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WärmepumpenWarum Boschs Zukauf erst der Anfang ist

Vor einem Jahr kaufte der US-Konzern Carrier Viessmann. Nun kauft sich Bosch umgekehrt einen US-Klimaspezialisten – und bezahlt deutlich weniger. Was steckt dahinter?Stefan Hajek 24.07.2024 - 14:12 Uhr aktualisiert

Größter kauf der Firmengeschichte: Für rund acht Milliarden Dollar übernimmt der Bosch das Geschäft mit Lüftungs- und Klimatechnik vom US-Unternehmen Johnson Controls.

Foto: imago images

Diese Nachricht lässt aufhorchen: Bosch kauft für umgerechnet 7,4 Milliarden Euro das Klima- und Kältetechnik-Geschäft des US-Konzerns Johnson Controls. Der Stuttgarter Konzern will damit seine Position in der Heizungs- und Klimaanlagentechnik stärken, und sich breiter aufstellen als mit dem bisher dominanten Autozulieferer-Geschäft. Zusätzlich kauft Bosch auch ein Gemeinschaftsunternehmen für Klimatechnik von Johnson Controls und Hitachi; Im Zuge der Übernahme wird Bosch auch das Joint-Venture Johnson Controls-Hitachi Air Conditioning (JCH) von Johnson Controls und Hitachi zu 100 Prozent erwerben, inklusive der 40-prozentigen Beteiligung von Hitachi.  Das Kartellamt muss dem Deal noch zustimmen. Bosch-Chef Stefan Hartung sagte am Dienstag dazu, er erwarte hierbei „keine Probleme“.

„Das Timing für den Kauf ist sehr günstig, weil das Geschäft in einigen Ländern wie Deutschland gerade schwächelt“, urteilt Marek Miara, Wärmepumpenspezialist am Fraunhofer Institut in Freiburg. In Deutschland ist der Markt für Wärmepumpen in den ersten Monaten 2024 um 52 Prozent eingebrochen. Die Hersteller haben zudem Überkapazitäten in Europa. Vor einem Jahr musste Carrier für ein ähnlich großes Business bei Viessmann noch wesentlich mehr bezahlen. 2023 hatte der Verkauf des deutschen Traditionsheizungsbauers Viessmann an den US-Klimatechnikkonzern Carrier für viel Wirbel gesorgt. Nun kauft Bosch umgekehrt in den USA zu.

Zwar sind Produkte und Kunden der Hersteller nicht eins zu eins vergleichbar. Aber bei Kälte- und Wärmepumpentechnik gebe es zahlreiche Synergien zu heben, meint Thomas Nowak, langjähriger Cheflobbyist der Wärmetechnikanbieter in Brüssel und heute Manager des skandinavischen Wärmepumpenkonzerns Qvantum Energies. „Das fängt beim Einkauf an und geht weiter über Skaleneffekte in der Produktion bis zu Marketing, Vertrieb und Kundenservice“, sagt Nowak.

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Geht der Deal durch, wird er nicht nur Bosch erheblich verändern. Auch der Markt für Klimatechnik und Wärmepumpen bekommt ein neues Schwergewicht. Der Markt für Heizungs- und Klimatechnik habe gerade erst begonnen, zu konsolidieren, meinen Marktexperten. Nicht alle kleinen und mittleren Anbieter dürften das überstehen.

Vordergründig ergibt der Deal viel Sinn für Bosch. Das Unternehmen will seine Stellung bei Klimaanlagen und Wärmepumpen ausbauen. Er solle künftig „Teil des Kerngeschäfts werden“, sagte der Vizechef  Christian Fischer. Johnsons Klimasparte werde bei Bosch in „die Sparte für Wohntechnologie“ integriert, die damit von 14.600 auf mehr als 26.000 Angestellte wachsen werde. Die Bosch-Sparte „Home Comfort“ mit Sitz im hessischen Wetzlar besitzt zum Beispiel die Wärmepumpen der Marke Buderus. 

Anders als es die rein deutsche Marktlage suggeriert, wächst das Wärmepumpenbusiness weltweit enorm. Bis 2030 rechnen Marktforscher mit einem globalen Wachstum des Klima- und (elektrifizierten) Wärmegeschäfts um 40 bis 50 Prozent, je nach Studie. In vielen wichtigen Märkten, etwa in Asien, Frankreich oder den USA, sind Klimaanlagen zugleich im Winter die Gebäudeheizung. „Es sind Luft/Luft-Wärmepumpen, technisch ist das das Gleiche“, sagt Heiztechnik-Ingenieur Miara vom Fraunhofer Institut.

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Bosch-Chef Hartung sagte, sein Unternehmen strebe in diesem globalen Wachstumsmarkt nun eine „führende Position“ an. Da passt die Johnson-Sparte gut: Die Amerikaner sind sehr stark in der Kälte- und Wärmetechnik für Industrie und größere Gebäude wie Hotels. Ein Bereich, in dem Bosch/Buderus bisher keine Aktien hatte. Das Produktportfolio der Amerikaner decke die „gesamte Bandbreite von Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungslösungen für Wohn- und Gewerbegebäude ab“, sagte Bosch-Vize Fischer am Dienstag. Dazu gehören Marken wie York und Coleman in den USA sowie Hitachi in Asien, für die Bosch eine langfristige Lizenz bekommt.

Für kleinere Anbieter ziehen harte Zeiten herauf. „Der Markt zwischen den großen Anlagen, in denen Johnson sehr stark ist, und den kleineren Wärmepumpen wird in den kommenden Jahren zusammenwachsen“, glaubt Thomas Nowak. In den meisten Ländern ist er das längst, Deutschland hat mit seiner Fokussierung auf traditionelle Gasheizungshersteller wie Vaillant, Bosch, Wolf oder Viessmann international eine Sonderrolle inne. „Die langfristigen technoökonomischen Kräfte sprechen nicht dafür, dass diese internationale Sonderrolle Bestand haben wird“, meint auch Miara. „Die Synergien zwischen Industrie- und Gewerbe-Klimatechnik sowie kleineren Wärmepumpen für Häuser sind einfach zu groß. Vieles an der zugrundeliegenden Technik ist gleich.“

Die mittelgroßen, traditionellen Heizungshersteller wie Stiebel oder Vaillant haben zwar immens in die Wärmepumpen investiert und können dort inzwischen technisch mit Skandinaviern, Asiaten und Amerikanern locker mithalten. Allerdings haben die meisten keine Kältetechnik oder Industriewärme, noch kleinere Anbieter erst recht nicht. Auch in Asien und den USA sind die europäischen Mittelständler kaum aktiv. Bosch hat nun als erster deutscher Traditionskonzern die Lage erkannt und – so scheint es Stand heute – geschickt zugekauft.

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