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5G-Mobilfunk MWC in Barcelona: Fehlstart am Mittelmeer

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Skepsis statt Euphorie in Barcelona

Aus gutem Grund. Denn statt eines schwungvollen 5G-Aufbruchs droht eher ein Fehlstart am Mittelmeer. So erfolgreich die Entwicklung der Technik bisher lief, so wenig ist erkennbar, mit welchen Geschäftsmodellen die Telefonfirmen demnächst ihre 5G-Investitionen in teils dreistelliger Milliardenhöhe wieder erwirtschaften werden.

Klar ist bloß, dass es nicht reicht, bloß Smartphone-Nutzern etwas mehr Tempo und etwas mehr Datenvolumen zu verkaufen. Kurz vor der Messe zeigt etwa eine aktuelle Bitkom-Studie: 39 Prozent der befragten Deutschen wären gar nicht bereit für einen 5G-Vertrag mehr zu bezahlen. 25 Prozent würden maximal zehn Euro drauflegen. Ein weiteres knappes Drittel bis zu 20 Euro. Im Durchschnitt aber liegt die zusätzliche Zahlungsbereitschaft bei gerade einmal fünf Euro.

Falsche Erwartung beim Kunden

Dazu kommt, dass Kunden auch in den neuen Netzen vermutlich auf Jahre weder mit besserer Klangqualität telefonieren, noch sich über kürzere Rufaufbauzeiten freuen können oder von stabileren Sprachverbindungen profitieren werden. „5G ist keine Technologie für Sprachtelefonate“, dämpft etwa Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter kurz vor dem Start des MWC falsche Hoffnungen. „Zunächst einmal dient die Technik alleine der Datenübertragung; die erforderlichen Standards für Telefongespräche über 5G müssen erst noch entwickelt und verabschiedet werden.“

Dass Sprache keine Rolle spielt, ist wenig verwunderlich. Schließlich werden Smartphones künftig ohnehin den kleinsten Teil der Geräte ausmachen, die via 5G kommunizieren. Die meisten Innovationen, die in der Technik stecken, zielen auf Endgeräte, die mit Menschen nichts zu tun haben: Das künftige Massengeschäft der 5G-Kommunikation soll die Vernetzung von Maschinen und Sensoren werden. „5G wird weltweit nicht bloß Hunderte von Millionen Menschen vernetzen“, so Frank Fitzek, Co-Leiter des 5G-Lab Germany an der Technischen Universität Dresden, im WirtschaftsWoche-Gespräch. „Künftig geht es darum, global Hunderte Milliarden von Maschinen zu verbinden – und das in Echtzeit.“

Mobilfunk, so der Plan, wird zum kommunikativen Rückgrat des Internets der Dinge – zum universellen Übernetz für alles und jedes.

Neue Geschäftsmodelle gesucht

Bloß, jene Abermilliarden von Funkchips, die einmal via 5G im Internet der Dinge funken, werden den Netzbetreibern – jedenfalls aufs Stück gerechnet – kaum nennenswerte Monatsumsätze bescheren. „Ich glaube fest daran, dass 5G viele neue Geschäftsmodelle ermöglichen wird, von denen wir heute keine Idee haben, wie sie einmal aussehe“, sagt Vodafone-Mann Ametsreiter vor dem MWC. Aber er sagt eben auch: „Welche Dienste das genau sein werden und welche Umsätze die Branche damit einmal erzielt, das kann heute keiner verlässlich vorhersagen.“

Damit steht Ametsreiter nicht alleine. Welches Umsatzpotenzial wirklich darin steckt, beispielsweise Ampeln und Fertigungsmaschinen mit der digitalen Welt zu verknüpfen, freie Parkplatzstellflächen oder volle Mülltonnen zu erfassen und an Dienstleister zu melden, Akkustände in Drohnen oder E-Autos zu überwachen oder Skibindungen und Turnschuhe in autonom funkende Fitnesstracker zu verwandeln, darauf möchte sich heute kein Branchenmanager festlegen.

Wohl aber, dass der erforderliche Aufbau der 5G-Infrastruktur teuer wird. Ametsreiters Pendant beim Konkurrenten Telefónica, Deutschlandchef Markus Haas, hat angesichts der absehbaren Kosten schon mal Alarm geschlagen. Für eine Versorgung der deutschen Bevölkerung mit einer Datenübertragungsrate von 300 Megabit pro Sekunde über die heutigen Funkfrequenzen wären in Deutschland mehr als 200.000 Mobilfunkstandorte erforderlich. Gegenwärtig haben alle drei deutschen Netzbetreiber zusammen nicht einmal die Hälfte dieser Standorte.

Bis 2025 98 Prozent der Bevölkerung auf diesem Niveau via 5G zu versorgen, würde pro Netzbetreiber mehr als 25 Milliarden Euro Investitionen erfordern, sagte Haas in einer Stellungnahme für die Bundesnetzagentur im Vorlauf der bald anstehenden Versteigerung der deutschen 5G-Frequenzen. Mal ganz abgesehen von den erwartbaren Widerständen, wenn es darum geht, die erforderlichen Funkstandorte zu erschließen.

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