Puma-Chef Bjørn Gulden: Puma braucht wieder eine klare Richtung
Bjørn Gulden ist seit Juli 2013 an der Puma-Spitze
Foto: Dieter Mayr
Foto: WirtschaftsWocheAuf der Straße herumlaufen würden Sie im Adidas-Trikot aber nicht?
Nein, Sie werden mich nie mit einer anderen Marke als Puma sehen. Privat ziehe ich aber durchaus mal Fremdprodukte an, um zu testen, was die so drauf haben. Manchmal zerschneide ich Schuhe auch, um sie mir von innen anzusehen. Und wenn eine neue Sportschuhtechnologie auf den Markt kommt, bin ich einer der Ersten, der das Produkt kauft.
Puma ist mit sinkenden Umsätzen ins Jahr gestartet – der Gewinn ist im zweiten Quartal um 35 Prozent eingebrochen, und Ihr Vorstandskollege Andy Koehler hat das Handtuch geworfen. Was läuft schief?
Die Geschäftsentwicklung verläuft bislang insgesamt so, wie wir es zu Beginn des Jahres vorhergesagt haben. Unsere Umsätze und das operative Ergebnis entwickelten sich im zweiten Quartal gemäß unseren Erwartungen. Wir leiten 2014 den Turnaround ein und wollen 2015 erste Verbesserungen sehen. Natürlich liegt noch ein langer Weg vor uns, bis die Raubkatze wieder glänzt. Aber wir sind mit allem, was wir angestoßen haben, sehr gut im Zeitplan. Andy Koehler hat uns aus persönlichen Gründen verlassen, mit Lars Soerensen als seinem Nachfolger verfügen wir aber über einen sehr erfahrenen COO, der uns dabei helfen wird, die Trendwende zu schaffen.
Mit Verlaub: Puma scheint seine besten Tage hinter sich zu haben, die Marke hängt durch, die Kunden wissen kaum noch, wofür sie eigentlich steht.
Ich gebe Ihnen teilweise recht. Puma hatte gleich mehrere Probleme. Vor allem hatte die Marke deutlich an Begehrlichkeit eingebüßt. Grund dafür war, dass Puma auf zwei Säulen stand, Lifestyle und Sport, und beide Säulen wackelten. Die Marke war insgesamt zu diffus. Darunter litten auch die Produkte – und der Handel, der nicht genug Geld mit uns verdiente.
Was tun Sie dagegen?
Als Erstes haben wir sehr schnell eine neue, klare Plattform für die Marke geschaffen: Wir wollen die schnellste Sportmarke der Welt sein – mit der Betonung auf Sport. Das heißt nicht, dass wir nicht auch Lifestyle verkaufen wollen. Aber es beginnt mit Sport. Sport ist unser Anker.
Puma gilt unter Anlegern derzeit als Problemaktie. (zum Vergrößern klicken)
Foto: WirtschaftsWocheDas klingt zunächst mal banal.
Wichtig ist doch, dass diese Marke wieder eine klare Richtung hat. Jedes Produkt muss aus dem Sport kommen, unsere Schuhe müssen zuallererst auf dem Rasen oder der Laufbahn funktionieren. Man kann das nicht einfach umdrehen und sagen: Ich fange mit Lifestyle an und schaue dann mal, ob daraus ein Sportschuh wird. Das funktioniert nicht.
Auch Ihr Vorgänger Franz Koch wollte Puma wieder zur Sportmarke machen.
Ja, diese Idee gab es schon vor meiner Zeit. Aber wenn ich mir ansehe, wie viele gute Ideen hier bereits entwickelt wurden und was davon am Ende auf den Markt kam, dann hatte Puma ein Problem damit, beschlossene Dinge auch umzusetzen. Es wurde einfach zu viel diskutiert – und am Ende war die Idee tot. Jetzt hat alles, was wir tun, ein Ziel: Der Verbraucher soll sich im Laden für unser Produkt entscheiden und der Handel damit Geld verdienen. Dem muss sich alles unterordnen. Wir machen keine Kunst, wir verkaufen Produkte.
Nike
Basketball
Auf dem US-Markt hat Nike mit der Schwestermarke Jordan die Nase weit vor allen anderen und kommt auf einen Marktanteil von 92 Prozent.
Foto: USA Today SportsAdidas
Basketball
Adidas rüstet die US-Profiliga NBA aus, kommt bei Schuhen für die Athleten aber nur auf einen Marktanteil von 5,5 Prozent.
