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McDonald's-JubiläumDer Kampf um die Gourmet-Nische im Burgermarkt

60 Jahre nach der Gründung hat McDonald’s mit Problemen zu kämpfen. Alternative Burgerbrater wie What’s Beef oder Hans Im Glück haben aus den Fehlern des Fastfood-Giganten gelernt – und schnappen ihm die Kunden weg.Niklas Dummer 15.04.2015 - 11:03 Uhr

Wie sieht die Zukunft des Burgers aus? Wie hier, bei dem "Low-Carb-Burger" von Whatsbeef hat die Bullette hat das Brötchen ersetzt.

Foto: Pressebild, Montage

„Egal ob du einen Burger kreierst oder einen Laden aufbaust – du musst es machen wie eine Kunst“, sagt Selim Varol. Der 43-Jährige steht für einen Trend, der dem Branchenprimus McDonald’s zu schaffen macht: Den Gourmet-Burger.

Seit dem Sommer 2013 betreibt Varol What’s Beef. Was er als „Kunst“ versteht, wird schon beim Blick in das Düsseldorfer Restaurant deutlich: Die Wände sind rot gekachelt, verziert mit Bildern des Street-Art-Künstlers Shepard Fairey, die Tische aus Teakholz, die Stühle minimalistisch und in Edelstahl gehalten und aus den Boxen dröhnt New Yorker Hip Hop.

Enormous Omelet Sandwich

Fett, fetter, "Omelet Sandwich": Dieses arterienverstopfende "Frühstückchen", das Burger King 2005 auf den US-Markt brachte, hatte so viel Kalorien, Fett und Cholesterin zwischen seinen labberigen Brötchenhälften, dass es heftig kritisiert und schließlich größtenteils vom Markt genommen wurde - in einzelnen Restaurants findet man es aber noch hin und wieder.

Foto: Justin Baeder, CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Foto: Creative Commons

Pizza von McDonald's

Pizza liebt jeder - aber nicht von McDonald's. Die Fast-Food-Kette hat seit den Siebzigerjahren immer mal wieder versucht, Pizza in ihrem Angebot in verschiedenen Ländern der Welt zu etablieren - mit mäßigem Erfolg. Der Hauptgrund, dass die Versuche bis zum Jahr 2000 fast überall wieder eingestellt wurden: Es dauerte mit durchschnittlich elf Minuten einfach zu lange, die Pizza in den Filialen zuzubereiten. Auch die McSpaghetti, ebenfalls ein Versuchsballon der späten Siebziger, konnten sich nicht bei der breiten Masse durchsetzen.

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Foto: Screenshot

McLobster

Für Hummer zu McDonald's? Das musste doch einfach schiefgehen. Das samt reichlich Sauce und etwas Salat in ein Hot-Dog-Brötchen geschaufelte Hummerfleisch verschwand nur wenige Wochen nach seiner Markteinführung auch schon wieder. Allerdings: In New England und im Osten Kanadas gibt es den McLobster noch, wann immer McDonald's billig tiefgekühltes Hummerfleisch einkaufen kann.

Foto: Kelapstick, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Foto: Creative Commons

Mini-Burger

Burger King versuchte mehrmals, Mini-Burger an den Mann zu bringen. In den späten Achtzigerjahren hießen sie "Burger Bundles", dann "Burger Buddies" und um das Jahr 2000 versuchte es der Fast-Food-Riese nochmal mit den "Burger Shots" als Sechserpack. Doch auch die Umbenennungen konnten nichts daran ändern, dass die Kunden einfach nicht zu den Mini-Brötchen greifen wollten.

Foto: "BK Shots" von Gustav H, CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Foto: Creative Commons

McHotDog

McDonald's versuchte sich seit den Neunzigerjahren vor allem bei sommerlichen Sportereignissen im mittleren Westen der USA immer mal wieder am Würstchen im Brötchen - obwohl der frühere CEO Ray Kroc es eigentlich verboten hatte, weil er den Hot Dog als unhygienisch erachtete. Auch in Chile und Japan wurden für kurze Zeit McHotDogs verkauft. Durchgesetzt hat sich das Produkt aber nicht.

