Luxuskonzern: LVMH greift nach Berliner Brillenfirma Mykita
Arbeiter dekorieren einen Flagship Store der LVMH-Marke Louis Vuitton in New York. Foto: imago
Foto: imago imagesIn den Räumen einer ehemaligen Kita in Berlin fing vor 20 Jahren alles an. Dort startete der Brillenhersteller Mykita, der zur internationalen Nobelmarke aufstieg. Seither wirbt das Unternehmen mit seiner Unabhängigkeit und manufakturähnlichen Produktion. Jetzt steht Mykita nach Informationen der WirtschaftsWoche vor einer Kapitalbeteiligung des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH über dessen italienisches Brillenunternehmen Thélios.
Von Mykita heißt es, dass es sich um einen Minderheitsanteil handelt. Das Unternehmen pocht auf seine Eigenständigkeit. Mykita werde „weiterhin mit voller Unabhängigkeit in allen Aspekten“ arbeiten, von den Designs bis zur Produktion und Vertrieb.
Ohnehin müssen noch die Behörden dem Einstieg zustimmen. So wurde das Vorhaben jüngst beim Bundeskartellamt angemeldet.
Spielraum für neue Projekte
Mykita macht keine Angaben über die genaue Höhe der LVMH-Thélios-Beteiligung, die in Form einer Kapitalerhöhung erfolgt. „Die Beteiligung gibt uns Spielraum, neue Projekte voranzutreiben“, erklärt eine Sprecherin. Mykita und Thelios sind beide in der Nobelbranche unterwegs, wobei die Italiener auf Einkaufstour sind und einen Expansionskurs steuern. Vor gut einem Jahr wurde beispielsweise die französische Top-Sonnenbrillenmarke Vuarent übernommen. Thelios produziert und vertreibt zahlreiche Sonnenbrillen und Fassungen der Edelmarken Dior, Fendi, Celine und andere.
Für Mykita ist die Beteiligung von LVMH die größte Änderung in der Gesellschafterstruktur seit knapp zehn Jahren, als die meisten Mitgründer ausstiegen. Zuletzt waren Mitgründer und Chef Moritz Krüger (45) sowie der 74-jährige Multi-Unternehmer Bernd Beetz die beiden Gesellschafter – und bleiben dies auch, heißt es auf Anfrage. Jetzt stößt LVMH hinzu.
Viel Prominenz an Bord
Damit schließt sich der Kreis. Denn Beetz ist Experte im Luxusgütermarkt, stand an der Spitze der Parfumgruppe Coty und leitete vor vielen Jahren die Parfum- und Kosmetiksparte von Dior/LVMH. Zuletzt engagierte sich Beetz bei der Rettung der insolventen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof.
Mykita wird in über 80 Ländern in Europa, Nordamerika und Asien verkauft. Nach zuletzt veröffentlichten Zahlen stieg der Konzernumsatz 2022 auf gut 32 Millionen. Aktuellere Angaben liegen nicht vor. Weltweit gibt es 320 Beschäftigte, davon 270 in Berlin. Dort bezieht Mykita in diesem Monat ein neues Domizil in Berlin-Kreuzberg.
Die wohl prominenteste Brillenträgerin von Mykita ist die soeben gescheiterte US-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris. Sie trug eine Sonnenbrille des Berliner Herstellers, als sie vor fast genau vier Jahren per Handy-Anruf vom damaligen Sieg von Joe Biden und ihrer Rolle als Vizepräsidentin erfuhr.