Nobiskrug und FSG: Rettung für die Werften – Windhorst ist endgültig raus
Rettung in Sicht: Die Lürssen-Gruppe aus Bremen will die Anlagen und Grundstücke der insolventen Nobiskrug-Werft in Rendsburg übernehmen.
Foto: Christian Charisius/dpaLars Windhorst war sich seiner Sache sicher. Die Übernahme sei ein „wichtiger strategischer Schritt“, schwärmte der Investor, als er 2021 die Werft Nobiskrug in Rendsburg aus der Insolvenz kaufte. Zwei Jahre zuvor hatte er bereits die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) übernommen. Im Verbund sollten die Werften fortan prosperieren. Denn: „Mit Nobiskrug erhalten wir einen Zugang zum attraktiven Wachstumsmarkt Superjachtbau.“ Auch der Nobiskrug-Betriebsratsvorsitzende zeigte sich damals „glücklich, dass es einen Investor gibt, der der motivierten und qualifizierten Belegschaft sein Vertrauen ausspricht.“
Allein, die Freude währte nicht lang. Bereits im November 2022 gab es die ersten Presseberichte über ausstehende Gehaltszahlungen. Und es wurde nicht besser: Immer wieder wurden auf Windhorsts Werften Löhne zu spät gezahlt. Immer größer wurde die Unruhe unter den Mitarbeitern. Immer öfter wurde über eine Insolvenz spekuliert. Im Dezember 2024 war es schließlich so weit: Die Werften meldeten Insolvenz an. Mit Christoph Morgen von der Kanzlei Brinkmann & Partner sowie Hendrik Gittermann von der Kanzlei Reimer übernahmen zwei erfahrene Insolvenzverwalter das Kommando.
Und Windhorst?
Beeilte sich mitzuteilen, dass er mit der Insolvenzverwaltung bereits Gespräche führe. „Erste Angebote – unter anderem die Stellung eines Massekredites – habe ich vorgelegt.“ Und: „Als Eigentümer der FSG Nobiskrug stehe ich zu meiner Verantwortung für das Unternehmen und die Arbeitsplätze.“ Dass Windhorst über seine Holding Tennor weiter an Bord bleiben würde, schien allerdings schon im Dezember unwahrscheinlich. Seit Freitagmorgen ist er endgültig raus.
Lürssen und Rönner übernehmen
Nach einer Betriebsversammlung traten die beiden Insolvenzverwalter, Gewerkschaftsvertreter und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) vor die Presse, um den Verkauf der Werften zu verkünden. Demnach übernimmt der Schiff- und Edeljachtbauer Lürssen die Anlagen und Grundstücke der Nobiskrug-Werft in Rendsburg. Die familiengeführte Heinrich-Rönner-Gruppe aus Bremerhaven, zu der mehrere deutsche Werften und Stahlbaufirmen gehören, will in Flensburg einsteigen.
Die Rönner-Gruppe wird bei der FSG demnach künftig Komponenten für riesige Konverterplattformen für Offshore-Windparks bauen. Auf dieses Geschäftsfeld setzt inzwischen auch die Papenburger Meyer Werft.
Lürssen weitet mit dem Nobiskrug-Deal seine Schiffbau- und Reparaturkapazitäten am Nord-Ostsee-Kanal aus. Laut den „Kieler Nachrichten" erwarten Insider, dass die Lürssen-Werft in Schacht-Audorf den Nachbarn Nobiskrug als verlängerte Werkbank für die Fertigung von Edeljachten, aber auch als Standort für Modernisierungen und Reparaturen nutzen wird. Offiziell heißt es, die Nobiskrug-Werft soll künftig als Betriebsteil der benachbarten Lürssen-Krögerwerft betrieben werden. Das Traditionsunternehmen Lürssen passe hervorragend zu Nobiskrug, sagte Insolvenzverwalter Gittermann. "Zudem ergänzen sich die Kapazitäten und Standorte der beiden Werften nahezu idealtypisch“.
Morgen betonte, dass es „innerhalb des extrem engen Zeitfensters von nur sieben Wochen" gelungen sei, zwei renommierte strategische Investoren für FSG und Nobiskrug zu finden“.
Aufgrund des erheblichen Investitionsstaus sind beide Werften aktuell jedoch noch nicht funktionsfähig. Hierfür müssen in den kommenden Monaten noch umfangreiche Vorarbeiten erledigt werden, zum Beispiel das Einholen von TÜV-Genehmigungen und Zertifizierungen, die Sanierung von Gebäuden, das Einrichten von Anlagen und die Materialbeschaffung.
Wichtige Voraussetzung für die Investorenlösungen war daher die Einrichtung einer Transfergesellschaft, die ab dem 1. Februar den Übergang sichert und Weiterqualifizierungen für die rund 500 Mitarbeiter ermöglicht. Um die Finanzierung dieser Gesellschaft war lange verhandelt worden, am Ende mit Erfolg. Wie viele Mitarbeiter langfristig ihre Jobs behalten, ist allerdings noch unklar. Als wahrscheinlich gilt, dass die neuen Eigentümer nicht das gesamte Personal übernehmen.
Nachspiel für Windhorst
Nach dem Abschluss der Investorensuche beginnen bei Insolvenzverfahren in der Regel die Aufräumarbeiten. Die Ursachen der Krise werden aufgedröselt und mögliche Versäumnisse der Beteiligten geprüft. Relevant ist dabei regelmäßig der Zeitpunkt des Insolvenzantrags.
Auch im Fall von Nobiskrug und FSG stellt sich die Frage, ob Windhorst und sein Führungsteam nicht hätten früher handeln müssen. Bei der FSG-Nobiskrug Holding GmbH firmierte Windhorst – anders als bei anderen Tennor-Beteiligungen – schließlich sogar als Geschäftsführer.
„Ich war erschrocken, als ich hierhergekommen bin“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Christoph Morgen im Dezember. Viele Maschinen waren nicht einsatzfähig. „Unsere Erkenntnisse sind erschreckend und zeugen von einer gewissen Verantwortungslosigkeit der Geschäftsführung. Löhne und Gehälter sind mal wieder seit 14 Tagen nicht bezahlt, Sozialabgaben wurden nicht abgeführt, Jahresabschlüsse seit zwei Jahren nicht erstellt und mehr als 150 Vollstreckungsaufträge mit gelben Briefen häufen sich in den Büros“, erklärte Morgen.
Klingt ganz so, als könnten die Werft-Pleiten für Lars Windhorst auch persönlich noch ein Nachspiel haben.
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