Foto: REUTERS

Satisfries

30 Prozent weniger Fett, aber voller Geschmack - das versprechen die "Satisfries" von Burger King, ein Wortspiel aus dem englischen "satisfaction", zu deutsch Befriedigung, und "fries" für Pommes Frites. Allenfalls "befriedigend" fanden die Kunden die Fritten, sodass die kalorienreduzierte Variante 2014 im wichtigen US-Markt aus dem Programm flog - in Deutschland gibt es die fettärmere Variante hingegen noch.

Foto: obs/Burger King Beteiligungs GmbH

Foto: CLARK/obs

Hula Burger

Katholiken durften bis in die Sechzigerjahre hinein freitags kein Fleisch essen - auch in der Fastenzeit sollen sie auf Fleisch verzichten. Hier sah McDonald's-Gründer Ray Kroc eine Marktlücke und erfand den "Hula Burger", der anstelle der Hackfleischbulette eine Scheibe gegrillte Ananas mit Käse enthielt. Der Burger war ein Flop - stattdessen setzte sich aber der Fischburger durch, den es als "Filet-o-Fish" noch heute gibt.

Foto: Fotolia

McLean Deluxe

1991 wollte McDonald's dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein Rechnung tragen. Die kalorienreduzierte Variante McLean Deluxe wurde als "91 Prozent fettfrei" angepriesen. Im Vergleich zum Big Mac mit 26 Gramm Fett hatte der McLean rund 10 Gramm Fett. Dazu wurde reichlich Wasser mit einem Bindemittel aus Algen, dem Carragen, und zugesetztes Aroma in der Bulette gebunden. Gar nicht mal so lecker, fanden die Kunden, und brachten dem Burger den Spitznamen "Mc Flopper" ein.

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Foto: Screenshot

Shake 'em up Fries

Da hüpft das komplette Burger-King-Restaurant - allerdings nur im Jahr 2002: Noch im Jahr der Markteinführung verschwanden die "Shake 'em up Fries" auch schon wieder von der Bildfläche. Die Fritten, die besonders auf Kinder abzielten, sollten in einer Tüte zusammen mit Gewürzen, zum Beispiel einem getrockneten Käsepulver, geschüttelt werden und so ein besonderes Geschmackserlebnis bieten. Was sich in der Theorie ganz gut anhörte, setzte sich aber nicht durch.

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Foto: Screenshot

McAfrika

McDonald's hat immer mal wieder Themenwochen. Doch der McAfrika ging nach hinten los. Der Burger (bestehend aus Rindfleisch und Gemüse in einem Pita-Brot) wurde 2002 in Norwegen präsentiert, als zur gleichen Zeit in Südafrika die Menschen an einer schweren Hungersnot litten. Das Ganze war ein gigantisches PR-Desaster. Die Fast-Food-Kette entschuldigte sich, stoppte den Burger und stellte stattdessen Spendensammelboxen für die Hungerhilfe in seinen Restaurants auf, die den Burger angeboten hatten.

Foto: REUTERS

„Wir verkaufen nicht nur einen Burger, sondern den Kurztrip nach New York“, wirbt Varol. Im Big Apple wurde dem Restaurant-Betreiber vor neun Jahren klar, dass er Gourmet-Burger verkaufen will – denn die hatten es ihm auf seinen Reisen angetan. In Deutschland suchte er sie vergeblich.

Sein Konzept ging auf. Im Herbst vergangenen Jahres musste er die Fläche seines Geschäfts verdoppeln. Für die 300 bis 500 Bestellungen täglich war das Restaurant zu klein.

Wie What’s Beef profitieren auch andere Gourmet-Anbieter in sämtlichen Großstädten Deutschlands von der Nachfrage nach richtig guten Burgern – etwa die Berliner Kette Schiller Burger, die dort aktuell sechs Restaurants betreibt. Deswegen schmieden beide Expansionspläne.

