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Rechtsstreit in den USABayer will Glyphosat-Streit beilegen – oder Vermarktung beenden

Bayer-CEO Anderson hält das Ende der Glyphosat-Vermarktung in den USA für möglich – und den Konzern finanziell darauf vorbereiten. Die Details. 21.04.2025 - 12:12 Uhr
Die Bayer-Aktionäre sollen auf der Hauptversammlung am 25. April über den Vorratsbeschluss abstimmen. Foto: Henning Kaiser/dpa

Bayer-Chef Bill Anderson schließt im Ringen um ein Eindämmen der Glyphosat-Klagewelle einen Ausstieg aus dem Geschäft mit dem Unkrautvernichter in den USA nicht aus. „Wir kommen (..) langsam an einen Punkt, an dem uns die Klageindustrie zwingen könnte, die Vermarktung dieses systemkritischen Produktes einzustellen“, sagte Anderson in seiner am Donnerstag vorab verbreiteten Rede für die Bayer-Hauptversammlung. „Das wollen wir nicht, aber wir müssen uns auf alle möglichen Entwicklungen vorbereiten“, fügte er hinzu.

Bayer bereitet zur Beilegung der jahrelangen Rechtsstreitigkeiten auch eine Entscheidung des Aktionärstreffens über eine Kapitalerhöhung vor. Eine Zustimmung der Aktionäre zu den Plänen „würde uns wichtigen Handlungsspielraum geben, die Rechtsstreitigkeiten einzudämmen und das Kreditrating auf einem angemessenen Niveau zu halten“, sagte der Bayer-Chef. In einem US-Bundesstaat konnte Bayer indes einen Teilerfolg bei Glyphosat verbuchen.

Nach dem Bundesstaat Georgia habe auch North Dakota eine Gesetzesänderung verabschiedet, die die Position des Unternehmens stärken könnte. Künftig wäre damit in Bundesstaaten die Einstufung der US-Umweltbehörde EPA, die Glyphosat als nicht krebserregend ansieht und daher Warnhinweise vor Krebsrisiken auf Glyphosat-Produkten untersagt, bindend. „Wir hoffen, dass weitere Bundesstaaten diesem Beispiel folgen“, sagte Anderson.

Schneller schlau: Glyphosat
Glyphosat ist ein sogenanntes Total-Herbizid, es wirkt auf sämtliche grüne Pflanzen und hat damit ein so breites Spektrum wie kaum ein anderer herbizider, also unkrautvernichtender, Wirkstoff. Wo Glyphosat auf Pflanzen gesprüht wird, wächst sprichwörtlich kein Gras mehr – und auch kein Kraut, Strauch oder Moos.
Der wasserlösliche Wirkstoff wird über die Blätter aufgenommen und geht in alle Pflanzenteile, auch die Wurzel – was etwa für die Verwendung an Bahngleisen wichtig ist. Glyphosat blockiert ein Enzym, das Pflanzen zur Herstellung lebenswichtiger Aminosäuren brauchen – das aber auch in Pilzen und Mikroorganismen vorkommt.
Mit der nahezu vollständigen Vernichtung aller Kräuter und Gräser auf dem Acker sinke nicht nur die Zahl der Pflanzen stark, heißt es vom Umweltbundesamt (UBA). Dies entziehe allen an Ackerlebensräume gebundenen Arten wie Insekten und Feldvögeln großflächig die Lebensgrundlage. Ganze Nahrungsnetze könnten zusammenbrechen.

Hinter die Pläne für eine Kapitalerhöhung, die Anfang März offiziell bekannt wurden, hatte sich bereits der einflussreiche Aktionärsberater ISS gestellt. Der Leverkusener Agrar- und Pharmakonzern habe eine „überzeugende Begründung“ für den Vorschlag vorgelegt, heißt es in einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Empfehlung von International Shareholder Services (ISS).

„Wir sind überzeugt, dass das im Interesse der Anteilseigner ist“, hieß es in Andersons Redetext. Frisches Kapital werde „nur für Maßnahmen im Zusammenhang mit einer weitgehenden Eindämmung der Rechtsstreitigkeiten in den USA“ eingesetzt, unterstrich Anderson. Für Zukäufe werde es nicht eingesetzt.

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Die Bayer-Aktionäre sollen auf der Hauptversammlung am 25. April über den Vorratsbeschluss abstimmen, alle Anteilseigner sollen im Falle einer Kapitalerhöhung Bezugsrechte erhalten. Der Vorstand bekäme damit freie Hand, sich mit den Klägern in den zahlreichen US-Verfahren über die angeblichen gesundheitlichen Folgen der Anwendung von Glyphosat zu einigen, ohne die Verschuldung nach oben zu treiben. Bayer hat dafür insgesamt 5,7 Milliarden Euro Rückstellungen gebildet.

Bayer hatte sich 2018 mit der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto eine Klagewelle wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Herbizids ins Haus geholt, die das Unternehmen seit Jahren schwer belastet. Inzwischen wurde der Verkauf des Produkts mit dem Handelsnamen „Roundup“ an US-Privatkunden gestoppt, die die überwiegende Mehrheit der Kläger stellen. Wesentlich wichtiger ist für Bayer das Geschäft mit der Landwirtschaft, das nun ebenfalls infrage steht.

Anderson arbeitet gleichzeitig am Umbau des Leverkusener Konzerns. Er setzte dabei bislang vor allem auf ein neues Organisationsmodell, um Bürokratie abzubauen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. „Unsere Organisation ist deutlich kleiner, wir haben insgesamt rund 10.000 Stellen weniger“, sagte Anderson: „Die Management-Positionen haben wir um rund die Hälfte reduziert.“ Durch den Umbau sparte Bayer 500 Millionen Euro ein, bis Ende 2026 sollen es zwei Milliarden jährlich sein.

rtr
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