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  4. Wolfgang Grupp feiert mit Helene Fischer: Zu Gast auf der Trigema-Party

Deutschlands bekanntester MittelständlerDie große Wolfgang-Grupp-Show

Fanfaren, Tränen, Schlager: Der Trigema-Patriarch Wolfgang Grupp bekommt zum 100. Jubiläum seiner Firma das Bundesverdienstkreuz – und einen Auftritt von Helene Fischer. Beobachtungen eines Partygastes.Volker ter Haseborg 27.10.2019 - 09:42 Uhr

Ein Unternehmerpaar lässt sich feiern: Wolfgang Grupp mit seiner Frau Elisabeth.

Foto: dpa

Eine Fanfare ertönt. Dann schreitet die Unternehmerfamilie Grupp hinein ins Festzelt. Die Stadtkapelle Burladingen spielt einen Marsch, alle erheben sich von ihren Plätzen. Der Patriarch, seine Frau und seine beiden Kinder winken huldvoll in die Menge. „Des isch ja wie bei den Königs“, raunt ein Gast seiner Frau zu.

Willkommen in Burladingen auf der Schwäbischen Alb, willkommen bei der 100-Jahr-Feier von Trigema, willkommen bei der T-Shirt-Fabrikantenfamilie Grupp. Das Fest an diesem Samstagabend ist vor allem eine Feier für das Lebenswerk von Firmenpatriarch Wolfgang Grupp, 77, der die „Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer“ seit 50 Jahren führt. Der Mann, der seine Produktion nicht nach Bangladesch ausgegliedert hat, sondern in Deutschland stricken, zuschneiden und zusammennähen lässt. Der in Talkshows gerne gegen verantwortungslose Manager poltert und durch die Fernsehwerbung mit dem Affen berühmt wurde. Deutschlands wohl bekanntester Mittelständler.

Grupp klettert auf die große Bühne. Da steht er nun: Smoking, Fliege, braungebrannt und gertenschlank – angeblich hat er seit Jahrzehnten die gleiche Kleidergröße. Vor ihm im Festzelt, das er für diesen Anlass auf dem Firmenparkplatz hat aufbauen lassen: 1500 Gäste – Mitarbeiter, Geschäftspartner, Politiker, Freunde. Es gibt ein Festmenü von Feinkost-Gastronom Michael Käfer, der Höhepunkt soll später der Auftritt von Schlagerstar Helene Fischer sein. Doch zunächst begrüßt Grupp mit kräftiger Stimme seine „Trigema-Betriebsfamilie“. Man könne heute, „mit berechtigtem Stolz“ feiern, sagt er. Die Erfolge seien auch möglich geworden, „weil ich seit 50 Jahren die alleinige Geschäftsführerschaft innehabe“. Der Mann weiß, was seine Firma an ihm hat.

Raus aus dem Schatten des Patriarchen

So anders läuft der Generationenwechsel bei Trigema

von Volker ter Haseborg

Früher wurde Grupp für seine Fertigung „Made in Germany“ belächelt. Die Branche irritierte, dass seine T-Shirts nicht aus Billig-Fabriken um die halbe Welt zum Kunden geflogen werden. Heute, in Zeiten von Greta Thunberg, liegt Grupp mit seiner regionalen Produktion, seinen Predigten von Verantwortung und Solidarität so sehr im Trend wie noch nie zuvor – auch wenn das auf die Schnitte seiner T-Shirts-, Jogginghosen und Schlafanzüge eher nicht zutrifft. „Langlebige Mode statt schneller Trends“ nennt man das bei Trigema.

„Wenn in der Öffentlichkeit konstant Wachstum gefordert wird, sehe ich dieses Wachstum anders“, sagt Grupp. Die Kapazitäten seiner Produktion hat er seit 15 Jahren nicht verändert – er denkt auch gar nicht dran, das in Zukunft zu tun. Nein, seine Näher nähen das ganze Jahr über. Kurzarbeit gibt es bei Trigema nicht, 4,5 Millionen Kleidungsstücke kommen so zusammen. Was nicht verkauft wird, kommt ins Lager. So kann Grupp schneller liefern als seine Konkurrenz, wenn Nachfrage entsteht.

Der Patriarch: Wolfgang Grupp führt Trigema seit über 50 Jahren. Der Umsatz liegt ihm zufolge konstant um die 100 Millionen, unter einer Rendite von zehn Prozent arbeite er ungern.

Foto: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche

Familien-Bande bei Trigema: Vater Wolfgang, hier im Gespräch mit WirtschaftsWoche-Reporter Volker ter Haseborg, ist der Chef. Mutter Elisabeth ist für den Verkauf zuständig, Tochter Bonita für das Personal und E-Commerce, Sohn Wolfgang betreut Geschäftskunden und digitalisiert die Produktion.

