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Offerte aus Osteuropa Das bedeutet das Übernahmeangebot für Metro

Die beiden potentiellen neuen Aktionäre werden vermutlich rund 60 Prozent der Anteile an Metro übernehmen. Quelle: dpa

Investoren aus Tschechien und der Slowakei wollen den Handelskonzern Metro übernehmen. Welche Folgen hat das für den Verkauf der Supermarktkette Real, für Aktionäre und Mitarbeiter? Die sieben wichtigsten Antworten.

Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro könnte schon bald von Investoren aus Tschechien und der Slowakei kontrolliert werden. Die Holding EP Global Commerce um die Unternehmer Daniel Kretinsky und Patrik Tkac hat am Freitagabend ein entsprechendes Übernahmeangebot an alle Aktionäre abgegeben. Noch ist vieles unklar, doch die Grundzüge der Offerte stehen fest – und auch die ersten Konsequenzen zeichnen sich bereits ab.

Was beinhaltet das Angebot?

Für die Metro-Stammaktien bietet EP nun 16,00 Euro und für die Vorzugsaktien 13,80 Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Das entspreche einem Aufschlag von 34,5 Prozent auf das jüngste Kursniveau der Metro-Stammaktien und einem Gesamtwert aller Metro-Aktien von rund 5,8 Milliarden Euro. Das Angebot werde unter einer Mindestannahmeschwelle stehen, die aus Sicht der EP Global Commerce ausreichend sein sollte, um nach der Umsetzung des Angebots die Zustimmung zu einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der Metro sicherzustellen. Kretinsky und Tkac dürften mit ihrer Offerte mindestens 60 Prozent der Anteile ins Visier nehmen. Zunächst aber muss die Finanzaufsicht BaFin das Angebot prüfen.

Wer sind die neuen Großaktionäre?

EP Global Commerce gehört zu 53 Prozent dem tschechischen Unternehmer Daniel Kretinsky und zu 47 Prozent dem Slowaken Patrik Tkac. Kretinsky gilt als so öffentlichkeitsscheu wie erfolgreich und begann seine berufliche Laufbahn als Jurist. Heute ist er Mehrheitseigner der Energeticky Plumsmyslovy Holding (EPH) in Prag und deren Vorstandsvorsitzender. EPH hatte in Ostdeutschland die Mibrag-Braunkohlekraftwerke und den Tagebau des Betreibers Vattenfall übernommen.

Die Holding vereint mehr als fünfzig Unternehmen mit 25.000 Mitarbeitern aus dem Energiesektor unter einem Dach. Dazu zählen in Deutschland unter anderem das Kohlekraftwerk Mehrum bei Hannover, Saale Energie mit seinem Kraftwerk in Schkopau oder Helmstedter Revier mit dem Kraftwerk in Buschhaus und den Tagebau in Schöningen. Kretinsky besitzt zudem Anteile an dem Medienunternehmen Czech News Center, das unter anderem das meistgelesene Boulevardblatt Tschechiens herausgibt. Unter all seinen geschäftlichen Aktivitäten befinden sich auch Beteiligungen an einem tschechischen Onlinekaufhaus.

Was halten Vorstand und Aufsichtsrat des Konzerns von der Offerte?

Vorstand und Aufsichtsrat des Düsseldorfer Handelskonzerns kündigten zunächst an, die Offerte sorgfältig zu bewerten und dazu nach Vorlage der Angebotsunterlagen ausführlich Stellung zu nehmen. Davor sollten die Aktionäre keine Aktien an den Bieter verkaufen, hieß es. In einer an diesem Sonntag veröffentlichten Pressemitteilung ging der Vorstand weiter auf das Übernahmeangebot ein. 16 Euro pro Aktie und 13,80 Euro pro Vorzugsaktie würden Metro „erheblich unterbewerten“. Der Wertschöpfungsplan sei darin unzureichend reflektiert.

Weiter heißt es: „Das Management von METRO wird seinen Kurs entschlossen fortsetzen, den Großhandels- und Lebensmittelspezialisten zu transformieren und ihn
effektiv im sich ändernden Marktumfeld zu positionieren. Damit verfolgt der Vorstand das Ziel, eine nachhaltige und langfristige Wertschöpfung zu erzielen. Wir raten unseren Aktionären, bis zur Veröffentlichung der begründeten Stellungnahme von Vorstand und Aufsichtsrat zum Übernahmeangebot keine Maßnahmen zu ergreifen.“

Was werden die anderen Metro-Großaktionäre tun?

