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Luxus im InternetDie Eine-Milliarde-Euro-Frage des Philipp M.

Lange Zeit verkauften sich Luxusprodukte wie Chronographen, Kelly Bags oder Seidenschals nur zögerlich über Online-Shops. Jetzt denken die Luxuskonzerne um. Auch, weil sie von Start-ups wie Chronext getrieben werden.Thorsten Firlus 30.03.2017 - 18:48 Uhr
Foto: WirtschaftsWoche

Philipp Man sitzt in einer Ramen-Bar auf dem Gelände der Uhrenmesse Baselworld, scheint mit seinen Augen ein Loch in sein Gegenüber bohren zu wollen und stellt die Eine-Milliarden-Euro-Frage: „Glauben Sie, dass wir in ein paar Jahren eine Milliarden Euro Umsatz machen können?“

Es geht um den Umsatz mit Luxus. Second-Hand-Luxus. Aus dem Internet. Philipp Man ist Gründer und CEO des Unternehmens Chronext. Er ist 25 Jahre alt. Was er nicht vergisst zu erwähnen. Gegründet hat er sein Unternehmen 2013.

Mans Leidenschaft deckt sich mit seinem Produkt: Luxusuhren. Aus seiner Leidenschaft, die sich an seiner kostspieligen Uhr am Arm erkennen lässt, hat er ein Start-Up gestrickt. 130 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, rund 100 davon in Köln. Das Unternehmen hat seinen Sitz jedoch in Zug in der Schweiz. „Wenn Sie in der Uhrenbranche unbekannt sind, dann ist es sinnvoll, dass Ihr Unternehmen in der Schweiz ansässig ist“, sagt Man.

Es sind oft Kleinigkeiten, die ein neues Modell von Rolex von seinen Vorgängern unterscheidet. 50. Geburtstag feiert das Modell Oyster Perpetual Sea-Dweller. Das Jubiläumsmodell hat ein um drei Millimeter auf 43 Millimeter vergrößertes Edelstahlgehäuse und zur besseren Ablesbarkeit des Datums die Zykloplupe über dem Datum geschenkt bekommen.

Foto: PR

Der russische Uhrmacher Konstantin Chaykin braucht nur wenig, um aus einer technisch konventionellen Uhr einen echten Hingucker zu machen. "The Joker" heißt das Modell - angelehnt an die böse Figur aus den Batman-Comics. Die handelsübliche Mondphasenanzeige fungiert dank weniger Veränderungen des Rahmen als Mund samt roter Zunge. Die schielenden Augen sind die Darstellung der Stunde und Minuten. Je nach Uhrzeit und Stand des Mondes, verändert sich das Gesicht der Uhr im wahrsten Sinne des Wortes. Die zwei Kronen hat die Uhr aus einem simplen Grund: Sie sollen die Ohren darstellen.

7000 Euro soll die spielerische Variante kosten.

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Von außen klassisches Uhrmacherhandwerk, innen Elektronik statt Mechanik. TAG Heuer setzt in Basel unter anderem auf die Smartwatch Connected Modular 45 vor. Der Kunde kann die Bauteile des Gehäuses individuell auswählen. Der Clou der Uhr: In einigen Jahren, wenn die elektronische Technik von heute nur noch alt ist, kann der Besitzer sich ein mechanisches Uhrwerk einbauen lassen.

Foto: PR

Die Genfer Manufaktur Patek zeigt in Basel unter anderem das Modell 5960/1. Hinter der Zahlenkombi verbirgt sich eine Uhr, die Wochentag, Monat und Tag anzeigt. Darüber hinaus ist mit dem Chronograph eine Stoppuhr enthalten. Diese wiederum springt zurück, wenn man sie auf Null stellt - das sogenannte Flyback, eine mechanische Komplikation. Der kleine Zeiger oben mit + und - zeigt an, wie viel Gangreserve das Automatikwerk noch hat.

Foto: PR

Digitale Anzeige ja, Quarzantrieb nein: Das Modell Dodekal von MCT Watches zeigt die Stunde - hier die 12 - mittels eines Mechanismus an, der die weißen Striche austauscht. Die Minutenanzeige läuft hingegen konventionell im Kreis.

