Clariant-Manager Kottmann: "Wir investieren lieber in den USA"
Clariant-Chef Kottmann: "Der nationale Alleingang bei der Energiewende ist Wahnsinn. Ich halte die gesamte EEG-Förderung für falsch."
Foto: Angelika Zinzow für WirtschaftsWoche
WirtschaftsWoche: Herr Kottmann, Clariant hat soeben ein Forschungszentrum für 500 Mitarbeiter in Frankfurt-Höchst eingeweiht. Planen Sie weitere Investitionen in Deutschland?
Kottmann: Clariant besteht zu 70 Prozent aus Geschäften der früheren Hoechst AG, in Höchst arbeiten die meisten Forscher. Somit war klar, dass wir dort das Forschungszentrum eröffnen. Ansonsten: Warum sollten wir in Deutschland noch einen Cent in neue Anlagen investieren? Dafür sehe ich derzeit keinen Grund. Wir hatten zwei, drei Projekte in Deutschland favorisiert. Wir investieren nun lieber in den USA.
Sind Sie ein Energieflüchtling? In den USA liegen die Kosten deutlich niedriger.
Das ist ein Grund. Zudem sind die USA für uns im Gegensatz zu Europa nicht mehr ein reifer Markt, sondern ein Wachstumsmarkt, wo Konsum und Investitionen mächtig anziehen. Ich war neulich bei Kunden in Houston, da herrscht Goldgräberstimmung. Allein die Aussicht auf billigere Energie treibt die Investitionen nach oben und sorgt für mehr Wachstum.
Welche Mehrkosten verursacht die Energiewende in Deutschland für Clariant?
Allein am Standort Höchst zahlen wir für die Umlage auf erneuerbare Energien nächstes Jahr voraussichtlich 4,7 Millionen Euro. Die Kosten durch die EEG-Umlage haben sich damit gegenüber 2011 fast verdoppelt – ohne dass wir Kapazitäten ausgebaut haben. Wir zahlen in Deutschland 13 Cent pro Kilowattstunde, in China und den USA nur rund die Hälfte. Die explodierenden Energiekosten belasten uns doppelt – im internationalen Wettbewerb und im Vergleich zu heimischen Konkurrenten wie BASF, die weitgehend keine EEG-Umlage zahlen müssen. Um befreit zu werden, muss der Anteil der Energiekosten an der Bruttowertschöpfung mehr als 14 Prozent betragen. Das ist bei uns aber nur an einem von 18 Standorten in Deutschland der Fall.
Was wünschen Sie sich von der künftigen Bundesregierung zur Energiepolitik?
Der nationale Alleingang bei der Energiewende ist Wahnsinn. Ich halte die gesamte EEG-Förderung für falsch. Wir brauchen keine nationalen Alleingänge, sondern einen einheitlichen europäischen Ansatz.
Wie wird sich die Chemiekonjunktur in den kommenden Jahren entwickeln?
2014, 2015, 2016 werden Deutschland und Europa nicht wachsen, denn die Euro-Schuldenkrise sorgt für Verunsicherung bei Konsumenten und Industrie. Ich sehe Wachstum in Nord- und Lateinamerika und Asien. Die chinesische Regierung wird weiter Wachstumsprogramme auflegen, damit die Unterschiede zwischen Arm und Reich nicht zu sehr auseinanderdriften.
Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz.
Foto: dpaDänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von Windparks
Der Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden.
Foto: dpaChina – bessere Nutzung von Abwärme
Abwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie.
Foto: REUTERSShanghai – bessere Transformatoren
Jetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz. In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren.
Foto: dpaSchweden – mehr Wärmepumpen
Eine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa 0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen.
Foto: "Tourismusverband Westschweden
Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gmsUSA – Stromnachfrage besser steuern
Die Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken.
Foto: APLos Angeles – LED-Straßenbeleuchtung
International hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden.
Foto: PresseÖsterreich – mehr öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), mehr Elektrobusse
Im Jahr 2009 lag der ÖPNV-Anteil in Berlin bei 29 Prozent, in München bei 26 Prozent. In Wien dagegen liegt der Anteil bei 35 Prozent. Würde man den ÖPNV-Anteil in Berlin, Hamburg, München und Köln analog zu Wien auf 35 Prozent steigern, würde parallel dazu der Pkw-Verkehr zurückgehen. Da der öffentliche Nahverkehr geringere CO2-Emissionen erzeugt als Pkw, würde dies zu einem Rückgang der CO2-Emissionen führen.
