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MotorsportTeures Wagnis: Audi steigt 2026 in die Formel 1 ein

Jetzt ist es offiziell: Audi wagt sich 2026 in die Formel 1. Das ehrgeizige Projekt kostet den Autobauer viel Geld. Schnelle Erfolge hält der Chef für unrealistisch. Trotzdem könnte eine weitere VW-Tochter bald folgen. 26.08.2022 - 12:42 Uhr

Audi stellte seinen neuen Rennwagen für die Formel 1 beim Grand Prix von Belgien vor.

Foto: dpa

Im feinen Niesel von Spa baute sich Audi-Chef Markus Duesmann voller Stolz hinter einem futuristischen Rennwagen auf. Die vier Ringe auf dem schwarz-rot-silbernen Boliden sollten allen zeigen: Von 2026 mischt auch die Volkswagen-Tochter in der Formel 1 mit. Es sei der „perfekte Zeitpunkt“ für den Einstieg in die Rennserie und ein „sehr spezieller Moment“ für die Marke, beteuerte Duesmann und klopfte den Formel-1-Bossen auf die Schultern. „Ein großartiger Tag“, schwärmte auch Formel-1-Chef Stefano Domenicali mit gebührender Begeisterung.

Hunderte Millionen Euro wird sich der Autobauer das Engagement in der Königsklasse des Motorsports kosten lassen. Das Projekt sei daher „sehr langfristig“ angelegt, beteuerte Duesmann. Audi will einen eigenen Motor entwickeln, aber keinen komplett neuen Rennstall aufbauen. Bis Jahresende soll der künftige Partner offiziell werden. Erwartet wird, dass Audi beim Schweizer Sauber-Rennstall einsteigt. Gefeilscht wird wohl noch über die Höhe der Kaufsumme und den Umfang des Anteilspakets.

Schon bald könnte auch Porsche als weitere VW-Marke seinen Einstieg in die Formel 1 im Bündnis mit dem Red-Bull-Team von Weltmeister Max Verstappen verkünden. Dieser Doppelstart, verbunden mit den hohen Kosten, ist im Volkswagen-Konzern durchaus umstritten. Duesmann versicherte jedoch, er und Porsche-Chef Oliver Blume seien in ihrer Rennsport-Euphorie „auf einer Linie“. Blume übernimmt zum 1. September auch den Vorstandsvorsitz bei VW.

Die Formel 1 hatte Autoherstellern wie Audi den Einstieg schmackhaft gemacht. So sinkt die verschärfte Budgetobergrenze ab 2023 pro Rennstall weiter auf 135 Millionen Dollar im Jahr. Sie macht einen Einstieg finanziell planbarer, auch wenn Duesmann über das Formel-1-Vorhaben sagte: „Geld zu verdienen ist immer gut, aber wir müssen es nicht.“

Viel wichtiger war, dass die Rennserie einen Regelkompromiss geschaffen hat. Ab 2026 sollen die Hybrid-Motoren mit 100 Prozent nachhaltigem Kraftstoff betrieben werden. Der Verbrenner im Aggregat soll nur noch 50 Prozent der Leistung beitragen, der Rest ist elektrisch. Das passt zur künftigen Ausrichtung der Auto-Branche.

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„Die Formel 1 und Audi verfolgen beide eindeutige Nachhaltigkeitsziele“, versicherte Duesmann. Weltverbandschef Mohammed bin Sulayem sprach bei der Bekanntgabe der Audi-Pläne von einem „Meilenstein“. Mehrere Jahre hatten die Ingolstädter mit den Bossen der Rennserie um die Rahmenbedingungen des Engagements gefeilscht.

Mit der Transformation zur Elektromobilität lässt sich das XXL-Projekt Formel 1 auch intern verkaufen. „Wir haben die Zusage bekommen, dass wir mit Formel 1 mehr Geld nach Wolfsburg bekommen als ohne Formel 1“, hatte der scheidende VW-Boss Herbert Diess gesagt. Schon Anfang April hatten Vorstand und Aufsichtsrat von VW Grünes Licht gegeben, dass Audi und auch Porsche „für einen eventuellen Einstieg in die Formel 1“ planen dürfen.

