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Klaus Rosenfeld „Ich lasse mich nicht treiben“

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"Niemand wollte Continental jemals komplett übernehmen."

Woher rührt die aktuell niedrige Marge?

Unsere Aufstellung war suboptimal. Wir hatten zudem immer wieder Probleme mit der Lieferfähigkeit. Das lag zum einen an unserer Logistik. Zum anderen wurde nicht genug regional und zu stark aus der Zentrale gesteuert. Zudem haben wir uns zu stark auf Spezialanwendungen konzentriert und uns damit ein Stück vom Massengeschäft verabschiedet. Beides ändern wir jetzt. Wir haben die Kompetenz, auch in großer Stückzahl hochklassige Lager zu vernünftigen Preisen herzustellen und weltweit anzubieten. Das werden wir in Zukunft besser nutzen.

Was ist aus dem Versuch geworden, eine Kooperation zwischen Conti und Schaeffler hinzubekommen?

Niemand wollte Continental jemals komplett übernehmen. Das Ziel war immer nur eine qualifizierte Mehrheit. Im Zuge der „Lehman-Krise“ mussten dann – ausgehend von den gesetzlich vorgeschriebenen Übernahmeregeln – rund 90 Prozent der Continental-Aktien erworben werden. Das hat damals zu den Schulden geführt.

Das ist Geschichte – und damit auch die Hoffnung auf eine enge Kooperation?

Wir haben heute eine Struktur, die die Kooperation mit Continental unterstützt. Die Schaeffler AG ist heute nicht mehr an der Continental AG beteiligt. Wir können so auf Augenhöhe agieren. Und Kooperationen machen dann Sinn, wenn sie für beide Seiten Vorteile bringen.

Wo tun sie das?

Beispielsweise bei dem von Schaeffler entwickelten Wankstabilisator. Wir liefern das elektromechanische System, Continental liefert die Steuerungselektronik. Daneben gibt es weitere Beispiele. Das heißt nicht, dass die Kooperation mit Continental auf Exklusivität angelegt ist. Wir sind offen auch für andere Kooperationspartner.

Wäre es nicht besser, den Anteil an Continental wieder zu erhöhen?

Die Beteiligung an der Continental AG liegt mittlerweile vollständig bei der Familienholding. Was mit den 46 Prozent an der Continental AG passiert, ist daher keine Entscheidung, die der Vorstand der Schaeffler AG zu treffen hat. Die Familie Schaeffler hat entschieden, dass sie ihr Aktienpaket an der Continental behalten will. Das ist für mich gut nachvollziehbar.

Bereuen Sie es inzwischen, den Börsengang von Schaeffler im vergangenen September nicht abgebrochen zu haben?

Wir waren gut vorbereitet. Aber das Timing war in der Tat schwierig. Wir sind an dem Tag gestartet, in den die Nachricht von dem Abgasskandal bei VW platzte. Das hat den Verkauf der Aktien natürlich erschwert. Aber ich bin froh, dass wir den Börsengang trotzdem durchgezogen haben, wenn auch in reduziertem Umfang.

Obwohl der Börsengang nur etwa eine Milliarde Euro einbrachte?

Wir wollten mehr, klar. Aber unser primäres Ziel, das operative Geschäft zu entschulden, haben wir erreicht. Und aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Die Schaeffler-Aktie ist an der Börse eingeführt. Damit können wir weitere Schritte tun. Wie geplant wollen wir alle verbliebenen Vorzugsaktien – das sind noch rund 15 Prozent der Aktien insgesamt – platzieren. Wann und wie, steht noch nicht fest.

Die Schaeffler-Aktie notiert aktuell bei rund 14 Euro, das ist nur wenig mehr als der Ausgabekurs. Ist das ein fairer Wert?

Wenn Sie sich Vergleichswerte und die Indizes anschauen, hat sich der Kurs gut entwickelt. Ich schaue einmal täglich auf den Kurs unserer Aktie. Aber ich lasse mich davon nicht treiben. Wichtiger ist, dass sich das Unternehmen nachhaltig entwickelt. Wir sind ein Familienunternehmen mit einer langfristigen Wachstumsstrategie. So soll es bleiben.

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