Ölraffinerie PCK: Russland-Sanktionen verteuern den Straßenbau
Seit Januar fließt nach einer Entscheidung der Bundesregierung wegen des Kriegs in der Ukraine kein russisches Öl mehr über die Pipeline Druschba zur PCK-Raffinerie in Schwedt.
Rund vier Monate nach dem Stopp für russisches Pipeline-Öl ist die Zukunft der ostdeutschen Ölraffinerie PCK in Schwedt weiter unklar. Seit Januar fließt nach einer Entscheidung der Bundesregierung wegen des Kriegs in der Ukraine kein russisches Öl mehr über die Pipeline Druschba nach Schwedt. Das hatte zuletzt bereits erhebliche Auswirkungen.
Denn wegen der verminderten Menge an Rohöl steht seit Wochen eine Produktionslinie bei PCK still – und an deren Ende hängt die Bitumen-Produktion. Was nach einem Nischenprodukt klingen mag, ist in Wahrheit ein zentraler Baustoff. Bitumen wird für Abdichtungen an Brücken verwendet, für Dachbahnen von Flachdächern, als Isolierung und Schalldämmstoff, für Fußböden oder in der Industrie – vor allem aber als Bindemittel im Straßenbau.
500 Tonnen Bitumen werden beispielsweise gebraucht, um einem Kilometer Autobahn mit zwei Fahrstreifen pro Richtung zu asphaltieren, 100 Tonnen für einen Kilometer einer insgesamt vierspurigen Stadtstraße. „Wenn die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt von russischem Öl abgeschnitten ist und Schwedt keinen Ersatz für das russische Öl bekommt, dann liegt ein Drittel der laufenden Straßenbauprojekte sehr schnell brach“, warnte daher Bauverbands-Präsident und Strabag-Vorstand Peter Hübner schon im vergangenen Jahr.
Dazu ist es trotz des Produktionsstopps bislang zwar nicht gekommen. Doch die Branche geht von massiv steigenden Preisen aus. „Die Verknappung von Bitumen am Markt bedeutet zwangsläufig eine weitere Verteuerung der Baumaterialien und damit des Straßenbaus“, heißt es beim Bauindustrieverband Ost. So muss Bitumen inzwischen aus anderen Bundesländern bezogen werden. „Dieser Umstand lässt die Kosten für Bauunternehmen weiter steigen.“
Das sieht Marco Bokies vom Deutschen Asphaltverband ähnlich. Das für die Bitumenherstellung besonders gut geeignete schwere Öl aus Russland machte nach Angaben des Verbands vor dem Krieg in der Ukraine knapp ein Drittel der Lieferungen aus. Nur etwa 100 der rund 1.500 weltweit vorkommenden Rohölsorten eignen sich überhaupt für die Bitumen-Gewinnung.
Wie reagiert Russland auf einen PCK-Verkauf?
In Schwedt hofft man nun auf kasachisches Rohöl, um die Bitumenproduktion wieder anlaufen zu lassen und die Versorgung der Raffinerie insgesamt zu erhöhen. Zuletzt lag deren Auslastung bei nur rund 60 Prozent der eigentlichen Kapazität.
Kein Wunder: Statt über die Pipeline wird die Raffinerie wird über andere Quellen und Wege wie etwa über die Häfen in Rostock und Danzig versorgt. Momentan finden zudem umfangreiche Wartungsarbeiten statt. Die Bundesregierung hofft, dass die Auslastung nach der Wartung steigt und verstärkt Rohöl aus Kasachstan über die Druschba-Pipeline geliefert werden kann.
Ob das alles gelingt, ist allerdings fraglich. Auch die Lieferungen aus Kasachstan werden über Russland und Weißrussland geleitet. Kasachstan zahlt Durchleitungsgebühren für die Nutzung der Druschba-Pipeline. De facto könnte Russland den Transport aber unterbinden.
Vor diesem Hintergrund ist offen, welche Folgen ein möglicher Verkauf der PCK-Raffinerie hätte. Als Interessent für die Raffinerie gilt in der Branche der staatliche polnische Ölkonzern Orlen. Doch die Polen würden erst einsteigen, wenn Rosneft als russisches Unternehmen in Schwedt raus wäre. Genau für einen solchen Fall hat Wirtschaftsstaatssekretär Michael Kellner (Grüne) jüngst den Weg freigeräumt und eine Änderung des Energiesicherungsgesetzes vorangetrieben, die inzwischen vom Bundestag beschlossen wurde.
Im Kern geht es darum, dass Anteile von Unternehmen, die unter Treuhandverwaltung stehen, leichter veräußert werden können. Derzeit ist eine Übertragung von Vermögensgegenständen von unter Treuhandverwaltung stehenden Unternehmen nur zulässig, wenn dies zum Werterhalt des Unternehmens erforderlich ist. Künftig soll dies auch möglich sein, um das Funktionieren des Gemeinwesens im Sektor Energie zu sichern sowie die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. Kellners Vorstoß zielt damit auf PCK, könnte sich aber schnell als Bumerang erweisen, wenn Russland als Vergeltungsmaßnahme das kasachische Öl für Schwedt versiegen ließe.
Die Raffinerie entstand zu DDR-Zeiten als „VEB Petrolchemisches Kombinat Schwedt" . Die heutige PCK beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter.
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