1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Industrie
  4. Adidas, Volkswagen, Fresenius: Die Aufsichtsräte deutscher Konzerne haben versagt

Adidas, Volkswagen, FreseniusDie Aufsichtsräte haben als CEO-Kontrolleure versagt

Die jüngsten CEO-Abgänge bei Adidas, Volkswagen, Fresenius zeigen: Die Aufsichtsräte von großen deutschen Konzernen versagen zunehmend bei ihrer Personalauswahl – Verantwortung übernimmt jedoch keiner. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Christian Schlesiger 23.08.2022 - 13:46 Uhr

In kurzem zeitlichen Abstand wurden die drei CEOs Herbert Diess (VW), Stephan Sturm (Fresenius) und Kasper Rorsted (Adidas) von ihren Aufsichtsräten entlassen.

Foto: imago images

Drei Abgänge, drei Parallelen. Kasper Rorsted verlässt Adidas spätestens 2023, obwohl sein Vertrag noch bis 2026 hätte weiterlaufen sollen. Stephan Sturm geht bei Fresenius, auch er sollte eigentlich bis 2026 bleiben. Und Volkswagen-Chef Herbert Diess wurde gerade von der Konzernspitze verdrängt, obwohl er die von ihm angeschobene Transformation des Autobauers bis 2025 zu Ende bringen sollte. Die vorzeitigen Vertragsauflösungen sind teuer für die Aktionäre – und eine Blamage für die Aufsichtsräte, denn sie haben die gut dotierten CEO-Verträge einst unterschrieben.

Verantwortung dafür übernehmen sie aber nicht. Obwohl sie – zumindest bei Adidas und Volkswagen – die Verträge mit den Vorstandsvorsitzenden sogar vorzeitig verlängert hatten. Zu einer Zeit also, als es schon rumorte. Adidas-Chef Rorsted und VW-Boss Diess wurden ruppige Führungsstile nachgesagt. Und in der Causa Rorsted gab es schon vor Jahren Zweifel an der bröckelnden Innovationsstärke des Sportartikelausrüsters. Die Personalausschüsse der Aufsichtsräte hätten es also wissen können – setzten sich aber über Kritik hinweg.

Der Fall Adidas ist besonders eklatant. Bei dem Herzogenauracher Sportartikelkonzern hat Bertelsmann-Chef Thomas Rabe seit Mitte 2019 den Aufsichtsratsvorsitz inne. Ein Mann also, der bei dem Gütersloher Medienkonzern und der Kölner Tochter RTL gerade Krisenaufgaben sammelt wie andere Kunstwerke. Rabe soll Bertelsmann managen und das Führungschaos bei Europas größtem TV-Sender lösen – und nebenbei Adidas überwachen. So, als wäre der Aufsichtsratsposten eine Art Zeitvertreib.

Dass er das nicht gut macht, zeigt der Aktienkurs von Adidas. Er liegt aktuell unter dem Niveau nach dem Corona-Einbruch Anfang 2020. Die primäre Verantwortung dafür hat Rorsted, die sekundäre Rabe. Der Fall Adidas ist auch aus anderem Grund auffällig: Rabe ist seit Mitte 2019 Aufsichtsratschef bei Adidas. Rorsted war bis genau zu diesem Zeitpunkt acht Jahre lang Aufsichtsratsmitglied bei Bertelsmann – und damit Aufpasser von Rabe. Rabe und Rorsted kennen sich also gut. Für eine angemessene Kontrolle vielleicht zu gut. Die vorzeitige Vertragsverlängerung Rorsteds 2020 jedenfalls lief unter Rabes Ägide.

Das Kontrollsystem der Aktiengesellschaften bedarf einer Neubewertung. Ohnehin sollten Aktionäre einmal kritisch hinterfragen, ob es wirklich sinnvoll ist, dass sie Konzernchefs in die Aufsichtsräte holen. Auch Rorsted spielt gerne den Multi-Aufsichtsrat: Er ist und war in den Gremien bei Bertelsmann, Nestlé und Siemens. Dabei hatte er bei Adidas wohl genug zu tun.

Viel wichtiger noch: Aufsichtsräte müssen mehr Verantwortung übernehmen. Sie müssen ihre Vergütung tatsächlich „verdienen“ – und selbst viel stärker nach Leistung bewertet und bezahlt werden. Auch für Aufsichtsräte muss gelten: Macht einer seinen Job nicht ordentlich, wird der Vertrag aufgelöst. Die Aktionäre haben die Macht – sie müssen sie auch nutzen.

Lesen Sie auch: Was den Adidas-Chef zu Fall brachte

Dieser Beitrag entstammt dem WiWo-Newsletter Daily Punch. Der Newsletter liefert Ihnen den täglichen Kommentar aus der WiWo-Redaktion ins Postfach. Immer auf den Punkt, immer mit Punch. Außerdem im Punch: der Überblick über die fünf wichtigsten Themen des Tages. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick