Markenrechte verkauft: Alle Läden von Gerry Weber müssen schließen
Nach mehr als 50 Jahren wird der Modeanbieter Gerry Weber abgewickelt. Zwar wurde mit dem spanischen Modehändler Victrix nun ein Käufer für die Marke Gerry Weber gefunden, wie das insolvente Unternehmen mitteilte. Die Victrix-Gruppe plane den Neustart der Damenmodemarke aber „unter Nutzung der eigenen Strukturen“. Heißt: Das Label Gerry Weber soll in Deutschland und anderen europäischen Ländern weiterhin verkauft werden, Sourcing und Produktion werden aber von Victrix organisiert.
Auch die bestehenden Läden von Gerry Weber in Deutschland und in anderen europäischen Ländern sollen in den kommenden Monaten „nach den üblichen Abverkaufsmaßnahmen geschlossen“ werden, teilt das Unternehmen mit. In Deutschland betreibt das Unternehmen derzeit noch gut 40 Shops und Outlets. Dass der Stammsitz im westfälischen Halle aufgeben werden muss, hatte sich bereits in den vergangenen Wochen abgezeichnet.
Gerry Weber in der Dauerkrise
Das 1973 von Gerhard Weber gegründete Label steckt seit Jahren in der Krise. Das Unternehmen war Anfang 2019 nach einer jahrelangen rasanten Erweiterung des Filialnetzes und der Übernahme der Damenmodekette Hallhuber erstmals in die Insolvenz gerutscht. Schon damals wurde die Zahl der Läden deutlich reduziert, auch die Mitarbeiterzahl schrumpfte. Vier Jahre nach der ersten Insolvenz leitete Gerry Weber im April 2023 dann ein vorinsolvenzliches Sanierungsverfahren (StaRUG) ein, gleichzeitig gingen die Einzelhandels-Tochter Gerry Weber Retail und die Österreich-Tochter in die Insolvenz. Wieder wurden Läden geschlossen und Stellen gestrichen. Doch der Erfolg blieb auch diesmal aus.
Zwar hieß es bis kurz vor dem dritten Insolvenzantrag, Gerry Weber sei bis 2027 durchfinanziert. Doch offenbar galt das nur für den Fall, dass die optimistischen Umsatz- und Ertragspläne des Managements aufgehen würden. Tatsächlich soll unter anderem das wichtige Weihnachtsgeschäft 2024 deutlich schlechter gelaufen sein, als erwartet. Hinzu kamen im Februar finanzielle Probleme eines Vertriebspartners. Im März musste das Unternehmen schließlich wieder Insolvenzantrag stellen. Der Restrukturierungsberater Christian Gerloff zog in die Geschäftsführung ein. Als vorläufigen Sachverwalter setzte das Gericht den Juristen Lucas Flöther ein.
„Trotz des erheblichen Zeitdrucks konnten wir den im März gestarteten Investorenprozess für Gerry Weber zügig und erfolgreich abschließen“, kommentiert Gerloff nun in einer Pressemitteilung den Verkauf der Markenrechte. „Dies war angesichts der allgemeinen Marktlage im Modeeinzelhandel alles andere als selbstverständlich“. Die Victrix-Gruppe sei nicht nur ein international aufgestellter strategischer Investor, sondern auch im gleichen Marktsegment wie Gerry Weber aktiv. „Ich traue ihr zu, dass der Neustart dieser traditionsreichen Marke gelingt“, so Gerloff.
Gerry Weber passe „perfekt zu unserer Kernmarke Punt Roma“, heißt es vom Victrix-Management. „Wir bauen damit unsere Position im gehobenen Mittelpreissegment aus, vor allem in Mittel- und Osteuropa, wo Gerry Weber eine hohe Bekanntheit hat.“
Lesen Sie auch: Familiendrama, letzter Akt