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Tudor, das ist Rolex kleine Schwester - und das verhehlt sie auch nicht. Dieser Black Heritage Chronograph mit Armband in Jeansoptik ist für die Marke dennoch ein besonderer Schritt: Im Inneren tickt erstmals ein Chronographenuhrwerk aus der eigenen Manufaktur.

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Das Ufo ist ein Podest für einen Stift. Das klingt wirr und wie bei vielen Projekten des Uhrenunternehmens MB&F, die mechanische Skulpturen fertigen, ist es das auch. Das Unternehmen Caran d'Ache, bekannt für seine Stifte, hat die Uhrmacher mit diesem Projekt beauftragt. Die Rakete, die auf der Basis steht, ist das Schreibutensil.

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Die Retrowelle läuft weiter, die Hamilton Intra-Matic 68 nutzt voll den Rückenwind dieses Trends. 1968 kam dieses Zifferblatt erstmals auf den Markt. "Panda-Gesicht" wurde es wegen der zwei weißen Kreise auf schwarzem Grund genannt. Und nun sehen Sie den Panda auch.

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Noch ein paar Jahre früher hat diese Longines im Blick: 60 Jahre "Flagship" möchte dieses Retromodell zelebrieren.

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Ohne den Erfolg der Plastikquarzuhr Swatch wäre es Nicolas G. Hayek nie gelungen, das Imperium an mechanischen Uhren mit vielen Marken von Breguet über Blancpain bis Glashütte Original zu bilden. Sein Sohn Nick Hayek führt das Unternehmen weiter und neue Swatch-Modelle dürfen nicht fehlen.

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Seit vielen Jahren gelingt es dem Pariser Luxuskonzern Hermes, mit eigenständigen Modellen die Uhrenbranche zu beleben. Das Modell "L'heure impatiente" (Stunde der Ungeduld) ist ein mechanischer Timer. Ein Ereignis binnen zwölf Stunden lässt sich so zwar nicht früher beginnen, aber das Warten darauf soll so schöner sein.

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Auf Fotos kaum zu erkennen, was in natura dem Auge rasch auffällt: Die besondere Eigenheit von weißer Emaille. Die Atum Email hat ein emailliertes Zifferblatt, das Blau auf 12 Uhr setzt einen weiteren Akzent.

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Einsteigeruhren wurden von den Herstellern mechanischer Uhren in den besonders erfolgreichen Jahren mit Rekordabsätzen ein wenig vernachlässigt. Nun schielen alle auch wieder auf Kunden, die nicht gleich den Gegenwert eines Kleinwagens oder eines mehrwöchigen Karibikurlaubs investieren wollen. Die Glashütter Manufaktur zeigt in diesem Segment eine Reihe von neuen Zifferblattvarianten in der Reihe Club. Campus heißen die Modelle und in der Kommunikation des Unternehmens werden direkt Oma und Opa angesprochen, die so eine Uhr dem Abiturienten schenken können - mit Platz für eine Gravur auf dem Stahlboden.

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Zu den Entwicklungen der vergangenen Jahre in der Uhrenindustrie gehört, dass die Gehäuse wieder kleiner werden. Das ist zum einen den kleineren Handgelenken vieler Kunden in den wichtigen asiatischen Märkten geschuldet und zum anderen einer fast natürlichen Entwicklung: Noch größer hätten sie einfach nicht mehr werden können. Nach Jahren der Gigantomanie besinnt man sich für Herrenuhren Gehäusemaßen, die früher als Damenuhr galten. Mit 38 Millimeter Durchmesser gehört die Taucheruhr Bathycaphe zu den kleinen Vertretern des Genres. Für Frauen und Männer.

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Echte Zeiger, echte Ziffern - und dennoch eine Smartwatch. Einer der vielen Hybriden, die dieses Jahr auf der Messe zu sehen sind. Schlafmonitoring, Activity-Tracker - solche Daten kann die Alpina Seastron Horological Smartwatch im Zusammenspiel mit einem Smartphone erfassen.

Foto: WirtschaftsWoche

Ein bisschen Spiel muss sein: Chopards Modell Happy Ocean hat unter dem Uhrglas fünf Diamanten, die frei beweglich umhergleiten. Die Anzeige ist mit fluoreszierenden Punkten ausgestattet.