Foto: APNike
Leichtathletik
Mit Laufschuhen setzen die Sportartikelkonzerne weltweit nach Schätzungen 15 Milliarden Dollar um. Auf dem US-Markt kommt Nike auf einen Marktanteil von 52 Prozent.
Foto: dapdAdidas
Leichtathletik
Adidas will Nike mit neuen Materialien für Laufschuhe attackieren, läuft aber hinterher. Die Franken liegen in den USA noch hinter Asics aus Japan und erreichen auf dem Nike-Heimatmarkt einen Anteil von 11 Prozent.
Foto: APNike
Fußball
Erst seit 1996 mischt Nike mit im Fußballgeschäft. Nike-Manager sagten jüngst, sie seien weltweit die Nummer eins. Branchenschätzungen sahen den US-Konzern zuletzt hinter Adidas mit einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro.
Foto: dpaAdidas
Fußball
Das Kicker-Business ist eines der wenigen, in denen sich Adidas noch auf Rang eins sieht. Die Franken erwarten im WM-Jahr Rekordumsätze von 2 Milliarden Euro.
Foto: APWäre es klüger gewesen, Puma hätte weniger stark auf Mode gesetzt?
Der weltweite Umsatz mit Sportartikeln ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, weil immer mehr Menschen auf eine gesunde Lebensführung achten und Sport treiben. Der Lifestyle-Bereich dagegen ist der Mode unterworfen, er kommt und geht, man ist in oder out. Wäre Puma beim Sport geblieben und hätte dort einen guten Job gemacht, dann hätte man immer eine Basissteigerung beim Umsatz erzielt – aber eben nicht dieses starke Wachstum, das die Marke erst groß gemacht hat.
Was ändert sich an den Produkten?
Wir haben die gesamte Produktpalette innerhalb von zwölf Monaten komplett gedreht, unsere Produkte sollen schneller aussehen und deutlich wiedererkennbarer sein. Das war ein Kraftakt. Wir haben sämtliche Markenhandbücher und Designvorgaben neu geschrieben und vereinheitlicht. Für uns arbeiten sehr viele Designer – wenn wir denen keine klaren Spielregeln vorgeben, wo unser Logo platziert sein muss, wie groß es sein darf und welches sie wann benutzen dürfen, dann ist das Ergebnis der reine Wildwuchs.
Im Showroom in der Konzernzentrale in Herzogenaurach begutachtet Bjørn Gulden die Schuhkollektionen für 2015. Und zeigt dabei Auge für Details. Anders als bislang, darauf legt Gulden Wert, besteht etwa das Markenzeichen, der „form strip“ genannte Bogen, wieder aus einem durchgehenden Stück. „Vorher war der praktisch geteilt, das machte die Optik sehr unruhig, weil stets die Farbe des Schuhs durchkam.“ Das ist vorbei – Gulden will, dass jeder Schuh im besten Fall nur noch zwei- bis dreifarbig daherkommt und nicht mehr mit sieben oder acht verschiedenen Farben.
Von Ihrer Arbeit sieht der Kunde wenig, in Deutschland, heißt es dort, sei Puma sogar hinter Asics und Wolfskin gerutscht?
Der größte Teil der neuen Produkte kommt im Frühjahr und Sommer 2015 in die Läden, das liegt an den Produktionszyklen unserer Branche. Einen ersten Vorgeschmack hat aber gerade die Fußball-WM in Brasilien geliefert, wo unsere zweifarbigen Fußballschuhe für einen tollen Auftritt gesorgt haben. Im Handel kam das gut an, der Schuh ist ausverkauft, das hatten wir bei Puma sehr lange nicht mehr. Wir mussten sogar Paare von Schaufensterpuppen herunter verkaufen. Das neue, schlanke Puma-Design, das auf alles Überflüssige verzichtet, sehen Sie aber auch, wenn Sie sich die innovativen Trikots unseres Partners Arsenal London anschauen.
Was ändern Sie in Ihren 630 Läden?
Im Oktober werden wir ein neues Geschäft in Dubai eröffnen, das unser neues Store-Design zeigt. Wir heben in unseren eigenen Läden die Trennung zwischen Mode und Sport auf. Bislang hatten alle Geschäfte zwei Abteilungen – Lifestyle und Performance. In Zukunft gibt es ein gemeinsames Design, die Trennung ist dann vorbei.
