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Thyssenkrupps StahltochterLasst Euch von López nicht erpressen

Kippt Thyssenkrupp seine Pläne für die klimaneutrale Stahlerzeugung, kommt das symbolisch einem Herzinfarkt der grünen Transformation gleich. Noch mehr Steuergeld sollte es dennoch nicht geben. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Florian Güßgen 07.10.2024 - 13:14 Uhr

Wird Thyssenkrupp seine Hochöfen im Stahlwerk in Duisburg zumindest mit einer Direktreduktionsanlage ersetzen? Es gibt neue Zweifel

Foto: dpa

Es hat sich seit Wochen angedeutet: In Duisburg, bei der Stahltochter von Thyssenkrupp, steht das Kernprojekt der grünen Transformation zu Disposition. Nein, nein, heißt es zwar offiziell aus Duisburg, man halte an diesem „Bekenntnis unverändert“ fest. „Langfristig“ führe daran „kein Weg vorbei“. Erstmal aber wird die so genannte Direktreduktionsanlage (DRI) für das Werk in Duisburg teurer als geplant – und im Raum steht die Frage, ob der Konzern sich dieses Vorzeigeprojekt für die klimaneutrale Stahlproduktion zum neuen Preis noch leisten kann und will. Ins Konzerndeutsch übersetzt heißt das, man prüfe „ergebnisoffen“, was die „besten und wirtschaftlich tragfähigsten Lösungen“ wären, um Thyssenkrupp „langfristig klimaneutral aufzustellen“.

Eine Klatsche für Habeck

Für die Politik, gerade für Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck (Grüne), ist allein das Zögern Thyssenkrupps eine Klatsche. Nach gehörigem Hin und Her war es Habeck, der im vergangenen Jahr mit großer Geste einen Förderbescheid für genau diese DRI-Anlage über zwei Milliarden Euro überreichte, mit freundlichen Grüßen von Land und Bund. Jetzt macht aber auch, lautete der Auftrag. Glück auf!

Und nun? Klar, die Not beim Stahl von Thyssenkrupp ist groß derzeit. Die Geschäfte laufen schlecht, es soll umstrukturiert, gestrichen, gekürzt und verkauft werden. Gerade erst ist der gesamte Vorstand enthauptet worden, dazu hat Stahl-Aufsichtsratschef Sigmar Gabriel hingeworfen. Der tschechische Investor Daniel Křetínský besitzt 20 Prozent an dem Unternehmen mit der Option auf Halbe-Halbe oder Exit-für-lau. Was Křetínský genau vorhat, ist nicht klar. Aber seine Macht ist schon jetzt gewaltig: Als Eigner des Braunkohleverstromers LEAG, der mit einer „Gigawattfactory“ Ostdeutschland begrünen will, und als Teileigner bei Thyssenkrupp sitzt er an den Schalthebeln der Transformation. Derzeit lässt Thyssenkrupp ein Sanierungsgutachten erstellen. Die Fragen, die es zu beantworten gilt, sind existenziell: Wie teuer wird es, den Stahl selbständig werden zu lassen? Wie viele Stellen werden wegfallen und wie viele Standorte? Und auch: Kann man sich die Transformation dann noch leisten?

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Dennoch ist das neue, fette Fragezeichen hinter der grünen Anlage auch Druckmittel, um noch mehr Steuergeld zu erpressen. Miguel López, der Konzernchef in Essen, und Siegfried Russwurm, der Aufsichtsratschef, wissen genau, dass ein Scheitern des DRI-Projekts in Duisburg symbolisch einem Herzinfarkt der grünen Transformation der deutschen Industrie gleichkäme. Wer die Hochöfen im Ruhrgebiet, die zu den größten CO2-Schleudern im Land gehören, durch eine klimaneutrale Direktreduktionsanlage ersetzt, so das Narrativ bisher, schafft das doch auch im Rest des Landes. Wer es schafft, die Industrie hier mit Wasserstoff zu versorgen, schafft das auch im Rest des Landes. Und wer das nicht schafft? Ist mit seinem Kernprojekt gescheitert.

Mehr Vertrauen hat Thyssenkrupp nicht verdient

Thyssenkrupps Erpressungspotenzial ist gewaltig. Auch deshalb wird seit Wochen wieder über einen möglichen Staatseinstieg diskutiert oder über eine Deutsche Stahl AG, die Fusion mit der Salzgitter AG. Gerade für eine Stahl AG gibt es gute Argumente. Noch mehr Steuergeld sollten die Regierungen in Berlin und Düsseldorf Thyssenkrupp allerdings keinesfalls zugestehen. Es wäre nicht mehr als eine Kompensation vor allem für schlechtes Management in den vergangenen Jahren. Zu lange hat der Vorstand in der Zentrale den Stahl kurz gehalten, zu wenig in Anlagen investiert, um es mit dem globalen Wettbewerb aufnehmen zu können.

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Viele der Probleme sind hausgemacht. Vor diesem Hintergrund sind schon zwei Milliarden Euro eine gewaltige Summe, ein gewaltiger Vorschuss, um dem grünen Stahl, aber auch Thyssenkrupp, eine Perspektive zu verschaffen. Das muss vorerst reichen.

Gelingt es dem Unternehmen nicht, diesen Vorschuss in Chancen zu übersetzen, muss es sich eben eine neue Perspektive erarbeiten, vielleicht wirklich mit der Abkehr von der Rohstahlproduktion. Möglicherweise liegt die Zukunft dann im Import von klimaneutral erzeugtem Eisenschwamm etwa aus Schweden. Vielleicht ist es für Thyssenkrupp lohnender, sich auf die Weiterverarbeitung zu konzentrieren.

Natürlich stimmt es, dass die Transformation derzeit in vielen Facetten in einer Krise steckt. Und sie wird sicher teurer als erwartet. Dennoch ist es sinnvoll, genau zu prüfen, in welche Unternehmen die Politik in dieser kritischen Phase investiert. Thyssenkrupp hat zuletzt wenig getan, um weiteres Vertrauen zu verdienen.

Lesen Sie auch: Ist eine deutsche Stahl AG doch die Antwort auf die Krise?

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