Die Anfangsjahre von McDonald´s im Überblick
Die Brüder Dick und Mac McDonald eröffnen das „McDonald's Bar-B-Q Restaurant“ in San Bernardino im US-Bundesstaat Kalifornien.
Das Geschäft wird als Selbstbedienungsladen mit verkleinertem Menu neu eröffnet. Die Idee des „Fast Food“ ist geboren.
Milchshake-Maschinen-Vertreter Ray Kroc steigt als Franchise-Agent bei den McDonald's-Brüdern ein.
Kroc eröffnet in Des Plaines, Illinois, die erste Filiale des McDonald's-Konzerns.
McDonald's eröffnet das 100. Schnellrestaurant in Fond Du Lac, Wisconsin.
Kroc kauft den McDonald's-Brüdern das Geschäft für 2,7 Millionen US-Dollar ab.
McDonald's geht an die Börse. Die Aktien wurden zum Ausgabekurs von 22,50 Dollar angeboten.
Der Konzern wird international - die ersten Filialen in Kanada und Puerto Rico eröffnen.
Der Big Mac, bis heute ein Verkaufsschlager, erscheint erstmals auf der landesweiten Speisekarte.

Ali Cengiz, der Gründer von Schiller Burger, weiß, warum die Burger derzeit beliebt sind wie nie: „Meine Mutter hat mittags noch für mich gekocht“, sagt der studierte Volkswirt. „Dafür hat heute, wo jeder arbeitet, kaum noch jemand Zeit.“ Die Alternative: Fastfood. Und da sich immer mehr für eine gesunde Ernährung interessieren: Hochwertiges Fastfood.

Handgemacht statt tiefgekühlt

Bei What’s Beef wie Schiller Burger kommen die Zutaten aus der Region. Das Rind bei What’s Beef etwa stammt aus Tönisberg, 35 Kilometer vom Restaurant entfernt, ist frei von Zusatzstoffen wie Antibiotika und lebt auf der Weide; die Kartoffeln für die handgefertigten Pommes stammen aus Kaarst; und was von weit her kommt, wie die Zitrone für die hausgemachte Limonade, ist zumindest Bio.

Bei beiden Anbietern gibt es außerdem keine Kühltruhe – alles ist frisch. Sie bieten selbstkreiertes Brot und verarbeiten das Fleisch von Hand. 

Mit der hohen Qualität gehen höhere Preise einher: Ein einfacher Hamburger bei What’s Beef kostet sieben Euro, die ausgefalleneren Varianten kosten mehr als zehn Euro. Doch die Preise zahlen die Kunden gerne.

Denn mit ihren Konzepten liegen Varol und Elgiz im Trend: „Ein Teil der Verbraucher setzt verstärkt auf Transparenz, Regionalität, Individualität, Nachhaltigkeit und Gesundheit“, sagt Markus Zeller, Professor für Systemgastronomie an der Hochschule Heilbronn.

Schiller Burger und What’s Beef

Die Expansionspläne der Gourmet-Burger-Anbieter

von Niklas Dummer

Ein Trend, auf den auch McDonald’s gerne aufspringen würde. 60 Jahre nach der Gründung hat die Kette mit Umsatzrückgängen zu kämpfen und muss sich neu erfinden: Der Deutschland-Chef musste gehen, die Werbeagentur wurde gewechselt, das Image soll aufpoliert werden.

McDonald‘s setzt auf höherwertige Produkte, erprobt in Frankfurt einen Tischservice und versucht sich an der digitalen Revolution. Ob das reicht, um den Marktanteilsverlust rückgängig zu machen oder zumindest zu stoppen, ist fraglich.

 

So will McDonald´s aus der Krise
In US-Filialen startet ein neuer Anlauf mit dem besonders großen „Third Pound Burger“. Spekuliert wird zudem, dass die Kette auf den Öko-Zug springt und das US-Trendgemüse Grünkohl anbietet. Quelle: dpa
Verkauft McDonald's in den USA bislang nur von 7.00 bis 10.30 und am Wochenende bis 11.00 Uhr. Dabei entfällt ein Viertel des Umsatzes darauf. Kunden wünschen sich ein ganztägiges Angebot. Das soll es nun in einigen Filialen auch geben - testweise.
Wurde nach andauernden Protesten von Angestellten und hohem öffentlichen Druck für Zehntausende US-Mitarbeiter beschlossen. Kritikern geht das Gehaltsplus aber nicht weit genug.
Wird in den USA gestrichen - zumindest teilweise. Geflügel mit Medikamenten, die auch bei der Behandlung von Menschen verwendet werden, wird nicht mehr verkauft. So soll das Risiko sinken, dass die Antibiotika bei Menschen nicht mehr wirken.
Plant McDonald's in Deutschland. Wer es bequemer mag, kann sich von Kellnern bedienen lassen - möglich soll das aber zunächst nur in ausgewählten Bereichen einiger Filialen sein.