Stecken Sie auch Geld in den Umbau bestehender Geschäfte?
Ja, aber nicht alles auf einmal, das wäre zu teuer. Die Läden sind aber nicht das Problem. Wären die Produkte besser gewesen, hätten wir auch in den alten Stores mehr verkauft.
Sie selbst sind für das Produkt, aber auch für das Marketing verantwortlich. Warum hat Puma während der WM keine Mediakampagne gemacht?
Es war eine bewusste Entscheidung, erst nach der WM groß in Werbung einzusteigen. Der Zeitraum August/September ist die beste Zeit, eine Kampagne zu starten, denn jetzt kommen die meisten Leute aus den Ferien zurück und kaufen Schuhe und Sportbekleidung für die neue Saison und das neue Schuljahr. Deshalb haben wir in der letzten Woche die weltweit größte Markenkampagne in der Geschichte von Puma gestartet. Die Kampagne haben wir zusammen mit unserer neuen Agentur JWT in New York entwickelt. Das ging in der Kürze der Zeit nur mit ganz kurzen Wegen, weshalb ich entsprechend involviert war. Wenn irgendwann alles gut läuft, wird Puma wieder einen eigenen Marketingvorstand haben.
Sponsor Telekom zahlt für den Platz auf dem Bayern-Trikot jedes Jahr 30 Millionen Euro. Der BVB bekommt von Evonik 15 Millionen. Doch was haben die Sponsoren davon?
Foto: dpaEine neue Studie zeigt, dass viele Fernsehzuschauer die Firmenlogos kaum wahrnehmen: Per Eyetracking-Verfahren wurde an der Sporthochschule Köln der Blick der Fernsehzuschauer aufgezeichnet – je röter ein Bereich, desto öfter wurde er angeschaut. Der Fokus der Studienteilnehmer liegt hier vor allem auf dem Ball und den Gesichtern der Spieler. Die Trikotwerbung, die 30 Sekunden auf dem Bildschirm ist, wird durchschnittlich 1,2 Sekunden tatsächlich wahrgenommen.
Foto: S20/Deutsche Sporthochschule KölnBesonders wenig Aufmerksamkeit schenkten die Studienteilnehmer den Stellwänden mit Sponsorenlogos, vor denen Fußballspieler interviewt werden: Während eines halbminütigen Interviews schauten sie durchschnittlich nur 0,6 Sekunden auf die Logos im Hintergrund.
Foto: S20/Deutsche Sporthochschule KölnAuch die Bandenwerbung ist kein echter Hingucker: Ein 30 Sekunden sichtbares Logo wird vom Durchschnittszuschauer nur 0,8 Sekunden angeschaut.
Foto: S20/Deutsche Sporthochschule KölnIm Durchschnitt wird ein Werbelogo beim Fußball 1,56 Sekunden pro Minute wahrgenommen. Das ist immerhin mehr als beim Handball: Hier schauen die Zuschauer pro Minute Sichtbarkeit nur 1,08 Sekunden hin.
Foto: S20/Deutsche Sporthochschule KölnAm Besten schlägt sich aus Sicht der Sponsoren die Formel 1: Hier bekommen die Sponsorenlogos durchschnittlich 2,34 Sekunden Aufmerksamkeit pro Minute.
Foto: S20/Deutsche Sporthochschule KölnWie viel Geld kostet die Kampagne? Bei Adidas und Nike fließen bis zu 14 Prozent des Jahresumsatzes in Werbung.
Ich bitte um Verständnis, dass ich mich zur Höhe der Summe nicht äußere. Aber eines steht fest: Mehr Geld hat Puma noch nie für Marketing in die Hand genommen. Wir werden in allen Mediengattungen präsent sein, von Print über TV bis hin zum Plakat, im Laden und in den sozialen Medien. Im Mittelpunkt stehen unsere Sportler wie der schnellste Mann der Welt, Usain Bolt, oder unser Top-Stürmer Mario Balotelli.
Platz zehn: Borussia Dortmund
Das Londoner Beratungsunternehmen Brand Finance hat die Markenwerte der internationalen Fußballvereine bewertet. Zur Ermittlung der Werte nutzte das Unternehmen unter anderem Schätzungen der künftigen Umsätze, die dem Markennamen zuzuordnen sind und zog dafür etwa bestehende Lizenzverträge heran. Nach diesem Ranking erreicht der Champions-League-Finalist Borussia Dortmund mit einem Markenwert von 260 Millionen Dollar (202 Millionen Euro) Platz zehn. Was das Wachstum angeht, ist der BVB der zweitbeste Fußballclub der Welt mit einem Zuwachs von 24 Millionen Euro.
