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Covestro-Chef Patrick Thomas „Die Trennung von Bayer war ein Moment der Befreiung“

Patrick Thomas, Chef von Covestro Quelle: imago

Covestro ist in den Dax aufgestiegen. Im Interview spricht Patrick Thomas, Chef des Chemiekonzerns, über den Aufstieg in die erste Börsenliga, die Trennung von Bayer und seinen Kampf gegen Plastikmüll.

WirtschaftsWoche: Herr Thomas, Covestro steigt in den Dax auf. Was bedeutet das für Sie?
Patrick Thomas: Wir freuen uns sehr über die Aufnahme in den Dax. Sie ist eine weitere Bestätigung für die erfolgreiche Entwicklung unseres Unternehmens in den vergangenen Jahren und die Attraktivität unserer Aktie. Zukünftig wird Covestro dadurch eine noch größere Aufmerksamkeit gewinnen.

Covestro erzielt Rekordgewinne, während ihr früherer Mutterkonzern Bayer stagniert. Glauben Sie, dass Bayer-Chef Baumann den Verkauf von Covestro an die Börse schon bereut?
Ich denke, es war klug von Bayer blockweise Anteile an Covestro über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren zu abzugeben. Aber wie Herr Baumann dazu steht, das müssen Sie ihn bitte selber fragen.

Es hört sich nach einem schlechten Tausch an. Monsanto erzielt derzeit ungefähr soviel Gewinn wie Covestro, kostet Bayer aber mehr als 60 Milliarden Dollar.
Ich kann nur für Covestro sprechen. Und da sage ich: Für uns war die Trennung von Bayer ein Moment der Befreiung.

Wurden Sie denn von Bayer unterdrückt?
Nein, natürlich nicht. Aber bei Covestro können wir nun Entscheidungen deutlich schneller treffen und unsere Mittel gezielt einsetzen. Früher gab es bei Bayer immer einen Konflikt, ob das Geld in ein neues Medikament oder in eine Polycarbonat-Fabrik investiert wird. Inzwischen kann sich Covestro außerdem ohne weiteres Geld über die Börse beschaffen, falls notwendig.
Welche Veränderungen gibt es konkret?
Seitdem Covestro nicht mehr zu Bayer gehört, hat sich die Anzahl meiner Meetings um 30 Prozent reduziert. Ich kann meine Zeit jetzt viel sinnvoller nutzen und mich voll auf Covestro konzentrieren. Wir können jetzt viel stärker unsere Themen nach außen kommunizieren. Es hat mir und meinen Kollegen großen Spaß gemacht, bei Covestro eine neue Kultur zu etablieren – offener und transparenter.

Fürchten Sie aktuell nach Trumps Ankündigung einen neuen weltweiten Handelskrieg? Was würde das für Covestro bedeuten?
Als global tätiges Unternehmen sind wir natürlich für einen fairen Welthandel. Dank unserer globalen Aufstellung sind wir immer nah an unseren Kunden und produzieren lokal, wie etwa an unserem Standort Baytown in Texas. Mit Blick auf die USA sind wir daher sogar Netto-Exporteur unserer Materialien aus den USA in andere Länder.

Wenn es am schönsten ist, sollte man bekanntlich gehen. Ihr Vertrag endet am 30. September, ihr Vorstandskollege Markus Steilemann steht bereits als Nachfolger fest. Kann es sein, dass Sie Covestro vorzeitig verlassen?
Mein Vertrag endet am 30. September und wie bei jedem anderen Vorstandsmitglied auch kann nur der Aufsichtsrat entscheiden, falls ich früher gehen soll. Dem Aufsichtsrat werde ich selbstverständlich Folge leisten. Am 1. April kommt außerdem unser neuer Finanzvorstand Thomas Töpfer, dessen Einarbeitung sicherlich einige Zeit dauern wird.

Welche Pläne haben Sie für die Zeit nach Covestro?
Ganz klassisch – mehr Zeit für meine Familie nehmen. Meine vier Kinder leben unter anderem in Japan den USA und Belgien, da werde ich eine Menge reisen. Ich will aber der Branche erhalten bleiben, in Aufsichtsräten aktiv sein und mich dem Kampf gegen den Plastikmüll widmen.
In welchen Aufsichtsräten werden Sie aktiv sein?
Wenn es soweit ist, werde ich mich melden. Bislang bin ich bereits in den Aufsichtsrat des niederländischen Chemiekonzerns Akzo gewählt worden.

Und den Kampf gegen Plastikmüll nehmen Sie aus schlechtem Gewissen auf?
Nein, Covestro produziert keine Verpackungs-Kunststoffe, die hauptsächlich die Weltmeere zumüllen. Ich denke aber, dass es sich hierbei um eine globale Herausforderung für uns alle handelt und das Thema außerdem der chemischen Industrie insgesamt schadet. Deswegen engagiere ich mich. Wir müssen das Thema in den Griff bekommen.

Sie gehören etwa dem World Plastics Council, einem Herstellerverband an. Hilft denn die kürzlich gestartete EU-Initiative gegen Plastikmüll?
Die Initiative der EU gegen Plastikmüll ist ein Schritt in die richtige Richtung, ein entscheidender Punkt fehlt allerdings. Die EU-Kommission ignoriert, dass immer noch sehr viel Plastik über Deponien entsorgt wird. Das ist in vielen europäischen Ländern wie Frankreich und England völlig legal. Dazu findet sich in der EU-Strategie leider gar nichts. Wir hätten einen Vorschlag zum Verbot von Plastikmülldeponierung sehr begrüßt.

Was würde das bringen?
Es gibt da einen klaren Zusammenhang: In Ländern, in denen wie in Deutschland Plastikdeponien verboten sind, sind die Recyclingquoten deutlich besser. Dass ein Verbot nicht durchgekommen ist, hat wahrscheinlich wirtschaftliche Gründe – viele EU-Länder verdienen gut an den Deponiegebühren, einige planen diese sogar noch zu erhöhen.

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