Denn der Burgerriese hat seine Probleme. „Aktuell versucht McDonald's sich neu zu positionieren und muss sich vor Wettbewerbern von unten und oben schützen“, so Systemgastronomie-Professor Zeller.

Von oben greifen die Gourmet-Anbieter an. Außer Hans Im Glück, einer Münchner Kette mit mehr als 30 Filialen, hat zwar noch kein Anbieter mehr als zehn Filialen. Damit sind sie einzeln keine echte Konkurrenz für das Milliarden-Unternehmen mit knapp 1500 Filialen in Deutschland – in ihrer Gesamtheit nehmen Gourmet-Anbieter McDonald’s aber nach und nach einen Teil der Kundschaft weg.

Im vergangenen Jahr wurde die Zahl der Gourmet-Burger-Filialen bereits auf 150 geschätzt – mittlerweile dürften es noch mehr sein. Offizielle Zahlen gibt es nicht.

Ein weiteres Problem ist: McDonald’s hat nicht nur mit der Konkurrenz von oben in Form der Premium-Burger-Anbieter zu kämpfen, sondern auch mit Imbissen, Bäckereien und Dönerbuden, in denen sich Verbraucher für weniger Geld satt essen können. Sie bringen den Riesen um größere Kundenanteile.

Die größten Fast-Food-Ketten nach Umsatz 2013
Umsatz: 174,3 Millionen Euro
Umsatz: 180 Millionen Euro
Umsatz: 192 Millionen Euro
Umsatz: 192,2 Millionen Euro
Umsatz: 233 Millionen Euro
Umsatz: 291,6 Millionen Euro
Umsatz: 600 Millionen EuroPachtbetriebe der Tank & Rast
Umsatz: 753 Millionen Eurokeine gastronomietypische Absatzsituation
Umsatz: 880 Millionen Euro
Umsatz: 3,1 Milliarden Euro
Food-Service. Untersucht wurden die größten Unternehmen der Systemgastronomie in Deutschland anhand des Umsatzes.

In einer solchen Situation Image, Konzept und Qualität der Waren zu überarbeiten, stellt den Marktführer vor eine Herausforderung und schafft für Anbieter wie What’s Beef und Schiller Burger neue Möglichkeiten.

Größe lähmt

Während sich die noch jungen Burgerketten ausprobieren können und viel experimentieren, ist McDonald’s aufgrund seiner Größe gelähmt. Cengiz hat einige Monate gebraucht, bis er herausfand, dass industrielles Brot nicht zum Gourmet-Burger passt und kurzerhand eine Bäckerei für sein eigenes Brot aufgebaut. Solche Änderungen sind für einen Riesen wie McDonald’s um einiges aufwendiger.

„McDonald’s muss immer ein Millionenpublikum bedienen“, sagt Systemgastronomie-Professor Zeller. „Das macht den Konzern weitaus unflexibler als kleinere Anbieter.“ Jeder Schritt will gut überlegt sein.

Mit Werbekampagnen zum neuen Image

Auch die Arbeit am Image fällt dem Riesen schwer, denn die meisten Deutschen haben ein festgefahrenes Bild von McDonald’s – mit Nachhaltigkeit, Qualität und Regionalität hat das wenig zu tun. Das ist aber bei der jüngeren Generation angesagt, wie der Aufstieg der Gourmet-Burger-Anbieter zeigt, die genau das bedienen.

Umsatz von McDonald’s Deutschland bis 2014
2006 betrug der Umsatz noch 2,57 Milliarden Euro. Quelle: Statista
Im Folgejahr steigerte McDonald’s den Umsatz auf 2,7 Milliarden Euro.
Auch 2008 ging es weiter bergauf: 2,83 Milliarden Euro fuhr der Konzern ein.
Auf 2,91 Milliarden Euro stieg der Umsatz 2009 an.
2010 knackte McDonald’s erstmals die drei-Milliarden-Euro-Marke und erreichte einen Umsatz von 3,02 Milliarden Euro.
Im Folgejahr konnte McDonald’s sein letztes starkes Umsatzwachstum generieren: Der Umsatz stieg auf 3,2 Milliarden Euro.
2012 erreichte McDonald’s in Deutschland seinen Rekordumsatz: 3,25 Milliarden Euro. Allerdings waren die ersten Anleger damals schon mit dem vergleichsweise schwachen Wachstum unzufrieden.
Seit 2013 gibt McDonald’s Deutschland keine Umsatzzahlen mehr heraus, weswegen Food-Service die Zahlen nur noch schätzte. 3,1 Milliarden Euro soll er in diesem Jahr betragen haben.
Food Service schätzt, dass der Umsatz 2014 noch knapp über drei Milliarden lag.