Die umsatzstärksten Vereine finden Sie übrigens hier.
Foto: dpaPlatz neun: AC Mailand
Der AC Mailand bringt es mit einem Markenwert von 204 Millionen Euro auf Platz neun. Im Jahr 2012 taxierten die Experten von Forbes den italienischen Club auf einen Wert in Höhe von 989 Millionen Dollar.
Foto: dpaPlatz acht: Manchester City
Der britische Club Manchester City (Manchester City Football Club) spielt aktuell in der britischen Premier League. Brand Finance bescheinigt dem Verein einen Markenwert in Höhe von 257 Millionen Euro - macht Platz acht im Ranking der wertvollsten Fußballmarken.
Foto: dpaPlatz sieben: FC Liverpool
Nach Angaben des US-Magazins Forbes von 2012 liegt der reine Wert des Traditionsvereins FC Liverpool bei 619 Millionen Dollar (rund 478 Millionen Euro). Der von Brand Finance berechnete Markenwert liegt mit 280 Millionen Euro zwar unterhalb dieses Betrags. Im Ranking reicht es dennoch für Platz sieben.
Foto: APPlatz sechs: FC Arsenal
Auch der sechste Platz ist in britischer Hand: Mit einem Markenwert von 319 Millionen Euro schlidderte der FC Arsenal knapp an den Top 5 vorbei. In puncto Wachstum schafft es Arsenal auf Platz acht der internationalen Vereine. Der Club konnte im letzten Jahr einen Zuwachs von 14 Millionen Euro verbuchen.
Foto: AP/dpaPlatz fünf: FC Chelsea
Nur sechs Millionen Euro mehr wert ist der britische Club FC Chelsea. Auf 325 Millionen Euro taxierten die Unternehmensberater den Markenwert des Vereins. Im Forbes-Ranking 2012 kamen die Londoner nach diversen sündhaft teuren Kaufexzessen auf einen Vereinswert von 761 Millionen Dollar.
Foto: dpaPlatz vier: FC Barcelona
Auf Platz vier folgt der FC Barcelona mit einem Markenwert von 444 Millionen Euro. 2012 war „Barca“ laut Forbes-Angaben rund 1,34 Milliarden Dollar wert. Allein aus den TV-Vermarktungstöpfen flossen 266 Millionen Dollar auf das Konto der Katalanen - mehr als an jeden anderen Verein im Vergleich.
Foto: APPlatz drei: Real Madrid
Real Madrid schafft es mit einem Markenwert von 482 Millionen Euro auf den dritten Platz. Im Ranking nach Umsatz schaffte es der Verein vergangenes Jahr sogar auf Platz zwei der internationalen Fußballclubs: Forbes attestierte Real eine Wertsteigerung von 29 Prozent auf 1,877 Milliarden Dollar.
Foto: REUTERSPlatz zwei: Manchester United
Das Team des scheidenden Star-Coaches Alex Ferguson musste in diesem Jahr vom ersten Platz Abschied nehmen. Der Markenwert von Manchester United reicht mit 650 Millionen Euro nur noch für Platz zwei. Dafür hat es der im vergangenen Jahr Zweitplatzierte an die Spitze geschafft...
Foto: REUTERSPlatz eins: FC Bayern München
Der Champions-League-Sieger Bayern München ist nach Angaben des britischen Instituts mit einem Markenwert von 669 Millionen Euro die wertvollste Marke im Weltfußball. Die Bayern lösten in dem jüngst veröffentlichten Ranking damit Manchester United als Spitzenreiter ab.
Foto: dpaGlauben Sie wirklich, irgendjemand weiß, welche Schuhe die beiden tragen?
Genau darum geht es! In China wissen gerade mal drei Prozent der Verbraucher, dass Usain Bolt Puma trägt. Das ist viel zu wenig. Deshalb starten wir ja jetzt unsere globale Markenkampagne. Und statt einzelnen Ländergesellschaften beim Marketing eigene Spielräume zu erlauben, bringen wir weltweit auf einen Schlag eine einzige Markenbotschaft unter die Leute: Puma is back! Puma-Produkte werden getragen von Top-Athleten, wir sind eine Performance-Marke, die cool ist.
