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Vertrag unterschriebenKaufhof-Karstadt-Fusion ist besiegelt

Der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof war bereits beschlossene Sache. Nun wurde der Vertrag unterschrieben. Die Fusion kann also über die Bühne gehen, wenn die Kartellwächter zustimmen. 11.09.2018 - 12:18 Uhr aktualisiert

Karstadt und Kaufhof fusionieren.

Foto: dpa

Die beiden letzten großen deutschen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof schließen sich zusammen. Der österreichische Karstadt-Eigner und Immobilien-Investor Rene Benko und der nordamerikanische Kaufhof-Eigner HBC haben sich auf eine Zusammenlegung der beiden Ketten verständigt. Die Verträge sollen bereits unterzeichnet sein.

Offiziell ist von einer „Fusion unter Gleichen“ die Rede. Doch wird Karstadt-Chef Stephan Fanderl die Leitung des Warenhaus-Konzerns übernehmen. Und auch die Mehrheit der Anteile am neuen Unternehmen liegt künftig bei der Signa-Holding des Karstadt-Eigentümers René Benko: Signa erhält 50,01 Prozent, HBC 49,99 Prozent. Nach dem geplanten Zusammenschluss erhalten die beiden Warenhausketten nach Informationen der WirtschaftsWoche von ihren Eigentümern eine Bargeldspritze in Höhe von 400 Millionen Euro.

Finanzspritzen sind auch dringen nötig. Beide Warenhäuser haben bislang wenig überzeugende Zahlen. Besonders kritisch ist die Situation zurzeit bei Kaufhof. Die Kölner kämpfen seit der Übernahme durch HBC Ende 2015 mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Karstadt hat nach einer harten Sanierung unter der Führung Fanderls gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft.

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Die Fusion und die damit einhergehende Bündelung von Einkaufsmacht dürfte es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen. Außerdem könnten nach Einschätzung von Branchenkennern in der Verwaltung, Datenverarbeitung und Logistik beträchtliche Summen gespart werden.
Ganz einfach dürfte die Fusion nicht werden. Sie werde die Warenhausketten über Jahre beschäftigen, erwartet der frühere Kaufhof-Chef Lovro Mandac. „Das wird ein riesiges Stück Arbeit. Einen solchen Zusammenschluss zweier großer Handelshäuser zu vollziehen, dauert fünf bis sieben Jahre“, sagte Mandac der WirtschaftsWoche.

Offen ließen die Warenhausketten zunächst, ob im Zuge der Fusion auch Filialschließungen geplant sind. Auch zu einem möglichen Stellenabbau gab es keine Angaben. Der Karstadt-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ettl hat den Erhalt aller 32.000 Arbeitsplätze und aller Standorte beim Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof gefordert. „Die Fusion darf nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gehen“, verlangte der Arbeitnehmervertreter am Dienstag. Ziel müsse Wachstum statt Restrukturierung sein und Arbeitsplatzerhalt statt Arbeitsplatzvernichtung. Ettl verwies darauf, dass gerade die Beschäftigten von Karstadt Sicherheiten und eine positive Perspektive verdient hätten. Seit vielen Jahren verzichteten sie für den Erhalt von Karstadt auf Teile ihres Tarifgehalts.

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Ein Wort mitzureden haben die Wettbewerbshüter. Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte bereits an, die Fusionspläne auf jeden Fall genau unter die Lupe zu nehmen: „Wir stellen uns auf ein extrem umfangreiches und aufwendiges Verfahren ein.“ Es müssten sowohl die Folgen für die Kunden als auch für die Lieferanten geprüft werden. Dabei müsse man nicht nur den stationären Handel berücksichtigen, sondern auch den Online-Handel. „Wir hatten bisher noch keinen Fall, in dem wir uns in diesem Umfang mit diesen Fragen auseinandersetzen mussten“, sagte Mundt.
Die Gewerkschaft Verdi hatte schon beim Bekanntwerden der Fusionsgespräche betont, dass für sie im Fall eines Zusammenschlusses drei Themen im Vordergrund stünden: „die Tarifbindung, die Beschäftigungssicherung und die Standortsicherung“.

Georg Wertheim ist Deutschlands Warenhauspionier. Sein erstes Warenhaus eröffnete er 1876 in Stralsund. Für Furore sorgte er aber später mit seinem glanzvollen Neubau an der Leipziger Straße in Berlin, nur wenige Meter vom Potsdamer Platz entfernt.