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Unten die Stunde, oben die Minuten, in der Mitte die Sekunden. Auf der Uhr ist es 12:18:07. Wer sich einmal dran gewöhnt hat, liest die Zeit auf Chanels Uhr schnell ab.

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Meistersinger ist bekannt für Uhren, die mit einem Zeiger auskommen. Dieses Modell Circularis hat zudem eine Datumsanzeige und eine Anzeige für die Gangreserve. Immerhin 120 Stunden soll die Uhr mit einem Mal aufziehen in Takt bleiben.

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Chronext beschäftigt Programmierer, Designer und Uhrmacher. 100 Millionen Euro Umsatz plant das Unternehmen für 2018. Die Zeitschrift Forbes wählte Man zuletzt in die Liste von 30 beachtenswerten Unternehmern unter 30 Jahren. Wie hat er das gemacht? Alle Traditionen der Uhrenbranche über Bord geworfen, Luxusprodukte ins Netz geholt und dort zeitgerecht inszeniert. „Wir sind überzeugt, dass wir mit E-Commerce für gebrauchte Luxusuhren eine Nische besetzen können, die die Industrie vernachlässigt.“

Die Traditionsmarken leben von der Geschichte

Das sind markige Worte. Selbst für die großen Luxusunternehmen von Hermès über Kering (Bottega Veneta, Brioni, Gucci) bis Richemont (IWC, Lange & Söhne, Dunhill, Shanghai Tang) ist E-Commerce noch immer ein schwieriges Geschäft. Produkte wie wasserfeste Reitstiefel aus Kalbsleder oder mechanische Uhren mit ewigen Kalendern oder Stoppuhrfunktion leben zum einen Teil von ihrer Qualität. Zu einem guten Teil leben sie aber auch von der Geschichte, die um sie herumgestrickt wird und vor allem von der Betreuung des Kunden im Fachgeschäft.

Jean-Claude Biver

"Man lernt durch Fehler und Niederlagen"

von Thorsten Firlus

Der Kauf besiegelt oft nur die sorgsam inszenierte Dramaturgie der Beratung. Das Überreichen der kunstvoll bestückten Tüte ist das i-Tüpfelchen einer Abfolge von Umschmeichelungen, oft begleitet von einem Glas Champagner. Gute Kunden können sich darauf verlassen, dass ihr Berater sich nicht nur an den Namen erinnert, sobald sie durch die Tür treten. Emotionen werden geweckt, die kaum entstehen, wenn ein Kunde das Produkt anklickt, auswählt, in den Warenkorb legt, sich ein Kundenkonto anlegt, Kreditkartendaten eingibt und Enter drückt.

Aus der Nische wird ein Umsatzbringer

Doch nun kommt erneut Bewegung in den virtuellen Luxusvertrieb. Nur zwei Beispiele: Im Juni 2009 schloss der Luxuskonzern Louis Vuitton Moet Hennessy (Cartier, Dom Pérignon, Rimowa, Fendi, Marc Jacobs) die Webseite eluxury.com. Im Mai soll ein Portal entstehen für die Marken des Konzerns. Laut Financial Times wird es firmieren unter der Domain des Luxuskaufhauses Le Bon Marché. Das ist ein traditionsreiches Luxuskaufhaus in Paris. Es gehört zu LVMH . Der Zeitpunkt, um mit einer bekannten Marke den Online-Handel wieder anzukurbeln, ist besser gewählt als zu Beginn des Jahrtausends. Aus der Nische wird ein Umsatzbringer.