Wien pilotiert aktuell außerdem den Einsatz von Elektrobussen. In Deutschland werden die Busflotten momentan nahezu komplett mit Diesel betrieben. Bei einer Erneuerungsrate von 8 Prozent pro Jahr würden bis 2020 mehr als 2.000 Elektrobusse auf deutschen Straßen fahren. Nach dem für 2020 erwarteten Strommix aus grünen und konventionellen Kraftwerken, würde dies zu weniger CO2-Emissionen führen, denn dann würden E-Busse deutlich sauberer fahren als Dieselbusse.
Foto: APChina – Fahrerassistenzsysteme in U-Bahnen
In Deutschland gibt es in vier Städten U-Bahnen, insgesamt sind 1.500 Züge im Einsatz. Sie verbrauchen 0,7 TWh Strom. Fahrerassistenzsysteme können den Verbrauch senken. Sie optimieren den Energieverbrauch von U-Bahn-Zügen durch Steuerung der Türen, der Stopps sowie der Fahrten zwischen den U-Bahnhöfen. In China werden alle neuen U-Bahnen mit Fahrerassistenzsystemen ausgestattet. Gegenüber einer konventionellen U-Bahn-Steuerung verbrauchen die U-Bahnen so 15 % weniger Strom.
Foto: REUTERSMexiko – Abwrackprämie für Haushaltsgeräte
Ein neuer Kühlschrank der aktuell höchsten Effizienzklasse verbraucht 150 kWh pro Jahr und damit circa 30 % weniger als ein durchschnittlicher, zehn Jahre alter Kühlschrank. Mexiko hat 2009 ein Anreizsystem für den Austausch von "Weißer Ware" aufgelegt . Ziel war es, Kühlschränke, die älter als zehn Jahre waren, durch neue Geräte zu ersetzen. Bedingung war, dass die Neugeräte den mexikanischen Effizienzstandard um mindestens 5 % überbieten mussten. Das Anreizsystem bot Barauszahlungen und Subventionen von Finanzierungslösungen sowie zusätzliche Leistungen für den Abtransport und das Recycling der Altgeräte. Im Rahmen des Programms haben seit 2009 1,5 Millionen Haushalte ihre alten Kühlschränke ersetzt. Dadurch konnte die durchschnittliche Stromnachfrage pro Haushalt um 7 % reduziert werden.
Foto: APSpanien – höhere Energieeffizienz
Elektrische Antriebe verbrauchten in der deutschen Industrie im Jahr 2010 etwa 85 TWh Strom. Die Energieeffizienz der derzeit eingesetzten Antriebssysteme könnte verbessert werden. Madrid setzt etwa für die Wasserversorgung drehzahlvariable Pumpen ein, nach zwei Jahren amortisierten sich die Kosten. Im Jahr 2020 könnte der industrielle Stromverbrauch in Deutschland um circa 6 TWh reduziert werden, wenn alle Antriebe ausgetauscht würden, deren Anschaffung sich nach maximal drei Jahren rechnet.
Foto: dpaIn Deutschland wird das Potenzial neuer Antriebe in Industrieanlagen noch nicht ausgeschöpft, so die Studie. Das Umrüsten im laufenden Betrieb sei zum Teil schwierig, in manchen Betrieben gebe es nur wenig Transparenz bezüglich realisierbarer Einsparungen und bei längeren Amortisationszeiten fehlt häufig die Bereitschaft der Entscheider, Kapital zu binden. Hier könnten Ansätze wie das Energiespar-Contracting helfen: Die Investitionen werden von einem Dienstleister finanziert und über die erfolgten Einsparungen beglichen, die zwischen Dienstleister und Besitzer aufgeteilt werden. Ähnliche Ansätze sind auch bei energetischen Gebäudesanierungen möglich und erleichtern dort die Überwindung der Investitionsschwelle.
Foto: dpa
Umsatz- und Gewinnentwicklung und Umsatzanteile nach Sparten bei Clariant (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)
Foto: Geschäftsbericht
Als Sie 2008 antraten, galt Clariant als Pleitekandidat. Sie haben in den ersten zwei Jahren 4000 Stellen abgebaut und inzwischen ein Fünftel des Umsatzes verkauft. Trotzdem hinken Sie bei der Gewinnmarge hinter Konkurrenten zurück.