Foto: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche

Bonita und Wolfgang Grupp in der Produktion: Bis zu zehn Tonnen Garn können im Werk in Burladingen täglich verstrickt werden. „Wir ergänzen uns gut“, sagt Bonita Grupp (Jahrgang 1989) über die Zusammenarbeit mit der Familie. Sie und ihr Bruder Wolfgang (Jahrgang 1991) sind seit einigen Jahren bereits im Unternehmen aktiv.

Foto: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche

Teil der Firma: Die Grupp-Geschwister traten schon als Werbemodels für Trigema auf, manchmal sind sie auch auf Firmen-Lastwagen zu sehen.

Foto: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche

Empfang auf Schwäbisch: Besucher der Burladinger Trigema-Zentrale müssen sich telefonisch anmelden.

Foto: Volker ter Haseborg

Foto: WirtschaftsWoche

Made in Germany: 1160 Mitarbeiter hat Trigema (Stand: 2023). Die T-Shirts, Poloshirts und Schlafanzüge werden in den Werken in Deutschland hergestellt.

Foto: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche

Trigema 4.0: Die Produktivität der Näher in der Trigema-Produktion wird mittlerweile auf Tablets angezeigt. Ein Projekt von Wolfgang Grupp junior.

Foto: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche

Affentheater: Eine beliebte Fernsehwerbung mit einem Schimpansen machte Trigema berühmt.

Foto: dpa Picture-Alliance

Könige der Lüfte: Zu Geschäftsterminen nehmen die Grupps manchmal ihren Helikopter.

Foto: imago images

Ein Reetdachhaus auf der Schwäbischen Alb: Das ist der Familiensitz der Grupps. Von der Villa in die Firma müssen sie nur über die Straße gehen.

Foto: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche

Schöner Wohnen: Die Grupps treffen sich in ihrer Villa zum Frühstück, zum Mittag- und Abendessen. Eine Trennung zwischen Beruf und Familie gibt es nicht.

Foto: Matthias Schmiedel für WirtschaftsWoche

Auch im Tode vereint: Sogar sein Grab hat Wolfgang Grupp schon anlegen lassen. Auf der Grabplatte steht sein Geburtsdatum. Auch für seine Frau und die Kinder hat er Platz geschaffen.

Foto: imago images

Kein Jahr habe er mit Verlust abgeschlossen, sagt Grupp. Seit 1975 habe er keinen Kredit mehr bei der Bank aufgenommen. Man muss es ihm glauben. Er ist „alleiniger Geschäftsführer und Inhaber“, wie auf seiner Visitenkarte steht. Ein „e.K.“, ein eingetragener Kaufmann, der mit seinem Privatvermögen haftet – und im Bundesanzeiger keine Bilanzen veröffentlichen muss. Er sagt, dass er stets um die 100 Millionen Euro Umsatz erziele – im vergangenen Jahr waren es demnach 101,8 Millionen.

Grupp sagt auch, dass er ungern eine Rendite unter zehn Prozent mache. Überprüfen lässt sich das ebenfalls nicht. Aber er scheint ausreichend Geld auf dem Konto zu haben, denn er verkündet in seiner Rede, dass jeder Mitarbeiter 1000 Euro mit der nächsten Gehaltsabrechnung bekommen soll, als Anerkennung. In den hinteren Reihen der Festhalle bricht Jubel aus – dort sitzen seine Mitarbeiter. Grupp lächelt gütig.

Auszeichnung: Winfried Kretschmann (l.) verleiht Wolfgang Grupp das Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse.

Foto: dpa

Auch Politiker sind an diesem Tag nach Burladingen gereist. Allen voran der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der Wolfgang Grupp für seine „exzellente, nachhaltige Wertarbeit“ preist und ihm das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verleiht. „Solchen Unternehmergeist braucht die gesamte Republik.“ CSU-Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bekennt: „Ich trage Trigema auf meiner Haut. Unterwäsche von Trigema.“ Mit diesem Bekenntnis hat er es am vergangenen Freitag sogar in die ZDF-Satiresendung „Heute Show“ geschafft, die eine Fotomontage des Ministers mit Trigema-Affen und Trigema-Logo zeigte – der Marke hat es sicher nicht geschadet. Auch der scheidende EU-Kommissar Günther Oettinger, ein Amtsvorgänger Kretschmanns, ist gekommen. Er lobt Grupp so: „Er ist exzellent – und ein bisschen exzentrisch.“

Das stimmt: Grupp steht zu seinem Lebensstil. Zu seiner Villa, es ist ein Reetdachhaus (auf der Schwäbischen Alb!) gegenüber der Firma; er hat sie mit viel Gold und Jagdtrophäen ausstatten lassen. Zu seinem Helikopter, der während der Feier in der Garage in direkter Sichtweite vom Festzelt parkt. Das Fluggerät nutzen die Grupps, um zu ihren Geschäftsterminen zu fliegen. Ein Luxus auf die schwäbische Art: Wenn die Dienste des Piloten gerade mal nicht benötigt werden, arbeitet er im Einkauf mit.

