp hinein ins Festzelt. Die Stadtkapelle Burladingen spielt einen Marsch, alle erheben sich von ihren Plätzen. Der Patriarch, seine Frau und seine beiden Kinder winken huldvoll in die Menge. „Des isch ja wie bei den Königs“, raunt ein Gast seiner Frau zu.

Willkommen in Burladingen auf der Schwäbischen Alb, willkommen bei der 100-Jahr-Feier von Trigema, willkommen bei der T-Shirt-Fabrikantenfamilie Grupp. Das Fest an diesem Samstagabend ist vor allem eine Feier für das Lebenswerk von Firmenpatriarch Wolfgang Grupp, 77, der die „Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer“ seit 50 Jahren führt. Der Mann, der seine Produktion nicht nach Bangladesch ausgegliedert hat, sondern in Deutschland stricken, zuschneiden und zusammennähen lässt. Der in Talkshows gerne gegen verantwortungslose Manager poltert und durch die Fernsehwerbung mit dem Affen berühmt wurde. Deutschlands wohl bekanntester Mittelständler.

Grupp klettert auf die große Bühne. Da steht er nun: Smoking, Fliege, braungebrannt und gertenschlank – angeblich hat er seit Jahrzehnten die gleiche Kleidergröße. Vor ihm im Festzelt, das er für diesen Anlass auf dem Firmenparkplatz hat aufbauen lassen: 1500 Gäste – Mitarbeiter, Geschäftspartner, Politiker, Freunde. Es gibt ein Festmenü von Feinkost-Gastronom Michael Käfer, der Höhepunkt soll später der Auftritt von Schlagerstar Helene Fischer sein. Doch zunächst begrüßt Grupp mit kräftiger Stimme seine „Trigema-Betriebsfamilie“. Man könne heute, „mit berechtigtem Stolz“ feiern, sagt er. Die Erfolge seien auch möglich geworden, „weil ich seit 50 Jahren die alleinige Geschäftsführerschaft innehabe“. Der Mann weiß, was seine Firma an ihm hat.

Früher wurde Grupp für seine Fertigung „Made in Germany“ belächelt. Die Branche irritierte, dass seine T-Shirts nicht aus Billig-Fabriken um die halbe Welt zum Kunden geflogen werden. Heute, in Zeiten von Greta Thunberg, liegt Grupp mit seiner regionalen Produktion, seinen Predigten von Verantwortung und Solidarität so sehr im Trend wie noch nie zuvor – auch wenn das auf die Schnitte seiner T-Shirts-, Jogginghosen und Schlafanzüge eher nicht zutrifft. „Langlebige Mode statt schneller Trends“ nennt man das bei Trigema.

„Wenn in der Öffentlichkeit konstant Wachstum gefordert wird, sehe ich dieses Wachstum anders“, sagt Grupp. Die Kapazitäten seiner Produktion hat er seit 15 Jahren nicht verändert – er denkt auch gar nicht dran, das in Zukunft zu tun. Nein, seine Näher nähen das ganze Jahr über. Kurzarbeit gibt es bei Trigema nicht, 4,5 Millionen Kleidungsstücke kommen so zusammen. Was nicht verkauft wird, kommt ins Lager. So kann Grupp schneller liefern als seine Konkurrenz, wenn Nachfrage entsteht.

Die Grupps: Aus dem Leben einer Unternehmerfamilie
Der Patriarch: Wolfgang Grupp, 77, führt Trigema seit über 50 Jahren. Der Umsatz liegt ihm zufolge konstant um die 100 Millionen, unter einer Rendite von zehn Prozent arbeite er ungern. Mehr zum Thema: Wolfgang Grupp übergibt die Macht beim Textilhersteller Trigema schrittweise an seine Kinder. Warum das anders läuft als in vergleichbaren Unternehmerfamilien, lesen Sie in der großen Reportage der WirtschaftsWoche. Quelle: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche
Familien-Bande bei Trigema: Vater Wolfgang, hier im Gespräch mit WirtschaftWoche-Reporter Volker ter Haseborg, ist der Chef. Mutter Elisabeth, 53, ist für den Verkauf zuständig, Tochter Bonita für das Personal und E-Commerce, Sohn Wolfgang betreut Geschäftskunden und digitalisiert die Produktion. Quelle: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche
Bonita und Wolfgang Grupp in der Produktion: Bis zu zehn Tonnen Garn können im Werk in Burladingen täglich verstrickt werden. „Wir ergänzen uns gut“, sagt Bonita Grupp, 30, über die Zusammenarbeit mit der Familie. Sie ist seit sechs Jahren bei Trigema, ihr Bruder Wolfgang, 28, seit fünf. Quelle: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche
Teil der Firma: Die Grupp-Geschwister traten schon als Werbemodels für Trigema auf. Aktuell sind sie noch auf Firmen-Lastwagen zu sehen. Quelle: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche
Empfang auf Schwäbisch: Besucher der Burladinger Trigema-Zentrale müssen sich telefonisch anmelden. Foto: Volker ter Haseborg
Made in Germany: 1200 Mitarbeiter hat Trigema. Die T-Shirts, Poloshirts und Schlafanzüge werden in drei Werken in Deutschland hergestellt – und in 45 eigenen Geschäften verkauft. Quelle: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche
Trigema 4.0: Die Produktivität der Näher in der Trigema-Produktion wird neuerdings auf Tablets angezeigt. Ein Projekt von Wolfgang Grupp junior. Quelle: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche

Kein Jahr habe er mit Verlust abgeschlossen, sagt Grupp. Seit 1975 habe er keinen Kredit mehr bei der Bank aufgenommen. Man muss es ihm glauben. Er ist „alleiniger Geschäftsführer und Inhaber“, wie auf seiner Visitenkarte steht. Ein „e.K.“, ein eingetragener Kaufmann, der mit seinem Privatvermögen haftet – und im Bundesanzeiger keine Bilanzen veröffentlichen muss. Er sagt, dass er stets um die 100 Millionen Euro Umsatz erziele – im vergangenen Jahr waren es demnach 101,8 Millionen.

Grupp sagt auch, dass er ungern eine Rendite unter zehn Prozent mache. Überprüfen lässt sich das ebenfalls nicht. Aber er scheint ausreichend Geld auf dem Konto zu haben, denn er verkündet in seiner Rede, dass jeder Mitarbeiter 1000 Euro mit der nächsten Gehaltsabrechnung bekommen soll, als Anerkennung. In den hinteren Reihen der Festhalle bricht Jubel aus – dort sitzen seine Mitarbeiter. Grupp lächelt gütig.

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