Im dritten Quartal erreichten wir eine Gewinnmarge von 14,1 Prozent vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Das ist für Clariant der beste Wert in der Unternehmensgeschichte, aber Industriedurchschnitt. Bis 2015 wollen wir mit einer Marge von 17 Prozent in das obere Drittel vorstoßen – wo etwa Evonik und Altana schon sind. Um das zu schaffen, setzen wir auf Wachstum, Innovationen und weitere Kostensenkungen, zum Beispiel bei der Logistik und anderen Service-Einheiten.
Ist der Clariant-Umbau abgeschlossen?
Es gibt immer noch fünf, sechs unserer etwa 50 Segmente, die ihre Ziele nicht erreichen. Bisher schwimmen die in größeren Einheiten mit, das wird sich ändern. Welche Segmente das sind, verrate ich nicht. Es wird auch weiter Verkäufe geben, aber nicht in der bisherigen Dimension.
Sie haben sich jüngst von Geschäften wie der Textil- und Lederchemie getrennt; Käufer waren Finanzinvestoren. Breiten die sich in der Chemiebranche weiter aus?
Es wird künftig in der Branche mehr Abschlüsse mit Finanzinvestoren geben. In den USA lässt sich das bereits beobachten.
Wo bleiben die klassischen Konzerne?
Es sind ja oft kleinere Kapazitäten, die auf den Markt kommen. Nehmen Sie unser Emulsionsgeschäft – also Mischungen von Flüssigkeiten –, das wir zusammen mit der Textil- und Papierchemie an die US-Beteiligungsgesellschaft SK Capital verkauft haben. Das waren zwölf verschiedene Standorte, alles eher kleinteilig. Für eine BASF oder Dow Chemical ist das uninteressant.
Platz 15: Nancy McKinstry
Die US-amerikanische Managerin ist Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Wolters Kluwer in den Niederlanden und schafft es damit auf den fünfzehnten Platz im Fortune-Ranking der weltweit einflussreichsten Geschäftsfrauen. Bevor sie zu Wolters Kluwer kam, arbeitete McKinstry im Aufsichtsrat verschiedener Unternehmen, wie etwa bei Ericsson.
Foto: PressePlatz 14: Ho Ching
Ho Ching (hier links im Bild) ist Geschäftsführerin der Temasek Holdings, eine Holdinggesellschaft der singapurischen Regierung, und zudem mit Singapurs Premierminister Lee Hsien Loong (Mitte links) verheiratet. Die studierte Elektroingenieurin, die in Singapur und Stanford ausgebildet wurde, schafft es auf Platz 14.
Foto: REUTERSPlatz 13: Sandra Peterson
Seit Oktober 2010 ist Sandra Peterson Vorsitzende des Executive Committees von Bayer CropScience und Vorstandsvorsitzende der Bayer CropScience AG. Die gebürtige Amerikanerin studierte Politikwissenschaft an der Cornell Universität im US-Bundesstaat New York und machte ihren Master in Angewandter Volkswirtschaftslehre an der Princeton Universität. Bereits in den Achtzigern arbeitete sie in Deutschland: beim Bundesministerium für Finanzen und beim Bundesverband der Deutschen Industrie. Mit ihrer jetzigen Position schafft sie es im Fortune-Ranking auf Platz 13.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 12: Ornella Barra
Die Italienerin, die Pharmazie studierte und seit vielen Jahren als Managerin in der Pharmabranche arbeitet, macht den zwölften Platz im Business-Ranking. Als Aufsichtsratsmitglied beim britischen Konzern Alliance Boots und Chief Executive of the Pharmaceutical Wholesale Division of Alliance Healthcare ist sie für das Geschäft in 16 Ländern zuständig.
Foto: PressePlatz 11: Maria Ramos
In Portugal und Südafrika ist die Geschäftsfrau Maria Ramos zuhause. In Lissabon geboren und aufgewachsen, studierte Ramos Wirtschaft an der University of South Africa und der University of the Witwatersrand. Nachdem sie im Anschluss in London ihren Master in Wirtschaftswissenschaften absolvierte hatte, startete sie ihre Karriere. Heute ist sie Geschäftsführerin bei ABSA, einem der größten Finanzdienstleister Südafrikas. Dafür gibt es im Ranking Platz 11.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 10: Marjorie Scardino
Mit der US-Amerikanerin Marjorie Scardino landet die Geschäftsführerin des britischen Medienkonzerns Pearson gerade so unter den Top Ten. Sie leitet damit die umsatzstärkste Verlagsgruppe weltweit. Dafür gibt es Platz 10.
