Die Wahrheit über dm Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein – aber warum?

Nach der Schlecker-Pleite hängt die Karlsruher Drogeriekette alle Rivalen ab und schiebt sich an die Branchenspitze. Die ARD widmet sich im Markencheck der Frage, warum dm so erfolgreich ist – und auf wessen Kosten.

Innenansicht einer Filiale der Drogerie-Kette

Die Drogeriekette dm ist der Branchenprimus in Deutschland, der Drogerist, der mit den beliebtesten Eigenmarken aus jedem Quadratmeter Ladenfläche mehr rausholt als die Konkurrenz, und auch der Ruf ist besser als der der anderen: Viele kaufen dort, weil sie glauben, dass nicht nur die Qualität stimmt, sondern auch Mitarbeiter und Umwelt vor Rendite gehen.

Aber ist das das Erfolgsgeheimnis oder geht dm mit besonderen Tricks auf Kundenfang? Und was ist mit dem Preis und der Fairness? Das hat die ARD am Montagabend in der Wirtschaftsdokumentation „Markencheck“ geprüft und dabei so manches Geheimnis des Marktführers gelüftet.

Check 1: Wie funktioniert der Kundenfang? Los geht es in einer Turnhalle in Leverkusen, wo die Autoren der Doku die Sporttaschen der Teilnehmerinnen eines Fitness-Kurses unter die Lupe nehmen. Natürlich horten die Frauen dort dm-Produkte soweit das Auge reicht. Auch als die Reporter eine Kundin nach Hause begleiten, finden sie hinter jeder Tür ein Produkt, das bei dm gekauft wurde.

Schleckers Rivalen im Kampf um die Kunden
In Deutschland teilen sich im Wesentlichen vier große Ketten den Drogeriemarkt. Hinter jeder steht eine starke Unternehmerpersönlichkeit. Anstoß für die Gründung der Drogerieketten war die Aufhebung der Preisbindung für Drogerieprodukte 1973. Die wichtigsten Daten und Fakten zu den Marktführern.
Das Unternehmen Müller ist mit 2,265 Mrd. Euro Jahresumsatz die kleinste unter den vier größten Drogeriemarktketten. In bundesweit fast 500 Geschäften bietet Müller - anders als seine drei größeren Konkurrenten - auch Schreib- und Spielwaren sowie Haushaltsartikel an. Der Durchschnittsumsatz pro Filiale ist mit 4,86 Mio. Euro der höchste unter den großen Vier. Der Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche liegt bei Müller bei fast 4.000 Euro.
Insgesamt hat Müller fast rund 150.000 Artikel im Sortiment. Kleinkaufhäuser galten eigentlich seit den 70er-Jahren als unrentabel. Und das Konzept hat nicht nur in Deutschland Erfolg, sondern auch im Ausland: Dort ist die Kette in sechs Staaten mit über 120 Filialen aktiv.
Erwin Müller ist Gründer und Geschäftsführer der Drogeriemarktkette Müller, die aus der Keimzelle eines Friseur-Geschäfts hervorging. Die erste Filiale öffnete 1973. Er ist Arbeitgeber von 25.000 Beschäftigten.
Rossmann konnte seine Erlöse im Jahr 2011 um 10,5 Prozent auf 5,12 Milliarden Euro steigern. Für das Jahr 2012 wird ein Gesamtumsatz von 5,6 Milliarden Euro erwartet. Der Durchschnittsumsatz pro Filiale liegt bei über zwei Millionen Euro.
Zentraler Logistik-Standort ist Landsberg bei Halle/Saale. Nach Polen, Tschechien, Ungarn und Albanien hat sich Rossmann mit der Türkei in den fünften ausländischen Staat vorgewagt. In dem Land mit 72 Millionen Verbrauchern sieht das Unternehmen gewaltiges Potenzial. Nachdem die Milliardengrenze beim Auslandsumsatz mit 992 Millionen Euro 2009 knapp nicht überschritten werden konnte, ist das im Jahr 2010 mit 1,184 Milliarden Euro gelungen. Rossmann hat seit Anfang 2011 mehr als 820 Drogeriemärkte im Ausland.
Gründer Dirk Roßmann stammt aus einer Drogistenfamilie. Seine Ladenkette rief er 1972 ins Leben. Heute beschäftigt über 30.000 Menschen.

Ein anderes Team fängt in Köln vor einer dm-, einer Schlecker- und einer Rossmann-Filiale Kunden ab und fragt sie danach, ob sie immer dort oder auch woanders einkaufen. Das Ergebnis fällt wenig überraschend aus: Während nur sechs Prozent der Befragten angeben, regelmäßig bei Schlecker einzukaufen und 25 Prozent der Kundinnen immer wieder bei Rossmann landen, halten gut 48 Prozent der Kunden dem Branchenprimus die Treue.

Ein Wirtschaftspsychologe kennt den Grund: Die Läden bei dm sind hell und freundlich gestaltet, statt Gedränge gibt es breite Gänge. So breit, dass dort mühelos ein Einkaufs- und ein Kinderwagen aneinander vorbei fahren können. Außerdem sind die Regale in den Filialen besonders niedrig und stehen, anders als bei der Konkurrenz, schräg, was vor allem das Manövrieren mit dem Einkaufs- oder Kinderwagen einfacher macht und einen besseren Blick auf die Produkte ermöglicht. Kurz: Im Grunde macht dm all das richtig, was Schlecker falsch machte.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%