So ähnlich klingt das auch bei Nike oder Adidas, wie wollen Sie sich da abheben?
In erster Linie natürlich durch unsere Athleten. Abgesehen davon – warum sollten wir Angst haben, ähnlich zu klingen wie Nike? Die machen einen ausgezeichneten Job. Und ich kann doch nicht sagen: Nur weil Nike etwas gut macht, tue ich das Gegenteil davon.
Wollen Sie Nike kopieren?
Nein, aber es gibt globale Trends im Sportmarkt, wie zum Beispiel besonders leichte Laufschuhe, die kann keine Marke ignorieren, wenn sie erfolgreich sein will. Man muss als Marke relevant bleiben, sonst reicht’s nur für die Nische. Innerhalb dieser großen Trends können wir aber den Dingen unseren eigenen Stempel aufdrücken. Nur weil Nike leicht und lustig ist, muss Puma ja jetzt nicht traurig und schwer sein.
Gulden will künftig mit den Helden der Puma-Historie stärker punkten. Der Schuh, in dem Tennislegende Boris Becker zum ersten Mal Wimbledon gewann, kommt als neuer Freizeitschuh. Und auch Lothar Matthäus – der einstige Weltstar ist der Sohn eines früheren Puma-Hausmeisters – erfährt besondere Wertschätzung: Puma wird ein limitiertes Paar Retro-Fußballschuhe mit dem Autogramm des Kickers herausbringen. „Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich mir vorstelle, dass Lothar während seiner ganzen Karriere in Puma-Schuhen gekickt hat“, sagt Gulden und streicht über das feine schwarze Leder.
Kürzlich gab es Horrorberichte über die Zustände bei einem Puma-Zulieferer in El Salvador. Hat die Kontrolle versagt?
Wir arbeiten dort mit einem Zulieferer zusammen, der in unseren internen Bewertungen zu den besten zählt und Produkte für den lokalen Markt herstellt. Zu Stoßzeiten hat er eine Menge von etwa 50 000 Teilen an einen anderen Betrieb ausgelagert, was mit uns nicht vereinbart war. Dort gab es Zustände, die nicht in Ordnung waren und unseren hohen Umwelt- und Sozialstandards in keiner Weise entsprachen. Für diesen Fehler entschuldigen wir uns.
Verbieten Sie Ihren Zulieferern nicht, Aufträge ohne Erlaubnis weiterzureichen?
Doch. Aber hinter diesem Vorfall steckt kein System, hier ist leider ein menschlicher Fehler passiert. In den allermeisten Fabriken können wir heute guten Gewissens Schuhe herstellen lassen. Und wir werden jeden Schritt unterstützen, der Arbeitsplatzstandards weiter anhebt.
Warum fertigen Sie nicht mehr in Europa?
Heute stehen die meisten Produktionsanlagen in Asien. Da die Technik immer wichtiger wird, schwindet der Anteil der Lohnkosten. Daher kann es gut sein, dass ein Teil der Schuhproduktion in der näheren Zukunft nach Europa zurückkehrt – etwa dann, wenn mehr Schuhe gestrickt werden, so wie Nike das mit seinen neuen Fußballschuhen vorgemacht hat. Wir arbeiten an ähnlichen Konzepten, weil das viele Vorteile bringt. Beispielsweise wird viel Abfall vermieden, was Kosten spart. Wo die Strickmaschine steht, ist fast schon egal.
Im Fußball geben Sie angeblich über fünf Jahre 180 Millionen Euro dafür aus, Arsenal London ausrüsten zu dürfen?
Sie werden sicher verstehen, dass ich diese Zahl nicht kommentiere. Aber man muss genau hinsehen, was alles im Vertrag enthalten ist. Denn es geht ja nicht nur um die Erlöse aus dem Verkauf der Trikots, sondern auch um das Merchandising-Geschäft mit Fanartikeln wie Schals oder Bettwäsche. Je teurer es also wird, desto besser für uns, weil dann unser Partner auch entsprechende Ziele erreicht hat...
...wie den Gewinn der Meisterschaft. Aber ist Arsenal wirklich so attraktiv?
Finanziell und strategisch ist diese Partnerschaft richtig für Puma, weil Arsenal eine der wichtigsten Fußballmarken weltweit ist. International verkauft der Club sogar mehr Trikots als in England.
