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GlyphosatBayers wichtigster Gerichtstermin steht an

Möglicherweise noch im Juni entscheidet sich, ob der Oberste US-Gerichtshof den Fall Glyphosat zur Prüfung annimmt. Und wenn nicht? Könnte Bayer zu radikalen Maßnahmen greifen.Jürgen Salz 13.06.2025 - 11:39 Uhr
Hätte Bayer hier Warnhinweise anbringen müssen? Bald soll sich der US-Rechtsstreit um Glyphosat entscheiden. Foto: dpa

Schon Ende Juni könnten die neun Richterinnen und Richter des Obersten Gerichtshofs darüber abstimmen, ob sie die Causa Glyphosat zur Prüfung annehmen. Bayer hatte die Justizbehörde angerufen, nachdem Gerichte in verschiedenen Bundesstaaten zu unterschiedlichen Urteilen kamen – es ging darum, ob Bayer vor möglichen Risiken seines Unkrautvernichter-Wirkstoffs Glyphosat hätte warnen müssen, obwohl die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat als sicher einstuft und Warnhinweise untersagt. Falls der Gerichtshof eine weitere Prüfung zusagt, wäre das ein Erfolg für Bayer – viele Klagen wären dann wohl obsolet.

Und was, wenn der Gerichtshof die Causa Glyphosat ablehnt, sich also nicht mit dem Fall befassen will? Matthias Berninger, Cheflobbyist von Bayer mit Dienstsitz in Washington, lässt gegenüber der WirtschaftsWoche schon mal durchblicken, dass dies nicht ohne Konsequenzen bleiben dürfte: „Wenn der Supreme Court unseren Antrag ablehnt, werden wir verstärkt auf die anderen Maßnahmen setzen“, erklärt er. Dazu zählen nach früheren Angaben auch der Ausstieg aus dem Glyphosat-Geschäft in den USA und eine Insolvenz von Monsanto, durch die sich der Konzern vieler Klagen entledigen könnte. Dazu benötigt Bayer allerdings die Zustimmung der Gerichte, was schwierig werden könnte. „Wie mehrfach kommuniziert, ist da nichts vom Tisch“, so Berninger. Bayer-Chef Bill Anderson hat angekündigt, die Causa Glyphosat bis 2026 zu befrieden.

Ich hätte nicht gedacht, dass es so ein langwieriger Kampf um Glyphosat wird
Matthias Berninger, Bayer-Cheflobbyist

Bayer hatte den Glyphosat-Hersteller Monsanto 2018 für mehr als 60 Milliarden Dollar übernommen und wird seither in den USA mit Klagen überzogen. Die Klägerinnen und Kläger machen den Unkrautvernichter Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat für Krebserkrankungen verantwortlich. Um die Rechtsstreitigkeiten beizulegen, hat Bayer bislang rund zehn Milliarden US-Dollar ausgegeben. Per Ende 2024 beliefen sich die entsprechenden Rückstellungen auf 5,9 Milliarden Dollar.

War die Übernahme von Monsanto ein Fehler? Berninger will sich da nicht festlegen: „Es ist müßig, darüber zu philosophieren, ob Bayer Monsanto heute wieder übernehmen würde“, sagt er, „in der damaligen Situation um 2016, bei den großen Übernahmen im Agrarsektor, war es strategisch sinnvoll." Allerdings räumt er ein: „Ich hätte nicht gedacht, dass es ein so langwieriger Kampf um Glyphosat wird."

Immerhin gab es zuletzt einige gute Nachrichten für die Bayer-Aktie: Sowohl die Schweizer Großbank UBS als auch der französische Finanzdienstleister Kepler Cheuvreux gaben entsprechende Kaufempfehlungen ab. Sie begründeten dies damit, dass die US-Prozessrisiken mittlerweile im Kurs eingepreist seien. Seit Jahresbeginn ist die Bayer-Aktie um 40 Prozent gestiegen und notiert derzeit bei etwa 28 Euro. Vor den ersten Glyphosat-Gerichtsurteilen im Jahr 2018 lag der Wert der Aktie allerdings noch bei etwa 100 Euro.

Das weitere Schicksal von Bayer – und seiner Aktie – liegt nun in den Händen des Obersten Gerichtshofs. Falls die Richterinnen und Richter nicht Ende Juni über die Causa Glyphosat befinden, wäre ein weiterer Termin nach der Sommerpause möglich.

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