Stargast: Helene Fischer tritt im Rahmen der Feierlichkeiten zum Trigema-Jubiläum auf.

Foto: dpa

Grupp wird an diesem Abend einmal sehr emotional. Seine Stimme stockt, ihm kommen die Tränen. Er will sich bei seiner Frau Elisabeth, 53, bedanken, die seit 31 Jahren an seiner Seite ist. Er überreicht ihr einen riesigen Strauß roter Rosen. Auch bei seinen Kindern bedankt er sich. Dafür, dass sie „mit Selbstverständlichkeit“ den Weg in die elterliche Firma gefunden haben. „Ich weiß, dass das heute anscheinend nicht normal und selbstverständlich ist.“

Wolfgang junior und Bonita Grupp sind seit ihrer Geburt in der Firma aufgewachsen. Und in dem Haus, das ihr Vater samt Kinderzimmern schon gebaut hatte, als er seine Ehefrau noch gar nicht kannte. Er wusste, was er vorhatte.

Seine Kinder schickte er aufs Internat in die Schweiz und zum Studieren nach England – danach kamen beide zu ihm in die Firma, arbeiten mit Mutter Elisabeth, die für den Verkauf zuständig ist, in der Firma mit. Bonita ist für die 1200 Mitarbeiter zuständig und leitet den E-Commerce-Bereich, Wolfgang betreut Geschäftskunden und digitalisiert die Produktion. Mit ihren Eltern sitzen sie nicht nur im Großraumbüro – sie leben auch wieder mit ihnen in der Reetdachvilla zusammen.

Auf dem Friedhof hat Grupp Senior sogar schon Gräber für seine Familie anlegen lassen. Sein Name und Geburtsdatum steht schon auf der Grabtafel, das wollte er so. Für die anderen ist noch ausreichend Platz. Was auf andere wie ein Gefängnis wirkt, ist für die Grupp-Geschwister völlig normal. Sie lassen nichts auf ihre Eltern kommen.

Der Vater hat in seinem Testament festgelegt, dass nur ein Kind die Firma erben wird, das andere wird ausbezahlt. Beide Kinder akzeptieren das und beteuern, dass sie sich auch dann eine Doppelspitze in der Geschäftsführung vorstellen können, wenn nur einer der Erbe ist.

„Du bist unser bester Mentor“

Auch die Grupp-Kinder haben ihren Auftritt, sie ehren an diesem Tag die Firmen-Jubiliare: Mitarbeiter, die seit 40 und 25 Jahren in der Firma sind. Und ihren Vater, bei dem es 50 sind. „Wir möchten Danke sagen, dass du Trigema aufgebaut hast, das nicht besser für die Zukunft aufgestellt sein könnte“, sagt Bonita Grupp. Wolfgang junior sagt: „Lieber Papa, wir wollen dein Lebenswerk fortführen. Wir wollen es, so lange es geht, mit Dir zusammen machen. Denn du bist unser bester Mentor.“

Die große Wolfgang-Grupp-Show findet ihren Höhepunkt, als Helene Fischer um 22 Uhr auf die Bühne tritt und Herrn Grupp artig gratuliert. Die Trigema-Mitarbeiter jubeln, sind bei den folgenden Liedern sehr textlicher, filmen den Auftritt mit ihren Handys. Und Fischer weiß, was sie ihrem gut zahlenden Gastgeber schuldig ist, der sich zwei Jahre um ihren Auftritt bemüht hat. Sie habe sich gerade „tolle Sportkleidung ausgesucht“, natürlich von Trigema, erzählt sie. Und sie sagt, dass die Titel ihrer Lieder auch zu Wolfgang Grupp passen. Sie singt „Du bist ein Phänomen“ oder „You’re simply the best“.

Elisabeth Grupp ist da schon längst von ihrem Sitzplatz aufgesprungen und tanzt vor der Bühne, ebenso wie Wolfgang junior, der ein großer Helene-Fischer-Fan ist. Und der Patriarch? Bleibt ein bisschen auf Abstand zur Bühne und genießt.

Wolfgang Grupp setzt sich erstmal hin und lächelt. Er sieht sehr zufrieden aus.

Mehr zum Thema: Wolfgang Grupp, Deutschlands bekanntester Mittelständler, übergibt die Macht beim Textilhersteller Trigema schrittweise an seine Kinder. Das läuft anders als in vergleichbaren Unternehmerfamilien.

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