Foto: REUTERSPlatz 9: Annika Falkengren
Die schwedische Bankmanagerin Annika Falkengren landet knapp vor Scardino. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften in Stockholm und startete 1987 als Trainee bei der Skandinaviska Enskilda Banken (SEB). Dort bliebt sie und machte Karriere: Heute ist sie Präsidentin und Vorstandsvorsitzende bei SEB. Dafür gibt es Platz 9 im Ranking der einflussreichsten Geschäftsfrauen.
Foto: REUTERSPlatz 8: Sock Koong Chua
Auf dem achten Platz landet eine Chinesin: Sock Koong Chua. Bei Singapore Telecommunications Limited (SingTel), eines der größten asiatischen Telekommunikationsunternehmen, arbeitet sie heute als Geschäftsführerin, nachdem sie in den vergangenen Jahren verschiedene Positionen in dem singapurischen Konzern inne hatte.
Foto: REUTERSPlatz 7: Alison Cooper
Als Chief Executive arbeitet Alison Cooper seit Mai 2010 für den viertgrößten Anbieter des internationalen Tabakmarkts: Imperial Tobacco, zu denen auch die Reemtsma Cigarettenfabriken zählen. Sie folgte auf den Platz von Gareth Davis, der 14 Jahre auf dem Chefsessel gesessen hatte. Für sie gibt es im Ranking Platz 7.
Foto: PressePlatz 6: Güler Sabanci
Die türkische Unternehmerin Güler Sabanci begann ihre Karriere in der Autoreifenfirma ihrer Familie. Heute ist sie Vorsitzende der Sabanci Holding, der zweitgrößten Finanzgruppe der Türkei, deren Gründer ihr Onkel war. Die studierte Betriebswirtin macht damit Platz sechs unter den international einflussreichsten Geschäftsfrauen.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 5: Chanda Kochhar
Unter die Top Five schafft es die Tochter eines indischen Ingenieurs: Chanda Kochhar studierte in Bombay und startete gleich nach dem Bachelor-Abschluss als Jahrgangsbeste mit einer Trainee-Stelle bei der ICICI-Bank ihre große Karriere. Die größte private Bank Indiens behielt Kochhar im Unternehmen, ermöglichte ihr eine Karriere und berief sie schließlich an die Spitze des Geldinstituts. Für die ICICI-Vorstandsvorsitzende gibt es Platz 5 im Ranking.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 4: Barbara Kux
Im Vorstand des Technologiekonzerns Siemens sitzt die Schweizerin Barbara Kux. Die Managerin arbeitete bereits für Unternehmen wie Nestlé, Ford und Philips, bevor sie 2008 in den Vorstand der Siemens AG wechselte. Im Ranking der einflussreichsten Geschäftsfrauen international belegt sie Platz 4.
Foto: dpaPlatz 3: Cynthia Carroll
Die US-amerikansiche Managerin Cynthia Carroll gehört zu den Top Drei. Als Geschäftsführerin des südafrikanischen Bergbaukonzerns Anglo American leitet sie einen weltweit agierenden Konzern mit über 200.000 Mitarbeitern. Die studierte Geologin ist die erste Frau, die als Nicht-Südafrikanerin die Leitung des Konzerns übernehmen konnte.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 2: Gail Kelly
Als Chefin einer der führenden australischen Banken ist die australische Managerin Gail Kelly, die im südafrikanischen Pretoria geboren wurde, die Nummer zwei in der Fortune-Liste der einflussreichsten internationalen Geschäftsfrauen. Seit 2008 steht sie an der Spitze der Westpac und ist verantwortlich für Australiens größtes Finanzinstitut mit einem Börsenwert von etwa 39 Milliarden Euro.
Foto: REUTERSPlatz 1: Maria das Graças Foster
Die Nummer eins im Fortune-Ranking der international einflussreichsten Geschäftsfrauen ist die Vorsitzende des größten lateinamerikanischen Gas- und Energieunternehmens Petrobas. Die Brasilianerin Maria das Graças Foster studierte Chemieingenieurwesen und Chemie, sowie Nukleartechnik, um anschließend einen MBA in Wirtschaftswissenschaften draufzusetzen. Nach einem Praktikum bei Petrobras arbeitete sie sich an die Spitze des Unternehmens, was sie heute für das Fortune Magazine zur international einflussreichsten Geschäftsfrau macht.
Clariant hat 2011 die Süd Chemie vom Finanzinvestor One Equity Partners für etwa zwei Milliarden Euro erworben. Was hat der Kauf gebracht? Der große Wachstumssprung ist ausgeblieben.
