Osram Die Chinesen haben Druck

Aus chinesischer Sicht ist eine Übernahme des deutschen Technologiekonzerns absolut logisch – das Land braucht Patente und Lizenzen. Aus deutscher Perspektive sieht das schon anders aus.

 Osram Quelle: dpa

Bis zum Freitagmittag konnte die Aktie des Osram-Konzerns noch einmal um zwei Prozent zulegen; schon gestern schoss der Kurs des Papiers um mehr als drei Prozent in die Höhe. Grund für das Feuerwerk an der Börse: Gerüchte, die chinesische Private-Equity-Firma Go Scale Capital arbeitet an einer Übernahme des Konzerns aus München, aber auch eine Reihe anderer Unternehmen aus dem Reich der Mitte.

Es sind mehr als Gerüchte: In einem ersten Schritt will China sich den knapp 18-prozentigen Osram-Anteil einverleiben, den die frühere Mutter Siemens noch hält. In einem nächsten Schritt könnte ein Investor aus China den übrigen Aktionären ein Angebot machen.

Das Szenario ist aus chinesischer Sicht absolut schlüssig. Chinas Regierung treibt seine Unternehmen und Fondsgesellschaften an, über Akquisitionen im Ausland Technologie ins Land zu schaffen: mit der Kuka-Übernahme im Bereich Robotik, mit der Putzmeister-Übernahme bei Betonpumpen, mit Hilfe einer Übernahme des Traditionskonzerns Osram im Bereich Halbleitertechnologie für LED-Lampen.

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Chinas Regierung will in solchen Zukunftsbranchen eigene nationale Champions schaffen. Ziel ist die weltweite technologische Führerschaft. Weil die Chinesen aber über keine eigenen Patente für derartige Technologien verfügen, wird im Ausland eingekauft. Geld ist da. „Made in China 2020“ heißt das entsprechende Programm der Kommunistischen Partei.

Bei der Halbleiter-Technologie für LED-Lampen gibt es nur ein Übernahmeziel, bei dem die Chinesen bisher realistische Chancen haben: Osram. Anfang des Jahres machte Peking einen Anlauf, sich die entsprechende Sparte des niederländischen Philips-Konzerns einzuverleiben, doch der Versuch misslang. Die US-Behörden unterbunden den Vorstoß. Einen Versuch, das amerikanische Unternehmen Cree zu übernehmen – ein weiterer Anbieter im LED-Geschäft –, unternahmen die Chinesen darum gar nicht erst.

Der dritte der Branche ist der japanische Hersteller Nichia. Doch ein Vorstoß der Chinesen hier ist wegen des historisch belasteten Verhältnisses zwischen China und Japan unrealistisch. Bleibt also nur Osram, mit 18.000 Patenten ein deutsches Schlüsselunternehmen, wenn es um Digitalisierung geht.

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In der Branche heißt es, mit einer möglichen Übernahme des Münchner Traditionshauses gehe nach dem Kuka-Deal der Ausverkauf der deutschen Industrie weiter. Von der Hand zu weisen ist das nicht. Wer die Politik in Peking genau verfolgt, weiß: Es dürften eher Wochen als Monate vergehen, bis das nächste Angebot aus China für einen deutschen Champion kommt.

Bei Wirtschaftsprüfern und deutschen Anwaltskanzleien stehen die Chinesen Schlange und bitten darum, entsprechende Übernahmeziele zu identifizieren und die Deals anzubahnen. Jeder Mittelständler mit Spitzentechnologie im Angebot hierzulande möge sich bitte schon mal fragen, ob er vielleicht der nächste ist.

Bei Osram fragt man sich indes, ob die deutsche Regierung nicht auch ab und zu, ähnlich wie die amerikanische, mutiger sein und solche Deals unterbinden sollte. In Regierungskreisen in München, aber auch in Berlin, sei nach dem Bekanntwerden des Vorstoßes der Chinesen bei Osram ein gewisses Verständnis für die Sorgen um einen Ausverkauf deutscher Technologie erkennbar, heißt es. Öffentlich will sich allerdings niemand zum Fürsprecher des Protektionismus machen.

In Peking ist das freilich anders: Selbst wer als ausländisches Unternehmen in China nur einen Kugellagerhersteller übernehmen will, dem schlagen die Pekinger Behörden öffentlichkeitswirksam die Tür vor der Nase zu.

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