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Siemens-Chef Joe Kaeser plant offenbar Reise nach Saudi-Arabien

Joe Kaeser Siemens Quelle: dpa

Joe Kaeser plant offenbar eine Auslandsreise nach Saudi-Arabien. Im Oktober hatte er eine andere Reise in das Königreich noch abgesagt. Kaeser taucht im Programm einer Konferenz des Ölkonzerns Saudi-Aramco auf.

Nun also doch? Im Oktober hatte Siemens-Chef Joe Kaeser seine Teilnahme an der Investoren-Konferenz „Future Investment Initiative“ in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad noch abgesagt. Offenbar plant er jetzt eine andere Reise in das arabische Königreich.

Das geht aus dem Programm einer Konferenz von Saudi-Aramco hervor, dem größten Ölkonzern der Welt. Siemens tritt demnach als Sponsor der Konferenz auf und Kaeser soll am 26. November an einer Diskussion zur Lokalisierung von Produktion in Saudi-Arabien und der „Vision 2030 des Königreichs“ teilnehmen.

Im Oktober hatte Kaeser sich unter großem öffentlichen Druck vor dem Hintergrund der Ermordung des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi noch gegen eine Reise nach Saudi-Arabien entschieden. Der im US-Exil lebende Khashoggi wurde am 2. Oktober in dem Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul umgebracht. Dort wollte er Dokumente für seine Hochzeit abholen. Unter immensem internationalen Druck gab Riad erst viel später den Tod des „Washington Post“-Kolumnisten zu. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt hochrangige Regierungsmitarbeiter.

Die Rolle, die Saudi-Arabien selbst in dem Fall spielt, ist noch nicht abschließend geklärt. Die CIA, der US-Auslandsgeheimdienst, kommt nach Medienberichten nun zu der Einschätzung, dass der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman die Tötung des Regierungskritikers in Istanbul befohlen hat.

Dies sei der Schluss aus der Auswertung mehrerer Quellen, berichtete die „Washington Post“. Die Affäre hatte vor allem Saudi-Arabiens mächtigen Thronfolger in den vergangenen Wochen international beispiellos in die Defensive gedrängt. US-Präsident Trump hingegen hatte sich bislang unter Verweis auf die guten Geschäfte, Waffendeals und die Stabilität in Nahost zögerlich gezeigt, gegen den Thronfolger vorzugehen.

An dieser Linie schien der US-Präsident auch am Samstagmorgen festzuhalten. Trump sagte vor seinem Abflug zu einer Reise nach Kalifornien, er sei noch nicht von der CIA über die Einschätzung zur Ermordung Khashoggis unterrichtet worden. Dies solle aber noch am selben Tag passieren. Bislang sei ihm gesagt worden, dass der saudische Kronprinz keine Rolle bei der Tötung gespielt habe.

Auf die Frage, ob es Konsequenzen haben werde, sollte Mohammed bin Salman verantwortlich sein, sagte Trump, er werde sich das anschauen. Der Republikaner bezeichnete Saudi-Arabien sogleich als „großartigen Verbündeten“ und pries die wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Königreich. „Sie sind ein wirklich spektakulärer Verbündeter, was Jobs und die wirtschaftliche Entwicklung angeht.“ Als Präsident müsse er „viele Dinge“ berücksichtigen, fügte Trump hinzu.

Die „Washington Post“ hatte zuvor berichtet, Trump seien Erkenntnisse über die Beteiligung des Kronprinzen gezeigt worden, er bleibe aber skeptisch, dass dieser die Tötung angeordnet habe.

Am Donnerstag forderte der saudische Generalstaatsanwalt die Todesstrafe für fünf mutmaßliche Beteiligte - insgesamt seien elf Verdächtige angeklagt. Nach saudischer Darstellung sollte das 15-köpfige Kommando Khashoggi überzeugen, mit nach Saudi-Arabien zu reisen. Die Situation sei eskaliert, Khashoggi sei eine Injektion verabreicht worden, an der er starb. Seine Leiche sei zerstückelt und aus dem Konsulat gebracht worden.
Riad hat seine Version der Ereignisse seit Anfang Oktober wieder und wieder geändert. Auch die jüngste Erklärung wirft einige Fragen auf. So bleibt unklar, warum ein Forensiker mit dem Spezialgebiet der Obduktion Teil des Teams war, wenn es gar keinen Tötungsauftrag gab. Auch die Leiche Khashoggis bleibt verschwunden.

Trump war wegen des Falls unter Druck geraten. Auch bei den Republikanern wurden die Stimmen immer lauter, die forderten, die Regierung müsse Sanktionen gegen Verantwortliche verhängen. Trump - der Riad für seine Anti-Iran-Strategie braucht - hatte lange Zeit einen Zick-Zack-Kurs hingelegt und einen Bruch mit Riad vermieden.

Im Umfeld von Siemens-Chef Kaeser wollte man sich nicht darauf festlegen, ob der Siemens-Chef tatsächlich an der Konferenz von Saudi-Aramco teilnimmt.

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