Wie sich unser Verständnis von Luxus verändert
Nur wenige Begriffe werden so inflationär und so unterschiedlich verwendet, wie der Luxus-Begriff. Die Vorstellung von Luxus ist nicht nur individuell unterschiedlich, sie unterliegt auch einem gesellschaftlichen Wandel. In einem idealtypischen Modell beschriebt das Schweizer Gottlieb Duttweiler Institut vier Phasen, die den Wandel des nachvollziehbar machen. Das Modell beschreibt einen Reifeprozess, der sich an den Lebensphasen orientiert;Quelle: Gottlieb-Duttweiler-Institut. „Der nächste Luxus. Was uns in Zukunft lieb und teuer wird.“
Die erste Phase der Luxusentwicklung  ist geprägt durch einen großen Konsumhunger, der mit dem was angeboten wird, befriedigt wird. Das vorherrschende Prinzip: „Mehr ist Mehr“.  Dies ist vor allem auf aufstrebenden Märkten zu beobachten. Hier herrschen Nachholbedarf und das Verlangen aufzusteigen. Gleichzeitig gibt es ein Defizit.
Sie setzt Solvenz voraus, wird aber dominiert von einem verstärkten Wettbewerbsdruck. Der Traum von einem weiterem Aufstieg weicht der Angst vor einem Abstieg.  Nun wird das „Mehr“ zum „Muss“. Güter mit Signalwirkung  gewinnen an Bedeutung: Mein Haus, mein Auto, mein Diamantring.
Eine erste Luxusmüdigkeit setzt ein. Die Phase ist geprägt vom abnehmenden Grenznutzen. Die Erkenntnis, dass das Glücksfühl beim Erwerb eines Produkts abnimmt, je öfter und hindernisloser dieser möglich ist, stellt sich ein. Der Luxuskonsum verschiebt sich von der Produkt- auf die Erlebnisebene.
Die Ästhetik des neuen Luxus lässt sich für die Forscher des GDI auf den Begriff der Verschlichterung bringen.  Luxuskonsumenten demonstrieren bewusst den Verzicht. Die Fähigkeiten, dass Reduzierte und Essentielle leben, aber lesen zu können rückt in den Vordergrund. Nur wer über materiellen Besitz verfügt, wird sich die Fähigkeiten aneignen können, um die Codes des neuen Luxus zu entziffern.

Das ist zu beobachten am Portal Net-a-porter. Gegründet wurde es im Jahr 2000 von der ehemaligen Modejournalistin Natalie Massanet und gehört heute zur Yoox-Net-A-Porter-Group. An der wiederum hält der Luxuskonzern Richemont einen Anteil von 50 Prozent. Und der bereitet dessen Verwaltungsratspräsident Johann Rupert derzeit Freude. Yoox konnte 2016 den Umsatz um 12 Prozent steigen. Wenngleich der durchschnittliche Bestellwert auf 334 Euro zurückging – die Zahl der Bestellungen stieg um 18 Prozent.

Die Hemmschwelle, per Online-Versand auch sehr teure Waren zu ordern, sinkt. Auf der anderen Seite versuchen Unternehmen, dem Nutzer auch auf seiner Homepage ein besonderes Einkaufsvergnügen zu bereiten, das über die simple Auswahl eines Produktes und eine fehlerfreie Customer-Experience bis zur virtuellen Kasse hinausgeht. Videoeinspielungen, Geräusche, Spielereien – auf hermes.com beispielsweise lässt sich Zeit vertendeln, ohne Geld auszugeben.

Was den Deutschen beim Online-Luxus-Kauf wichtig ist
Fragestellung: Wie wichtig sind Ihnen folgende Faktoren beim Einkauf in einem Online-Luxus-Shop?Quelle: McKinsey Verbraucherumfrage unter 550 Teilnehmern, Juni 2014
Eine Lieferung noch am gleichen Tag
Exklusiver Zugang zum Shop, den nur ausgewählte Kunden nutzen können
Eine persönliche Einkaufsberatung
Der Shop besitzt neben dem Online-Auftritt auch Ladenlokale, die ich vorher schon einmal besucht habe
Der Online-Shop bietet Newsletter-Abonnements oder redaktionelle Inhalte auf der Seite
Frühere Verfügbarkeit bestimmter Produkte als im Geschäft
Die Möglichkeit, das Produkt in zwei Größen zu bestellen und umzutauschen, falls es nicht passt
Exklusive Online-Angebote
Kostenlose Lieferungen
Komfortable Rückgabebestimmungen

Für die Konzerne ist eine Expansion im Internet oft leichter zu bewerkstelligen als eine physische mit neuen Boutiquen und Stores. Mieten in 1A-Lagen der Shoppingmetropolen sind hoch, der Platz bleibt begrenzt. Vom heimischen Rechner oder Mobilgerät ist der Weg zu McLaren genauso weit oder nah wie zu La Prairie oder Cartier. Dazu gehört, in der Ansprache des Kunden neue Kanäle zu statt Standorte zu erobern. Im für den Luxussektor so wichtigen chinesischen Markt, setzen Marken wie Bulgari bereits auf das Programm WeChat.

