Geschäftsbericht Die fünf spannendsten Fakten der VW-Bilanz

VW hat die Dieselkrise finanziell überwunden und ist wieder auf Rekordkurs. Welche Marken zum Erfolg beitragen und wo der Konzern Schwäche zeigt.

VW: Die fünf spannendsten Fakten der Volkswagen-Bilanz Quelle: dpa

WolfsburgDer Volkswagen-Konzern hat am Dienstag in Berlin seinen Geschäftsbericht veröffentlicht. Am interessantesten ist dabei ein Blick auf die verschiedenen Konzernmarken. Die fünf wichtigsten Details in der Bilanz des Wolfsburger Automobilherstellers: 

1. Skoda

Die tschechische Volkswagen-Tochter Skoda ist die große Überraschung für das Geschäftsjahr 2017. Der Autohersteller aus Mlada Boleslav nördlich von Prag hat seine operative Rendite im Vergleich zu 2016 noch einmal steigern können. Sie liegt nun bei 9,7 Prozent im Vergleich zu 8,7 Prozent im vorangegangen Jahr. Skoda hat den Abstand zu Audi damit noch einmal deutlich ausgebaut.

2. Marke Volkswagen

Die Marke Volkswagen verkauft von allen Konzernmarken zwar die meisten Fahrzeuge – mehr als die Hälfte aller produzierten Autos des Konzerns tragen das VW-Logo. Doch die Kernmarke enttäuschte über Jahre hinweg wegen ihrer geringen Rendite. Doch langsam geht es auch mit der Marke Volkswagen aufwärts, die operative Rendite lag im vergangenen Jahr bei 4,1 Prozent und hat sich seit 2016 damit mehr als verdoppelt.

3. Porsche

Porsche ist aus Renditesicht unverzichtbar für den VW-Konzern geworden. Jedes Jahr überweist der vergleichsweise kleine Sportwagenbauer aus Zuffenhausen Milliarden nach Wolfsburg. Porsche hat die operative Rendite im vergangenen Jahr noch einmal leicht auf 18,5 Prozent steigern können.

4. Audi

Die von der Dieselaffäre ebenfalls arg gebeutelte Premiumtochter Audi erlebt eine vorsichtige Aufwärtsbewegung. Die operative Rendite hat sich leicht auf 8,4 Prozent verbessert. Audi war über Jahre nach Porsche aus Renditesicht die unangefochtene Nummer zwei innerhalb des VW-Konzerns.

Diese Zeiten sind aber nun vorüber. Da Skoda den Abstand zu Audi noch weiter ausgebaut hat, muss sich die Ingolstädter Premiumtochter wohl für längere Zeit mit dem dritten Platz begnügen.

5. Elektromobilität

Der VW-Konzern setzt den Ausbau der Elektromobilität mit großem Aufwand fort. Vorstandschef Matthias Müller kündigte in Berlin an, dass bis Ende 2022 weltweit an 16 Standorten batteriegetriebene Fahrzeuge produziert werden sollen.

Der Wolfsburger Konzern muss die Batterien für seine neuen Elektroautos bei großen Batteriezulieferern in Asien bestellen. Für die Märkte in Europa und China seien bereits Batterien im Wert von 20 Milliarden Euro bestellt worden. Für Nordamerika stünden die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss.

Darüber hinaus fielen die VW-Zahlen aus wie erwartet. Im operativen Geschäft ist bei Volkswagen nicht mehr viel von der Dieselaffäre zu spüren.

Bei Umsatz, operativem Ergebnis und Gewinn hat der Wolfsburger Autohersteller im vergangenen Jahr die Werte von 2014 übertroffen – das letzte Jahr, in dem die Bilanz des VW-Konzerns noch nicht durch Sonderlasten aus der Dieselaffäre getrübt war.

Der Umsatz ist im vergangenen Jahr um gut sechs Prozent auf rund 230 Milliarden Euro gestiegen, der operative Gewinn hat sich auf 13,8 Milliarden Euro fast verdoppelt und der vorläufige Jahresüberschuss nach Steuern liegt bei 11,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 5,4 Milliarden Euro).


US-Steuerlast fällt um etwa eine Milliarde Euro

Der Jahresüberschuss nach Steuern hat sich damit mehr als verdoppelt und ist stärker gestiegen als der Vorsteuergewinn (plus 90 Prozent auf 13,9 Milliarden Euro). Ein Konzernsprecher begründete diesen Effekt mit der Steuerreform in den USA.

Wie auch Daimler und BMW profitiert der VW-Konzern von einer Senkung der Unternehmenssteuern in den USA. Bei Volkswagen fällt die Steuerlast dadurch um etwa eine Milliarde Euro, bei Daimler und BMW ist es eine ähnliche Größenordnung.

Beim Umsatz und beim operativen Ertrag hat Volkswagen die besten Werte seiner Unternehmensgeschichte erreicht. 2017 hat Volkswagen 10,7 Millionen Fahrzeuge verkauft, ebenfalls so viel wie nie zuvor. Der VW-Konzern hat damit auch den ersten Rang als weltgrößter Automobilhersteller verteidigen können.

Auch für die Aktionäre lohnen sich die neuen Rekordzahlen aus Wolfsburg. Die Stammaktionäre, darunter als wichtigste Anteilseigner die Familien Porsche und Piëch, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar, sollen eine Dividende von 3,90 Euro je Aktie erhalten.

An die Vorzugsaktionäre (ohne Stimmrecht) sollen 3,96 Euro je Anteilschein fließen. Für 2016 waren es bei beiden Aktienkategorien jeweils 1,90 Cent weniger. Damit knüpft Volkswagen auch bei den Dividenden an frühere Top-Beträge aus der Zeit vor der Dieselaffäre an. Die höchste Ausschüttung gab es bislang im Rekordjahr 2014: 4,80 Euro für die Stammaktie und 4,86 Euro für die Vorzüge.

VW rechnet 2018 mit einer operativen Rendite zwischen 6,5 und 7,5 Prozent. An den Finanzmärkten war eine Spanne von 7,5 bis acht Prozent erwartet worden.

2017 stieg der Reingewinn der Wolfsburger auf 11,4 (Vorjahr: 5,1) Milliarden Euro und lag damit über den Analystenprognosen. Ohne die Sonderbelastungen aus dem Dieselskandal würde das operative Ergebnis für 2017 sogar bei 17 Milliarden Euro liegen. Für die Folgen des Abgasskandals hat VW bisher schon mehr als 25 Milliarden Euro an Kosten verbucht.

Im Spätsommer vergangenen Jahres hatte Volkswagen die letzte Rate von 2,6 Milliarden Euro für die Dieselbelastungen zurückgelegt. Wie aus den jetzt Daten für 2017 hervorgeht, sind bis zum Jahresende noch einmal weitere 600 Millionen Euro dazugekommen. Volkswagen hofft, dass 2018 das erste Jahr ohne zusätzliche Dieselrückstellungen wird. 

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