WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Deutschlands bekanntester Mittelständler Die große Wolfgang-Grupp-Show

Seite 2/2

„Solchen Unternehmergeist braucht die gesamte Republik“

Auch Politiker sind an diesem Tag nach Burladingen gereist. Allen voran der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der Wolfgang Grupp für seine „exzellente, nachhaltige Wertarbeit“ preist und ihm das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verleiht. „Solchen Unternehmergeist braucht die gesamte Republik.“ CSU-Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bekennt: „Ich trage Trigema auf meiner Haut. Unterwäsche von Trigema.“ Mit diesem Bekenntnis hat er es am vergangenen Freitag sogar in die ZDF-Satiresendung „Heute Show“ geschafft, die eine Fotomontage des Ministers mit Trigema-Affen und Trigema-Logo zeigte – der Marke hat es sicher nicht geschadet. Auch der scheidende EU-Kommissar Günther Oettinger, ein Amtsvorgänger Kretschmanns, ist gekommen. Er lobt Grupp so: „Er ist exzellent – und ein bisschen exzentrisch.“

Das stimmt: Grupp steht zu seinem Lebensstil. Zu seiner Villa, es ist ein Reetdachhaus (auf der Schwäbischen Alb!) gegenüber der Firma; er hat sie mit viel Gold und Jagdtrophäen ausstatten lassen. Zu seinem Helikopter, der während der Feier in der Garage in direkter Sichtweite vom Festzelt parkt. Das Fluggerät nutzen die Grupps, um zu ihren Geschäftsterminen zu fliegen. Ein Luxus auf die schwäbische Art: Wenn die Dienste des Piloten gerade mal nicht benötigt werden, arbeitet er im Einkauf mit.

Auszeichnung: Winfried Kretschmann (l.) verleiht Wolfgang Grupp das Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse. Quelle: dpa

Grupp wird an diesem Abend einmal sehr emotional. Seine Stimme stockt, ihm kommen die Tränen. Er will sich bei seiner Frau Elisabeth, 53, bedanken, die seit 31 Jahren an seiner Seite ist. Er überreicht ihr einen riesigen Strauß roter Rosen. Auch bei seinen Kindern bedankt er sich. Dafür, dass sie „mit Selbstverständlichkeit“ den Weg in die elterliche Firma gefunden haben. „Ich weiß, dass das heute anscheinend nicht normal und selbstverständlich ist.“

Wolfgang junior und Bonita Grupp sind seit ihrer Geburt in der Firma aufgewachsen. Und in dem Haus, das ihr Vater samt Kinderzimmern schon gebaut hatte, als er seine Ehefrau noch gar nicht kannte. Er wusste, was er vorhatte.

Seine Kinder schickte er aufs Internat in die Schweiz und zum Studieren nach England – danach kamen beide zu ihm in die Firma, arbeiten mit Mutter Elisabeth, die für den Verkauf zuständig ist, in der Firma mit. Bonita ist für die 1200 Mitarbeiter zuständig und leitet den E-Commerce-Bereich, Wolfgang betreut Geschäftskunden und digitalisiert die Produktion. Mit ihren Eltern sitzen sie nicht nur im Großraumbüro – sie leben auch wieder mit ihnen in der Reetdachvilla zusammen.

Auf dem Friedhof hat Grupp Senior sogar schon Gräber für seine Familie anlegen lassen. Sein Name und Geburtsdatum steht schon auf der Grabtafel, das wollte er so. Für die anderen ist noch ausreichend Platz. Was auf andere wie ein Gefängnis wirkt, ist für die Grupp-Geschwister völlig normal. Sie lassen nichts auf ihre Eltern kommen.

Der Vater hat in seinem Testament festgelegt, dass nur ein Kind die Firma erben wird, das andere wird ausbezahlt. Beide Kinder akzeptieren das und beteuern, dass sie sich auch dann eine Doppelspitze in der Geschäftsführung vorstellen können, wenn nur einer der Erbe ist.

„Du bist unser bester Mentor“

Auch die Grupp-Kinder haben ihren Auftritt, sie ehren an diesem Tag die Firmen-Jubiliare: Mitarbeiter, die seit 40 und 25 Jahren in der Firma sind. Und ihren Vater, bei dem es 50 sind. „Wir möchten Danke sagen, dass du Trigema aufgebaut hast, das nicht besser für die Zukunft aufgestellt sein könnte“, sagt Bonita Grupp. Wolfgang junior sagt: „Lieber Papa, wir wollen dein Lebenswerk fortführen. Wir wollen es, so lange es geht, mit Dir zusammen machen. Denn du bist unser bester Mentor.“

Stargast: Helene Fischer tritt im Rahmen der Feierlichkeiten zum Trigema-Jubiläum auf. Quelle: dpa

Die große Wolfgang-Grupp-Show findet ihren Höhepunkt, als Helene Fischer um 22 Uhr auf die Bühne tritt und Herrn Grupp artig gratuliert. Die Trigema-Mitarbeiter jubeln, sind bei den folgenden Liedern sehr textlicher, filmen den Auftritt mit ihren Handys. Und Fischer weiß, was sie ihrem gut zahlenden Gastgeber schuldig ist, der sich zwei Jahre um ihren Auftritt bemüht hat. Sie habe sich gerade „tolle Sportkleidung ausgesucht“, natürlich von Trigema, erzählt sie. Und sie sagt, dass die Titel ihrer Lieder auch zu Wolfgang Grupp passen. Sie singt „Du bist ein Phänomen“ oder „You’re simply the best“.

Elisabeth Grupp ist da schon längst von ihrem Sitzplatz aufgesprungen und tanzt vor der Bühne, ebenso wie Wolfgang junior, der ein großer Helene-Fischer-Fan ist. Und der Patriarch? Bleibt ein bisschen auf Abstand zur Bühne und genießt.

Wolfgang Grupp setzt sich erstmal hin und lächelt. Er sieht sehr zufrieden aus.

Mehr zum Thema: Wolfgang Grupp, Deutschlands bekanntester Mittelständler, übergibt die Macht beim Textilhersteller Trigema schrittweise an seine Kinder. Das läuft anders als in vergleichbaren Unternehmerfamilien.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%