Online first jetzt auch im Uhrenhandel

Vor allem die Uhrenbranche testet derzeit die Möglichkeiten aus. Die Marke Chronoswiss hat anlässlich des 45. Geburtstages der deutschen Ausgabe des Playboy eine schwarz-goldene Edition in limitierter Auflage ins Programm genommen – erhältlich ausschließlich über die eigene Webseite. Branchenriese Rolex zeigt sämtliche Modelle mit Preisen auf seiner Webseite – Transparenz für den Kunden ist eines der Ziele. Und das Portal mrporter.com (ebenfalls eine Yoox-Tochter) vertreibt ab Mai für zwei Wochen exklusiv die erste Smartwatch des Herstellers Mont Blanc, bevor sie auch in den Boutiquen erhältlich ist – online first.

Das Ranking:

Seit 2012 listet Ernst & Young alljährlich die Top Luxusunternehmen Deutschlands auf. Neben dem Ursprung in Deutschland als Aufnahmekriterium müssen die Produkte das höchste Segment der jeweiligen Branche bedienen, für den Endverbrauch gedacht sein und nicht auf reinen Dienstleistungen beruhen.

Foto: dpa

Die Wertung:

Das Ranking besteht aus einem harten „Facts“- und einem weichen „Emotions“-Score, die beide gleichgewichtet sind. Ersterer setzt sich aus Umsatz, Exklusivität und Qualität zusammen, letzterer aus Aspekten wie Markenbindung und persönlichem Nutzen. Neben einer Jury wurden auch Markenbefragungen zur Bewertung herangezogen.

Foto: dpa

Rang 10: Porsche

Im Vorjahr schaffte es Porsche noch auf Platz acht, in diesem Jahr müssen sich die Stuttgarter mit dem zehnten Platz begnügen mit einem Gesamtergebnis von 71,94 Prozent. Auf der emotionalen Ebene schafft es der Autobauer auf 89,99 Prozent – und ist damit in dieser Kategorie zweiter. Grund dafür ist sowohl die weltweite Präsenz als auch die Symbolkraft für Erfolg und Wohlstand, schreiben die Autoren.

Foto: REUTERS

Rang 9: Walter Knoll

Der Stuttgarter Möbelproduzent muss ebenfalls zwei Ränge einbüßen und landet mit 72,09 Prozent auf Rang 9. In puncto Nachhaltigkeit landet Walter Knoll auf Platz 2. Allerdings beeinflusst Nachhaltigkeit die Kaufentscheidung nicht, wie E&Y-Partner Florian Huber sagt.

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Rang 8: Dedon

Der Produzent von exklusiven Außenmöbeln holt drei Plätze gegenüber dem Vorjahr auf und kommt insgesamt auf 72,19 Prozent. Das erst 1990 vom Ex-Fußballprofi Bobby Dekeyser gegründete Unternehmen hat zahlreiche Designpreise gewonnen. Im „Emotions“-Rating kommt es trotzdem nur auf 70,18 Prozent.

Foto: gms

Rang 7: Bechstein Piano

Die C. Bechstein Pianofortefabrik AG Berlin schafft es durch Steigerungen im Emotions- und Fakten-Rating erstmals unter die Top 10 mit einem Ergebnis von 73,92 Prozent.

Foto: C. Bechstein

Rang 6: BMW i8

Der Hybrid von BMW landet auf Platz 6 mit 74,16 Prozent, nachdem er im Vorjahr noch Platz 9 belegte. Noch vor Porsche führt BMW das „Emotions“-Rating an mit 90,54 Prozent. Auch in puncto Nachhaltigkeit ist der BMW ganz vorne. „Im Automobilbereich liefert BMW mit der Vermarktung des i3 bzw. i8 ein Paradebeispiel für die Bespielung des Neuen Luxus“, schreiben die Autoren von E&Y.

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Rang 5: Bulthaup

Auch in diesem Jahr hat sich auf den vordersten Plätzen kaum etwas getan. Der Küchenmöbelhersteller mit Sitz in Aich ist von Platz 4 auf 5 gefallen mit einem Ergebnis von 75,26 Prozent.