Dagegen versucht die neue Werbeagentur von McDonald’s zwar anzugehen – doch das führt zuweilen mehr zu Erheiterung als Ansehensgewinn. In dem aktuellen Werbespot des Burgerriesen fährt ein Model im Rolls Royce zu McDonald’s, um sich - die Louis-Vuitton-Tasche in der Hand - den Bacon Club House zu bestellen, einen der neuen Edelburger.

„Die Werbekampagne fand ich daneben“, sagt Varol. „Wer fährt in einem Rolls Royce zu McDonald’s und bestellt einen Burger?“ Auch Martin Fassnacht, Professor für Marketing und Handel an der WHU-Otto Beisheim School of Management, sieht die Imagekampagne skeptisch: „McDonald’s sollte nicht zu stark auf die Premiumkarte setzen“, sagt er. „Damit verärgern sie die Kunden, die normales Fastfood essen und dafür nicht allzu viel Geld ausgeben wollen.“

Das sei nach wie vor die Hauptkundschaft. Die Marke McDonald’s werde eben nicht mit Gourmet assoziiert. „Und das ist auch gut so, sonst würde McDonald’s die breite Masse nicht mehr erreichen.“

Einkommen der McDonald’s Kunden
16,1 Prozent der deutschen McDonald’s Kunden sind ohne eigenes Einkommen: Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt liegt bei 9,8 Prozent.Quelle: Statista
Ein Nettoeinkommen von 500 Euro haben 8,4 Prozent der McDonald’s Kunden; im Bundesdurchschnitt sind es 7,7.
18,2 Prozent der McDonald’s Kunden haben ein Einkommen von 500 bis unter 1000 Euro; bei 20,4 Prozent der Deutschen ist das der Fall.
Zwischen 1000 und 1500 Euro verdienen 18,8 Prozent der McDonald’s Kunden. Im Bundesdurchschnitt sind es 24,1.
17,6 Prozent der McDonald’s Kunden verdienen 1500 bis 2000 Euro; bei 16,7 Prozent der Deutschen ist das der Fall.
Zwischen 2000 und 2500 Euro Nettoeinkommen erhalten 9,6 Prozent der McDonald’s Kunden und zehn Prozent der Deutschen.
5,8 Prozent der McDonald’s Kunden verdienen zwischen 2500 und 3000 Euro, im Bundesschnitt sind es nur 5,2 Prozent.
Zwischen 3000 und 3500 Euro verdienen 2,3 Prozent der McDonald’s Kunden. Im Bundesdurchschnitt sind es 2,5 Prozent.
1,6 Prozent der McDonald’s Kunden verdient zwischen 3500 und 4000 Euro. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 1,5 Prozent in dieser Einkommensklasse.
Mehr als 4000 Euro verdienen 1,8 Prozent der McDonald’s Kunden. Im Bundesschnitt sind es 2,2 Prozent.

 

Mit Qualität aufwarten

Die Aufnahme des Simmentaler Rinds ins Sortiment, das McDonald’s vor kurzem als hochwertige Alternative zum klassischen Tiefkühl-Patty eingeführt hat, hält Varol für „grenzwertig“, da hier Frische vorgegaukelt werde, obwohl es sich wieder um klassische Tiefkühl-Pattys handle. „Die sollten lieber dabei bleiben, was sie können – die Masse bedienen und dabei gut und günstig sein.“

Angst haben Cengiz und Varol wegen der Qualitätsoffensive von McDonald’s jedenfalls nicht. „Natürlich schauen sie, was im Markt läuft und adaptieren das“, sagt Varol. „Aber die Qualität des Fleisches, die eigene Zubereitung und die Frische ist auf ihr System nicht übertragbar.“

Zudem sind Anbieter wie Schiller Burger oder What’s Beef weitaus flexibler. Sie avisieren eine viel kleinere Zielgruppe an und können auf ihre Bedürfnisse eingehen. So hat What’s Beef etwa für diejenigen, die wenig Kalorien zu sich nehmen wollen, den Mr. PattieBun entworfen: Kein Brot, dafür zwei Scheiben Rindfleisch, dazwischen Avocado und Salat. Serviert wird das Ganze mit Latexhandschuhen, damit nach dem Essen die Hände sauber sind. 