Es ging uns bei der Akquisition nicht um starkes Wachstum, sondern um Kosteneinsparungen und margenstarke Innovationen. Die Süd Chemie verfügte über einige erstklassige Produkte wie das Geschäft mit Katalysatoren. Und über ein bahnbrechendes Verfahren, um Bioethanol aus Stroh herzustellen. Die industrielle Biotechnologie werden wir ausbauen.
Durch die Süd Chemie sind noch einmal etwa 1000 deutsche Mitarbeiter zu Clariant kommen. Wie vertragen sich Schweizer und Deutsche?
Als Clariant Ende der Neunzigerjahre im Wesentlichen aus der Schweizer Sandoz und der deutschen Hoechst AG entstand, gab es richtige Machtkämpfe. Die damaligen Manager haben das noch geschürt.
Und dann haben Sie für Ruhe gesorgt?
Es sind nun ausgeglichenere Charaktere am Werk. Clariant beschäftigt inzwischen in Basel mehr Deutsche als Schweizer. Ich bin selbst ehemaliger Hoechster, aber ich habe ein ganz klares Verständnis: Das Unternehmen heißt Clariant, die Zentrale liegt in der Schweiz, in Muttenz bei Basel.
Wo müssen die Mitarbeiter umdenken?
Clariant hatte keine sehr kommunikationsorientierte Kultur. Viele Mitarbeiter sind lieber ein bisschen für sich, haben ihr Silo und machen die Türe zu. Wir brauchen Leute, die Probleme selbstständig angehen, aufstehen und ihre Meinung vertreten. Wir müssen anders denken und arbeiten. Das sage ich den Mitarbeitern seit vier, fünf Jahren, es ist ein langer Prozess.
Im Clariant-Vorstand sitzen nur Deutsche. Das sorgt doch sicher für böses Blut?
Ich bin vom Verwaltungsrat, der mehrheitlich aus Schweizern besteht, bestellt worden. Ich hatte dann freie Hand bei der Auswahl meines Führungsteams. Finanzvorstand Patrick Jany ist zwar dem Pass nach Deutscher, hat aber französische Wurzeln. Die anderen beiden Vorstandskollegen kenne ich noch von der Hoechst AG.
Im Vorstand und im Verwaltungsrat findet sich keine Frau. Wann ändert sich das?
Wenn es eine geeignete Kollegin gibt, können wir darüber reden. Unserem Verwaltungsrat würde es sicher gut tun, ein oder zwei Frauen im Gremium zu haben.
Dem Vorstand nicht?
Ich würde mich freuen, wenn sich mehr Frauen für die Chemiebranche entscheiden würden. Wir haben nicht genügend junge Kandidatinnen, die wir entwickeln können. Ich habe mal unsere Leiterin Personalentwicklung gebeten, eine Liste mit den 30 Top-Frauen bei Clariant anzulegen. Es sind nur 20 zusammengekommen.
Das ist wenig bei rund 22.000 Mitarbeitern. Arbeiten Sie daran, den Talentpool für Frauen zu vergrößern?
Nein, da gibt es keine Initiativen. Ich bin auch gegen eine Frauenquote in Unternehmen. Eine solche Quote würde selbstbewussten Frauen, die beruflich ihren Weg gehen, eher schaden.
2012 haben Sie 7,4 Millionen Schweizer Franken verdient. Das ist mehr als die Chefs von BASF und Bayer jeweils erhalten. Sind Sie so viel Geld wert?
Diese Frage müsste unser Verwaltungsrat beantworten. Der Betrag liegt sicher am oberen Ende der Spannbreite, die ich mir selbst zusprechen würde. Darin enthalten ist allerdings eine Einmalzahlung von 1,5 Millionen Franken für Leistungen im Zusammenhang mit der Integration der Süd Chemie. Und große Teile meiner Vergütung habe ich noch gar nicht bekommen – die sind an die Erreichung eines Gewinnziels geknüpft. Wenn wir das nicht schaffen, ist das Geld weg. Mein Grundgehalt liegt bei einer Million Franken, umgerechnet etwa 800.000 Euro.
Am 24. November stimmt die Schweiz darüber ab, ob Vorstände künftig nur noch das maximal Zwölffache des niedrigsten Arbeiterlohns im Unternehmen verdienen sollen. Wie stehen Sie dazu?
Ablehnend. Ich habe den Eindruck, dass da eine Gruppe von Jungsozialisten die Schweiz rocken will.