Döner-Offensive des Discounters: So schmeckt der Inflations-Döner von Aldi
Wertmarke für einen Aldi-Döner
Foto: Alexander VoßEin Imbisswagen auf dem Parkplatz, das kennt man sonst eher vom Baumarktbesuch. Was sich am Mittwoch vor einer Woche vor der Aldi-Süd-Filiale in der Düsseldorfer Ahnfeldstraße abspielte, war jedoch keine Verwechslung, sondern eine große Marketing-Aktion: „Döner für Alle“ prangte in dicken Lettern über dem cremefarbenen Foodtruck.
Die Idee scheint bei der Kundschaft gut anzukommen. Als ich am Nachmittag das Gelände betrete, säumt eine lange Menschenschlange den Parkplatz. Vor mir in der Reihe steht „Zeus Spezial“. Was nach einem Fast-Food-Menü im Europapark klingt, ist der Name eines Twitch-Streamers, der seine Follower an den Bildschirmen live an der Aktion teilhaben lässt.
Damit der junge Mann mit Kamera und Selfie-Stativ nicht von einem der vielen rückwärts ausparkenden Familienkombis überrollt wird, passt ein kräftig gebauter Mann mit gelber Warnweste auf. Er hat an diesem Nachmittag alle Mühe, die dönerhungrige Meute in geordnete Bahnen zu lenken.
Schlange stehen für den 2- bis 3-Euro-Döner von Aldi
Foto: Alexander VoßDer Andrang überrascht nicht, schließlich bietet der Discounter seinen Kunden Dönerpreise, die sie seit dem Gammelfleischskandal Anfang der 2000er nicht mehr gesehen haben dürften. Drei Euro kostet hier die Variante mit Fleisch, zwei die vegetarische. Aktuell liegt ein Döner im Durchschnitt eher bei sechs bis acht Euro. Schuld daran ist unter anderem die Inflation.
Dönerpreisindex statt McFlation
Während sich diese in den vergangenen Monaten merklich abschwächte, blieben die Verbraucherpreise weiter hoch. Das spürt die Bevölkerung besonders beim Lebensmittelkauf – und eben beim Döner. 2022 bezeichnete die Grünen-Politikerin Zoe Meyer den Dönerpreis sogar als Stimmungsbarometer für Deutschland. Und im Internet fordern junge Menschen – mal mehr, mal weniger ernsthaft – die Einführung einer Dönerpreisbremse.
Kein Wunder also, dass Aldi ausgerechnet den Döner als Marketingobjekt auserkoren hat. Denn wo Ökonomen auf mehr oder minder obskure Indizes starren, achtet der Durchschnittsdeutsche auf weniger abstrakte Preisindikatoren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie teuer das Leben geworden ist. Und wie viel D-Mark das noch gleich wären.
Das Konzept, Ankerprodukte als Indikatoren heranzuziehen, ist dabei gar nicht weit hergeholt. Mit dem Big-Mac-Index hat der britische Economist bereits 1968 seinen ganz eigenen Indikator zum Vergleich der globalen Kaufkraftparitäten entdeckt. Der Dönerpreis-Index als alternativer Inflationsindikator sollte sich also mühelos etablieren lassen.
Billigdöner in Bioqualität
Aldi nutzt die sommerliche Döner-Aktion, um kräftig das eigene Image zu polieren. Und das lässt sich der Discounter was kosten. Zum einen stammt das für die Aktionsdöner verwendete Fleisch laut Aldi aus der Haltungsstufe 4 (früher Bio). Das passt zum unlängst vollzogenen Schwenk des Discounters, der bis 2030 kein Fleisch aus den Haltungsstufen eins und zwei mehr im Sortiment führen will.
Zum anderen hat der Discounter angekündigt, die Einnahmen aus dem Dönerverkauf an die Tafeln der Orte spenden zu wollen, in denen die mobile Dönerbude Halt macht: Düsseldorf, Mainz, München, Nürnberg.
Zeit ist Geld
Zurück in die Warteschlange. Als ich nach knapp einer Stunde Wartezeit endlich die Verkaufstheke erreiche, dreht der Spieß noch immer genüsslich seine Runden. Eins ist klar: Den günstigen Döner bezahlt man hier mit kostbarer Lebenszeit. Die lange Wartezeit kann wahlweise zum ausgiebigen Studium der Wochenangebote genutzt werden oder einfach zum Staunen. Denn die Besucherströme wollen an diesem Mittwochnachmittag nicht abreißen.
Während das Fleisch in vielen Drehspieß-Buden aus einer Masse geformt und gefroren angeliefert wird, ist das Fleisch vom Aldi-Döner tatsächlich geschichtet. Pluspunkt für den Aldi-Döner.
Die Döner-Preisbremse kommt in zwei Varianten: Mit Fleisch oder Veggie.
Foto: Alexander VoßJetzt geht es an die Tasche. Neben Fleisch oder Fleischersatz finden noch zerkleinerter Eisbergsalat, Kraut, Zwiebel, Tomate und Gurke ihren Weg ins Dönerbrot. Abgerundet wird das Dönererlebnis mit einer etwas langweilig geratenen Joghurtsoße. Die vielerorts geschätzte scharfe Soße? Gibt es hier nicht. Stattdessen ein umfunktionierter Zuckerstreuer mit Chiliflocken zur Befriedigung des Schärfebedürfnisses. Punktabzug bei der Ausstattung.
Geschmacklich kann sich der Aldi-Döner trotzdem sehen lassen. Besonders der intensive Rindfleischgeschmack fällt positiv auf.
Bei der vegetarischen Variante greift der Discounter auf marinierte „Döner-Chunks“ auf Sojabasis zurück, die gestandene Vegetarier bereits aus dem Aldi-Sortiment kennen und die dem Veggie-Döner im Vergleich zur Fleischvariante etwas mehr Würze verleihen. Das Brot ist knusprig und der Salat schmeckt frisch. Alles in allem ein solider Döner zum Einkaufswagenpreis.
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