Zuletzt befanden sich nach Unternehmensangaben bereits 10,91 Prozent der Metro-Anteile im Eigentum von EP Global Commerce. Großaktionäre sind außerdem die Franz Haniel & Cie GmbH mit 15,2 Prozent, die Meridian Stiftung der Unternehmerfamilie Schmidt-Ruthenbeck mit 14,19 Prozent, die Beisheim Holding (6,56 Prozent) sowie Ceconomy (6,39 Prozent). Im Streubesitz befanden sich demnach 46,76 Prozent. Auf die Anteile von Ceconomy und Haniel hat sich EP Global bereits über Optionsrechte den Zugriff gesichert. Unklar ist, wie sich die Großaktionäre Beisheim und Schmidt-Ruthenbeck verhalten werden. Sie kommen zwar auch gemeinsam nicht auf eine Sperrminorität, könnten aber etwaige Rückzugspläne von der Börse torpedieren.

Was haben die osteuropäischen Investoren mit Metro überhaupt vor?

Über seine Ziele bei Metro hält sich Kretinsky bedeckt – und in der Handelsbranche hat er sich noch keinen Namen gemacht. Er sei stolz darauf, die Gelegenheit zu bekommen, ein wichtiger Aktionär des Handelsriesen zu werden, hatte er bei seinem Einstieg im vergangenen Jahr erklärt. „Ich sehe große Wachstumspotenziale für Metro“, sagte Křetínský damals und lobte die Pläne des Metro-Managements, sich künftig voll auf den Großhandel zu konzentrieren. Vorstandschef Olaf Koch hatte bereits vor mehreren Jahren einen grundlegenden Umbau des Handelsriesen mit der Trennung von der Warenhaustochter Galeria Kaufhof und der Abspaltung der Elektronikhändler Media Markt und Saturn eingeleitet. Den Abschluss des Konzernumbaus soll der für Sommer geplante Verkauf der SB-Warenhaustochter Real bilden.

Hat das Übernahmeangebot Einfluss auf den Verkauf von Real?

Auch die neuen Investoren sprechen sich grundsätzlich für den Verkauf von Real aus. „EP Global Commerce sieht den laufenden Verkaufsprozess für die Supermarktsparte Real strategisch als positiv an, wenn sie zu fairen Konditionen für Metro durchgeführt wird“, heißt es in einer Mitteilung. Vor allem der Nachsatz lässt aufhorchen. Metro hatte vor wenigen Wochen exklusive Verhandlungen mit dem Immobilienunternehmen Redos über Real begonnen. Wenig später vermeldete die Nachrichtenagentur Reuters, die Kretinskys EPH-Gruppe sei enttäuscht über den Stand der Transaktion.

Die bislang erzielte Verkaufsvereinbarung zwischen Metro und Redos würde weder den Marktwert Real-Immobilien noch den Wert des operativen Geschäfts widerspiegeln. EPH habe sich gegenüber Metro nicht zur Exklusivitätsvereinbarung mit Redos geäußert, sagte ein Metro-Sprecher damals. Ob die neuen Großaktionäre einen Deal im Zweifel verhindern könnten, ist allerdings schwer zu beurteilen. Bislang sind sie nicht im Aufsichtsrat vertreten – und bis das Übernahmeangebot durch ist, können Monate vergehen. De facto darf der Metro-Vorstand daher auch keine Informationen an Kretinsky weitergeben. Der wiederum hat aktuell nur indirekt Möglichkeiten, seine Ideen einzubringen.

Trotz allem dürfte der Vorstoß beim zweiten Real-Interessenten aufmerksam verfolgt werden: der Supermarktinvestor x+bricks war bis Ostern im Rennen um Real und dürfte nun darauf spekulieren, dass der Metro-Abschluss mit Redos womöglich doch nicht zustande kommt.

Was bedeutet der Übernahmevorstoß für die Mitarbeiter?

Ängste vor Stellenstreichungen und radikalen Sparprogrammen versucht der neue Großaktionär im Keim zu ersticken. „Es ist nicht beabsichtigt, die derzeit bestehenden Metro-Märkte in Deutschland oder anderen Kernmärkten der Metro Group zu schließen oder Arbeitsplätze in größerem Umfang abzubauen“, heißt es in der Mitteilung, Bestehende Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge in Deutschland sollen demnach nicht gekündigt werden. EP Global Commerce respektiere die Rechte aller Mitarbeiter und sei „fest davon überzeugt, dass der zukünftige Erfolg von Metro auf ihrer hohen Kompetenz und ihrem starken Engagement“ beruhe. „Wir schätzen das Engagement aller Metro-Mitarbeiter sehr. Sie haben bereits sehr große Veränderungen durchlaufen und leisten in diesen schwierigen Zeiten eine bemerkenswerte Arbeit. Sie verdienen jedoch die beste nachhaltige Strategie und werden von der Erholung und dem langfristigen Wachstum von Metro profitieren“, sagte Kretinsky.

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