Auf besondere Wünsche wie diese kann McDonald’s kaum eingehen. „Wer so groß ist wie McDonald‘s, kann keinen Fokus auf bestimmte Zielgruppen legen“, erklärt Fassnacht.

Die wertvollsten Fast-Food-Marken
Einmal jährlich wählt das US-Marktforschungsinstitut Millward Brown die wertvollsten Fast-Food-Ketten der Welt. Handelsblatt Online zeigt, welche Marken besonders gut abschneiden.
Taco Bell - Markenwert: 1.992 Millionen DollarVorjahr: Platz 9 (Markenwert: 1,87 Milliarden Dollar)Auch berühmte Burrito-Kette verkauft ihre mexikanischen Spezialitäten vor allem in den USA. Zwei Millionen Kunden und 5.700 Filialen machen die Möchtegern-Mexikaner zu dem Umsatztreibern des Fastfood-Riesens Yum!-Brands.
Burger King - Markenwert: 2.437 Millionen DollarVorjahr: Platz 8 (Markenwert: 1,93 Milliarden Dollar)Was die Größe betrifft sind die Erfinder des Whoppers der größte McDonalds-Konkurrent. Beim Markenwert spielt die Burgerkette trotz 12.400 Filialen in 72 Ländern weltweit aber in einer anderen Liga.
Panera Bread - Markenwert: 3.025Vorjahr: -Panera Bread ist eine Franchisekette von Bakery-Cafés mit über 1.700 Filialen in den USA und Kanada.
Tim Hortons - Markenwert: 3.380 Millionen DollarVorjahr: Platz 6 (Markenwert: 2,68 Milliarden Dollar)Durch rasantes Wachstum hat die kanadische Kette in ihrem Heimatland sogar McDonald's überholt. In den 3300 Filialen werden besonders Kaffee und Donuts verkauft.
Chipotle - Markenwert: 1,99 Milliarden DollarVorjahr: -Chipotle Mexican Grill, Inc. ist eine US-amerikanische Restaurantkette, die ihre Angebotspalette seit Eröffnung des ersten Restaurants 1993 in Denver (USA), auf die lateinamerikanische Küche spezialisiert hat. Wie bei Subway werden die Gerichte vor den Augen des Kunden nach dessen Wünschen frisch zubereitet. Chipotle betreibt weltweit über 1.500 Schnellrestaurants, acht davon in Europa: sechs in London und je eine Filiale in Paris und in Frankfurt/Main.
Pizza Hut- Markenwert: 6.014 Milliarden DollarVorjahr: Platz 5 (Markenwert: 5,31 Milliarden Dollar)Die 11.200 Filialen der weltgrößten Pizzakette gehören ebenfalls zum Yum!-Imperium. Statt auf die klassische italienische Pizza feiert die Kette vor allem mit Pan-Pizzen Erfolge, die in der Pfanne serviert werden.
Kentucky Fried Chicken (KFC) - Markenwert: 9.953 Millionen DollarVorjahr: Platz 4 (Markenwert: 8,22 Milliarden Dollar)Noch heute lächelt KFC-Gründer Colonel Harland Sanders von jedem Eimer mit Hähnchenflügeln, der über die Ladentheke geht. Die Kette, die ebenfalls zu Yum! gehört, steht seit mehreren Jahren in der Kritik von Tierschützern.
Subway - Markenwert: 16.691 Millionen DollarVorjahr: Platz 2 (Markenwert: 14,31 Milliarden Dollar)Während Subway in den USA als beliebter Franchisepartner gilt, gehen der Sandwich-Kette in Deutschland reihenweise die Franchisenehmer von der Stange. Im Markenwert werden die US-Brötchengeber aber nur von einem Konzern geschlagen.
Starbucks - Markenwert: 17.892 Millionen DollarVorjahr: Platz 3 (Markenwert: 11,9 Milliarden Dollar)Die Zeit des rasanten Wachstums ist vorbei. Die US-Kaffeekette wächst, aber die Wirtschaftskrise hinterlässt ihre Spuren in der Bilanz. Im Markenwert ist trotzdem keine Kaffeekette besser.
McDonald's - Markenwert: 90.256 Millionen DollarVorjahr: Platz 1 (81,02 Milliarden Dollar)Das goldene M, Heimat von Big Mac und Chicken McNuggets, ist beim Markenwert einsam an der Spitze. Mit 33.000 Filialen in 119 Ländern gibt es kaum einen Winkel der Welt in dem der Fast-Food-Riese nicht aktiv ist.

