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ArzneiherstellerRatiopharm-Chef: Viele Gründe für Lieferengpässe bei Arzneien

Corona, Personalmangel und Preisobergrenzen: Medikamente werden knapper. Das könnte dazu führen, dass Hersteller Produkte aus dem deutschen Markt nehmen. 27.07.2022 - 16:05 Uhr

Ratiopharm gehört zum israelischen Pharma-Unternehmen Teva. Ratiopharm-Chef Burkhardt sieht unter anderem den Personalmangel als Grund für Lieferengpässe.

Foto: dpa

Der Geschäftsführer des Ulmer Arzneiherstellers Ratiopharm, Andreas Burkhardt, hat Lieferengpässe bei Medikamenten in Apotheken gerechtfertigt und politische Konsequenzen gefordert. Seit Beginn der Corona-Pandemie gebe es extreme Nachfrageschwankungen, sagte Burkhardt, dem Fachportal „Apotheke Adhoc“.

„So etwas haben wir noch nie erlebt. Normalerweise plant man auf der Grundlage des Vorjahresbedarfs, doch solche Erfahrungswerte, auf die man zurückgreifen kann, gibt es pandemiebedingt aktuell einfach nicht mehr.“ Ratiopharm gehört zum israelischen Pharmakonzern Teva, der in Europa Marktführer bei Nachahmer-Medikamenten ist.

Nun fehle es an Kapazitäten und Personal, sagte Burkhardt, der zugleich Geschäftsführer von Teva Deutschland und Österreich ist. „Wir suchen händeringend Angestellte für die Produktion, um die Nachfrage zu bedienen. Uns fehlen zwischen 100 und 150 Mitarbeiter.“ Auch die Lieferketten seien ein Problem: Das betreffe nicht nur Wirkstoffe, sondern auch Dinge wie Filter oder Reinigungsmittel.

Drittes Problem sei die Preispolitik in Deutschland mit ihren Preisobergrenzen für bestimmte Arzneimittel. Viele Präparate, darunter Fiebersäfte für Kinder, ließen sich nicht mehr kostendeckend herstellen, immer mehr Hersteller stiegen einfach aus. „Als Vollversorger haben wir mehrere Produkte im Haus, mit denen wir nicht viel oder gar nichts verdienen.“ Burkhardt sieht auch die Politik in der Pflicht: „An das eigentliche Problem trauen sich die politischen Entscheider bislang nicht ran, obwohl die Einschläge näher kommen.“

Lieferengpässe machen der Generikabranche schon länger zu schaffen, in Apotheken sind manche Mittel knapp. Die Branche warnt davor, dass Hersteller Produkte aus dem deutschen Markt zurückziehen könnten. Die Firmen könnten die zuletzt hohen Kostensteigerungen nicht einfach weitergeben, da es in Deutschland Instrumente wie Festbeträge und Rabattverträge mit Krankenkassen gebe, sagte Bork Bretthauer, Chef des Lobbyverbands Pro Generika, jüngst dem „Spiegel“. Generika sind wirkstoffgleiche Nachahmerprodukte von Arzneien, deren Patentschutz abgelaufen ist und oft günstiger als die Erstanbieterpräparate.

Mehr: Hersteller erhalten nur 1,36 Euro pro Flasche: Fiebersaft für Kinder wird knapp

dpa
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