(Bild: Berlin Mitte, Blick auf den Leipziger Platz, Aufnahmedatum: ca. 1935)

Foto: imago images

Das neue Format setzte sich schnell durch - die ersten Filialketten entstanden. Rudolph Karstadt eröffnete am 14. Mai 1881 sein „Manufactur-, Confections- und Tuchgeschäft“ in Wismar, aus dem die spätere Karstadt AG hervorging. In Berlin dominierte Wertheim das Geschäft. Den Süden sicherte sich Hertie-Namensgeber Hermann Tietz und im Rheinland legte Leonhard Tietz die Grundlagen für die heutigen Kaufhof-Häuser. 

(Bild: Hermann Tietz mit Ehefrau)

Foto: PR,

Warenhäuser machten Luxusgüter auch für das Bürgertum bezahlbar. "Die vornehme Dame steht schwesterlich neben der kleinen Choristin, und keine wird vor der anderen bevorzugt", vermerkte das "Berliner Tageblatt" 1907 bei der Eröffnung des KaDeWe.

(Bild: Ein vom Kaufhaus des Westens herausgegebenes Foto zeigt die Zigarrenabteilung im KaDeWe in Berlin im Jahr 1928. Die Tabakwaren befinden sich bereits seit der Eröffnung im Erdgeschoss des Kaufhauses.)

Foto: AP

Bis zum Zweiten Weltkrieg wuchs das Geschäft rasant. 1929 eröffnete Karstadt in Berlin-Kreuzberg am Hermannplatz eines der damals größten Warenhäuser der Welt. Auf neun Stockwerken waren anfangs rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt. 

(Bild: Karstadt in Berlin, Aufnahmedatum: zwischen 1933 und 1936)

Foto: Getty Images

Da die Familien Wertheim und Tietz Juden waren, regten sich bald antisemitische Stimmen. Warenhäuser wurden als „Bazare“ diffamiert, obwohl dort Festpreise galten. Unter den Nationalsozialisten verschärften sich die Anfeindungen. Georg Wertheim schenkte sein gesamtes Vermögen seiner nicht-jüdischen Ehefrau Ursula. 1937 schrieb er kurz vor seinem 80. Geburtstag in sein Tagebuch: „Austritt aus dem Geschäft. Firma als deutsch erklärt.“ Er selbst hatte da schon Hausverbot.

(Bild: Blick auf das Warenhaus Wertheim, Aufnahmedatum: 1935)

Foto: WirtschaftsWoche

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren in den deutschen Städten auch die meisten großen Kaufhäuser zerstört. Als mit dem Wirtschaftswunder ihr Wiederaufbau begann, ging es demonstrativ schlicht und funktional zu. Die von Egon Eiermann entworfene Horten-Kachel oder die weiße Hertie-Metallplatten, sorgten für ein gleichförmiges Erscheinungsbild. Doch dem Warenhauserfolg tat das keinen Abbruch. 

(Bild: Fotoausstellung zum Kriegsende auf dem Alexanderplatz, Aufnahmedatum: 2015)

Foto: imago images

Der Marktanteil der Warenhäuser stieg in den Wirtschaftswunderjahren auf bis zu 15 Prozent. Karstadt, Kaufhof, Hertie und Horten dominieren die Konsumlandschaft und die deutschen Einkaufsstraßen.

(Bild: Galeria Kaufhof in Frankfurt am Main, Aufnahmedatum: 1960)

Foto: Getty Images

Der Niedergang des Alles-Unter-einem-Dach-Formats beginnt erst in den achtziger Jahren, als auf der grünen Wiese Einkaufszentren, Fach- und Verbrauchermärkte nach US-Vorbild entstehen. Die Branche gerät unter Konsolidierungsdruck. 1994 geht Kaufhof mit Horten zusammen, Karstadt schluckt die Hertie-Gruppe. Doch die Abwanderung der Kunden kann das nicht aufhalten.

(Bild: Karstadt-Filiale in Berlin-Kreuzberg, Aufnahmedatum: 2004)

Foto: imago images

Als neben Shoppingcentern und Fachmärkten zusätzlich noch das Internet Kunden kostet, verstärkt sich der wirtschaftliche Druck. Eine Krise jagt die nächste, Stellen werden gestrichen, 2009 muss Karstadt Insolvenz anmelden, wird zwar gerettet und verkauft. Doch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind bis heute nicht überwunden.

(Bild: Mahnwache vor Karstadt am Bahnhof München, Aufnahmedatum: 7.6.2009)

Foto: imago images

Galeria Kaufhof gelingt es, lange Zeit Kurs zu halten. Das ändert sich erst, nachdem der Eigentümer Metro Kaufhof 2015 an den kanadischen Handelskonzern HBC verkauft. Unter kanadischer Führung geht es rapide bergab. Die goldene Warenhausära ist Geschichte.

Foto: WirtschaftsWoche

dpa, rtr, kjo
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