Wie viele Leibchen wollen Sie denn absetzen? Beim BVB, den Puma ausrüstet, waren es zuletzt über 400 000 Stück.
Die bekanntesten englischen Clubs wie Arsenal, Manchester United und Liverpool haben international mehr Fans als die deutschen, insofern dürfte die Zahl weit darüber liegen. Aber natürlich drängen auch Bayern München und unser BVB hinaus in die Welt und eröffnen Büros, so wie Borussia Dortmund es in Singapur plant. Das zahlt sich aus: Die Nachfrage nach BVB-Trikots im Ausland steigt.
Werden Sie sich wie Evonik über eine Kapitalerhöhung an der BVB AG beteiligen, um die Partnerschaft abzusichern?
Das ist denkbar. Aber wir besitzen derzeit keine Anteile und werden darüber informieren, wenn sich daran etwas ändert. Wir haben einen laufenden Ausrüstervertrag mit dem BVB bis 2018, sind also ohnehin langfristig mit dem Verein verbunden.
Fußball wird eine Hauptrolle spielen im Puma-Angebot – Ex-Profi Gulden schnappt sich mit sichtlichem Wohlgefallen die Stollenschuhe für die Saison 2015/16: „Nehmen Sie die mal in die Hand, wie leicht die sind – und es geht künftig sogar noch leichter.“ Auch beim Design von Latschen und Leibchen speckt Puma ab: „Früher waren wir viel zu oft überdesignt.“ Manche Ecken im Showroom spart der Puma-Chef indes beim Rundgang aus – ein paar Überraschungen hebt er sich noch auf.
Puma konzentriert sich vor allem auf Männer – aber wächst nicht besonders das Sportgeschäft mit Frauen sehr stark?
Ja, Frauen werden als Zielgruppe immer wichtiger. Es gibt aber nur sehr wenige weibliche Sportstars, die weltweit so populär sind wie etwa ein Fußballer. Ich hätte für Puma gern eine globale weibliche Markenbotschafterin, eine Top-Athletin. Früher klappte das mit Tennisstars wie Steffi Graf oder den Williams-Schwestern. Aber heute sind es doch eher Popstars wie Shakira oder Rihanna, die den Stil junger Frauen beeinflussen.
Seit Frühjahr 2012 ist der Kurs von 275 auf 205 Euro abgestürzt. Und noch scheint Ihre Strategie die Aktie nicht zu beflügeln?
Ganz ehrlich: Der Aktienkurs ist für mich im Moment eher sekundär. 86 Prozent der Anteile sind im Besitz von Kering. Meine Aufgabe ist es, die richtige Strategie für Puma zu finden und sie dann mit meinem Team umzusetzen. Wenn mir das gelingt, wird der Kurs der Aktie ganz alleine folgen. Aber ich schaue deshalb nicht jeden Tag auf den Kurs.
Wann ist der Turn-around geschafft?
Ich könnte auf diese Frage ja jetzt mit einem großen Spruch oder Ziel antworten. Aber am Ende entscheidet darüber der Verbraucher. Ich bin überzeugt, dass unsere Strategie stimmt. Jetzt ist nur die Frage, wie schnell Kunde und Handel unseren Weg mitgehen.
Wie viel Zeit gibt Ihnen Kering?
Kering hat mich zu Puma geholt, weil sie der Meinung sind, dass ich ihnen weiterhelfen könne. Es gibt keinen Druck von Kering, in einer bestimmten Zeit die Wende zu schaffen. Diesen Druck machen wir uns schon selbst. Denn für mich ist die Aufgabe, Puma wieder zu einer coolen Marke zu machen, die schönste, die haben kann. Diese Branche ist eine Welt, in der ich gern lebe und arbeite.
Ihr ältester Sohn hat gerade direkt nach dem Abitur seinen ersten Profi-Vertrag beim VfL Bochum unterschrieben – welche Schuhe trägt er denn?
Er spielt in Puma. Das freut mich natürlich, denn meine drei Jungs haben so ziemlich jeden Schuh ausprobieren können. Sie sind für mich ein guter Gradmesser, um zu sehen, ob wir mit unseren Produkten richtig liegen oder nicht.
Einen anderen hätte er ja wohl auch kaum tragen dürfen, oder?
Doch. Aber er hätte dafür schon sehr gute Gründe haben müssen.