Schneller schlau: Was Sie über E-Fuels wissen müssen
Mit E-Fuels sind in der Regel verschiedene kohlenstoffhaltige Kraftstoffe gemeint, die mit Hilfe von grünem Strom aus den Rohstoffen Wasser und CO2 hergestellt werden. Sie ähneln chemisch sehr stark konventionellem Diesel beziehungsweise Benzin, lassen sich daher ohne großen Änderungsaufwand über bestehende Tankstellen vertreiben und in konventionellen Motoren verbrennen. Letzteres erfolgt in der Theorie dann klimaneutral, wenn nur so viel CO2 frei wird, wie zuvor hineingesteckt wurde.
So gut das in den Ohren vieler Autofahrer klingen mag, gibt es doch ein Problem: der hohe Energieaufwand in der Herstellung. Er macht die E-Fuels teuer und mindert den Wirkungsgrad im Vergleich mit der Nutzung der gleichen Energie im E-Auto deutlich.Solange grüner Strom nicht im Überfluss zur Verfügung steht, dürften es die synthetischen Kraftstoffe im Pkw-Bereich also schwer haben. Auch, weil der Privatwagen bei der Verfügbarkeit von E-Fuels in Konkurrenz zu Schiffen, Zügen und Flugzeugen steht.
Besonders günstig wird das Tanken des Designer-Sprits unter momentanen Bedingungen nicht – die Literkosten würden wohl deutlich über den heutigen von Diesel und Benzin liegen.Denkbar ist aber nicht nur der Verkauf von E-Fuel in Reinform, sondern auch eine Beimischung zu Mineralölkraftstoff, um dessen Klimabilanz zu verbessern. Konkrete Planungen dazu gibt es aber bisher noch nicht.(Stand: 26. Juli 2023)
Bislang sind E-Fuels noch an keiner Tankstelle zu bekommen. Die Produktion des klimaneutralen Sprits steckt noch in der Pilotphase. Bis nennenswerte Mengen zur Verfügung stehen, wird es noch dauern.(Stand: 26. Juli 2023)

Mit schnellen Erfolgen rechnet Audi indes nicht. Siege oder gar der Kampf um den WM-Titel im ersten Jahr nach dem Einstieg seien „nicht realistisch“, sagte Duesmann. „Innerhalb von drei Jahren sollten wir sehr wettbewerbsfähig sein“, fügte der 53-Jährige hinzu.

In weniger als vier Jahren einen starken Formel-1-Motor zu entwickeln, sei eine gewaltige Herausforderung, räumte Audis Technik-Vorstand Oliver Hoffmann ein. „Das ist kein weiter Weg, wir müssen uns beeilen“, sagte er. Noch fehlt es an Personal und Prüfständen in der Motorsport-Fabrik in Neuburg an der Donau, dafür wird eine deftige Anschub-Finanzierung fällig. „Wir nennen für die gesamte Operation keine Zahlen. Aber es sind hohe Zahlen“, sagte Duesmann.

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Der Audi-Chef weiß, wovon er spricht. Beim Formel-1-Intermezzo von BMW zu Beginn des Jahrtausends war er Entwicklungschef. Auch damals war Sauber der Partner. Als sich die erhofften Erfolge trotz immenser Investitionen nicht einstellten, stieg BMW 2009 nach nur vier Jahren wieder aus der Rennserie aus. Auch das gescheiterte Milliardenprojekt von Toyota dürfte anderen Herstellern eine Warnung sein.

Knackpunkt für einen Einstieg von Audi und Porsche war bis zuletzt das künftige Motorenreglement. Die etablierten Hersteller wie Mercedes, Ferrari und Renault wollen verhindern, dass ihre über Jahre erarbeiteten technischen Wettbewerbsvorteile schwinden und dadurch ihre Investitionen schmälern. In der Sommerpause wurde das Regelwerk durch den Motorsport-Weltrat aber endlich abgenickt.

„Niemand kann erwarten, dass er zum ersten Mal an der Champions League teilnimmt, direkt ins Finale kommt und mit der großen Trophäe nach Hause geht“, hatte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff schon gewarnt. Man könne nicht „einfach kommen und erobern“, sondern müsse „der Sache Zeit geben“. Geduld indes ist keine Stärke der Formel 1.

Lesen Sie auch: Was die Luxusstrategie von Mercedes gefährlich macht

dpa
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