Für Zettler ist der aktuelle Trend auf dem Burgermarkt hin zu hochwertigeren Produkten erklärbar. „Das haben wir zuvor schon bei Kaffee erlebt“, sagt er und verweist auf Starbucks. Der Filterkaffee war hierzulande ein Mainstream-Produkt, Starbucks hat Kaffee zum Premiumprodukt erhoben und sich so eine Nische geschaffen.

„Upscales“, wie solche Aufwertungen von Produktgruppen in den Wirtschaftswissenschaften genannt werden, beleben Märkte und verschieben die Gewichte dort. Deswegen ist sich Fassnacht sicher: „McDonald’s muss sich weiter auf Marktanteilsverluste einstellen.“ Bei Unternehmen, die die Größe der Burgerriesen erreicht hätten, sei das in solchen Fällen unvermeidlich.

„McDonald’s muss jetzt experimentieren“, sagt er. Während er, was die Digitalisierung der Filialen betrifft, durchaus Potenzial sieht, zweifelt er an Ideen wie dem Tischservice, der aktuell in der Flagship-Filiale in Frankfurt erprobt wird. 

„In Frankfurt ist das noch kostenlos für den Kunden“, sagt Fassnacht. Sollte sich der Service durchsetzen, würde sich das aber im Produktpreis niederschlagen. Gerade im unteren Preissegment sind die Deutschen sehr empfindlich für solche Änderungen. Das musste McDonald’s schon 2012 feststellen, als die Kette den Preis für Cheeseburger von einen Euro auf 1,19 Euro erhöhte. Die Folge: Vor allem junge Kunden suchten das Weite.

Der Kampf um die Großstädte

Abschreiben sollte man McDonald’s deswegen allerdings noch nicht: 60 Jahre Erfahrung haben die nötige Kompetenz geschaffen und eine Menge Kapital sorgt für Zeit, um Veränderungen vorzunehmen und sich auszuprobieren. „Deswegen wird McDonald’s weiterhin der größte Player auf dem Markt bleiben“, so Fassnacht.

Ein Problem ist das aber weder für Cengiz noch für Varol. Als Konkurrenz zu dem Burgerriesen sehen sie sich ohnehin nicht. Varol, der Gründer von What’s Beef, sagt: „Durch unsere Qualität haben wir uns einen eigenen Markt geschaffen.“ 

Er schätzt, dass die Anbieter von Gourmet-Burgern gerade einmal fünf Prozent der früheren McDonald’s Kunden ansprechen. „Kunden wie mich, die erwachsen geworden sind, mehr verdienen und deswegen auch mehr für eine bewusste Ernährung ausgeben.“

Lediglich in den Großstädten, wo es immer mehr Anbieter von Premium-Burgern gibt, könnte McDonald’s Probleme kriegen. „In Kleinstädten, wo es keine Alternativen gibt, wird das Konzept weiter funktionieren“, sagt Cengiz von Schiller Burger.

Fassnacht vermutet ebenfalls, dass McDonald’s-Filialen vor allem in den Großstädten zu kämpfen haben wird, wo die Konkurrenz durch Gourmet-Anbieter aber auch durch Imbisse und Bäckereien groß ist.

Was die Zukunft der Gourmet-Anbieter anbetrifft, ist Zeller zuversichtlich: „Der Markt für Gourmet-Burger hat weitere Wachstumschancen durch gute Betreiber, Konzepte und Themen wie Frische, Bio-Qualität und Regionalität.“ Die dadurch gestiegenen Kosten dürften allerdings ab einem bestimmten Punkt die Wachstumschancen eindämmen.

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