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Rang 4: Glashütte Original

Abgelöst hat Bulthaup das Uhrenwerk Glashütte. Das Unternehmen, das seit 2000 zur Swatch Group gehört, hat einen Platz gut gemacht. Es glänzt vor allem durch die hervorragende Platzierung im „Facts“-Ranking, wo das Unternehmen 90,91 Prozent erhält. Insgesamt kommt es auf 79,74 Prozent

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Rang 3: A. Lange & Söhne

Ebenfalls aus Glashütte kommt die Lange Uhren GmbH, zu der die Marke A. Lange & Söhne gehört. Im vergangenen Jahr kam die Uhrenmanufaktur noch auf den 2. Platz, diesmal reicht es nur für den 3. mit 85,97 Prozent. Wie auch Glashütte Original besticht A. Lange & Söhne im „Facts“-Ranking mit dem herausragenden Wert von 94,45. Auch im „Emotions“-Ranking kommt das Unternehmen unter die Top 5.

Foto: dpa

Rang 2: Leica

Leica kommt insgesamt auf 88,36 Prozent und macht damit im Vergleich zum Vorjahr einen Platz gut. Sowohl im „Facts“- wie im „Emotions“-Rating landet das Unternehmen auf Platz 3.

Foto: dpa

Rang 1: Montblanc

Wie auch schon im Vorjahr belegt der Hamburger Hersteller von Schreibgeräten, Schmuck, Armbanduhren und Lederwaren mit 89,40 Prozent Rang 1. Kein Unternehmen kommt im „Facts“-Rating an der 1906 gegründeten Firma vorbei.

Foto: REUTERS

Die Online-Expansion hat bei ersten Anbietern bereits Auswirkungen, die auch traditionelle Kunden zu spüren bekommen. Die italienische Marke Panerai, ebenfalls eine Richemont-Tochter wird die Zahl der Boutiquen reduzieren. Im Gegenzug hat Panerai vor einem Jahr mit dem Onlineverkauf in den USA begonnen und kürzlich auch in China.

Die Wettbewerber der Marke Omega, die zur Swatchgroup gehört, setzt ebenfalls auf Onlinehandel. Der neue Chef Raynald Aeschlimann sagte in einem Interview mit der Sonntagszeitung: „Derzeit entwerfen wir eine Onlinestrategie. Sie sollte in ein paar Monaten vorliegen.“ Kleine Ziele verfolgt Aeschlimann damit nicht – er möchte Rolex als größten Hersteller von mechanischen Uhren ablösen. Das steht überraschend im Kontrast zur Ansicht des Swatchgroup-Chefs Nick Hayek. Der erklärte, dass eCommerce bei den Luxusmarken wegen der beschränkten Produktions- und Verkaufszahlen wenig Sinn mache.

Uhren, Handtaschen, Seidentücher – unproblematische Produkte, wenn es um der Versand geht. Luxuriöse verderbliche Waren profitieren vom Online-Handel dennoch ebenso. Spezialisten wie Otto Gourmet oder Gourmetfleisch können mit zentraler Lagerung, schneller Logistik und tiefer Kenntnis über den Schutz der Kühlkette Gourmets im ganzen Land mit Cuts von USDA-Prime Beef bis zu japanischem Wagyu-Filet für 200 Euro das Kilo rasch versorgen.

Technologie ist in der Logistik entscheidend, doch die Verführung via virtueller Welten steht noch am Anfang des Onlinehandels mit Luxus. Virtual- und Augmented Reality schaffen Luxusmarken die Möglichkeit, ihre Produkte dem Kunden näher zu bringen, ohne dass er sie anfassen muss.

Philipp Man wird zu den ersten gehören, die diese Mittel nutzen, um Liebhaber mechanischer Uhren zum Kauf auf seiner Webseite zu verlocken. Gelingt es ihm und seinem Team, die Begeisterung für tickende Uhrwerke auch bei Menschen an einem Endgerät zu wecken, darf er die Eine-Milliarden-Euro-Frage vielleicht in Zukunft mit Recht stellen. Und vielleicht kauft er dann LVMHs alte Domain eluxury.com – denn die ist bis heute ungenutzt.

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