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Angeschlagener Modekonzern Bei Gerry Weber droht ein Job-Kahlschlag

Gerry Weber: Abbau jeder siebten Stelle droht Quelle: dpa

Der Modekonzern Gerry Weber verschärft laut Medienberichten sein Sparprogramm und baut stärker als bisher geplant Stellen ab. Weltweit sollen nochmal 900 Jobs gestrichen und zahlreiche Filialen geschlossen werden.

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Bei dem in die Bredouille geratenen Modekonzern Gerry Weber wird es Medienberichten zufolge zu einem Abbau etwa jeder siebten Stelle kommen. Das Sparprogramm werde verschärft und nochmals weltweit 900 von 6500 Jobs gestrichen, berichteten das Bielefelder „Westfalenblatt“ und das „Handelsblatt“ am Donnerstag unter Berufung auf die Mitarbeiterzeitung des Konzerns. Zudem sollen zusätzlich 170 bis 200 Filialen geschlossen werden. Der Traditionskonzern aus Westfalen wollte das nicht kommentieren.

Am Dienstag hatte der Damenmodehersteller mit seinen Marken Gerry Weber und Hallhuber lediglich vom „Abbau einer signifikanten Zahl“ von Stellen gesprochen sowie von der Schließung von Filialen und Verkaufsflächen, ohne Details zu nennen.

Am selben Tag hatte der Modehändler aktuelle Geschäftszahlen vorgelegt, die ein deutlicheres Minus als erwartet ausgaben. Das Management teilte mit, man gehe beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) nun „von einem deutlichen Verlust“ aus. Für das zum 31. Oktober beendete Geschäftsjahr 2017/18 rechne man jetzt nur noch mit rund 790 Millionen Euro Umsatz. Ursprünglich waren 830 bis 840 Millionen Euro erwartet worden. Als Grund nannte das Unternehmen Rückstellungen für Personalmaßnahmen und Filialschließungen sowie außerplanmäßige Abschreibungen und Wertberichtigungen.

Der Modefirma machen seit geraumer Zeit Umsatzrückgänge zu schaffen. Der Wert der Gerry-Weber-Aktie hatte sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als halbiert. Mitte Oktober hatte das Modeunternehmen aus dem westfälischen Halle mit den Kernmarken Gerry Weber, Hallhuber, Samoon und Taifun bereits einen verschärften Sanierungskurs mit einem massiven Stellenabbau angekündigt. Noch beschäftigt der Modeanbieter rund 6500 Mitarbeiter.

Um dem Unternehmen finanziellen Spielraum zu geben, stunden Schuldscheinbesitzer ihre Forderungen an den Modekonzern bis Ende Januar 2019. Laut Mitteilung wären die Zahlungen eigentlich am 5. November fällig gewesen. Von den Schuldscheingläubigern bekommt Gerry Weber derweil eine knapp dreimonatige Schonfrist: Sie stunden ihre Forderungen bis Ende Januar. 31 Millionen Euro wären vor einer Woche fällig gewesen. Auch die Banken hielten ihre Kreditlinien so lange offen. Damit werde die „angespannte Finanzierungssituation“ stabilisiert, hatte Gerry Weber mitgeteilt.

Gerry Weber leidet wie etliche Wettbewerber unter der Online-Konkurrenz und Modeketten wie die Inditex-Töchter Zara und Massimo Dutti, die mit raschen und flexiblen Kollektionen auf Markttrends und Wetterkapriolen reagieren.

Erst vor zwei Wochen hatte die WirtschaftsWoche berichtet, dass die BaFin erste Anhaltspunkte für Insiderhandel bei Gerry Weber hat. Die Finanzaufsicht leitete eine förmliche Insideruntersuchung gegen den Modekonzern ein. Bei der Untersuchung stehen auffällige Kursbewegungen aus dem September im Mittelpunkt, die bislang nur Gegenstand einer routinemäßigen Überprüfung waren.

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