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5G-Mobilfunk MWC in Barcelona: Fehlstart am Mittelmeer

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5G in Deutschland: Kaum noch Aufbruchsstimmung

Entsprechend dünnhäutig reagieren die Netzbetreiber bei der Lizenzvergabe für die benötigten Frequenzen auf die politischen Vorgaben zum 5G-Ausbau. Ausgerechnet in Deutschland, das (unter anderem dank des Dresdener 5G-Labs) lange einer der weltweit führenden Forschungs- und Entwicklungsstandorte für die neue Funktechnik war, ist von der dynamischen Aufbruchsstimmung ins 5G-Zeitalter nicht mehr viel übrig geblieben.

Erst verzögerten politische Scharmützel um die Rahmenbedingungen der anstehenden Frequenzauktion monatelang den Start der Lizenzvergabe, nun haben die drei deutschen Netzbetreiber auch noch Klage gegen die Vergaberegeln eingereicht. Jetzt ist völlig offen, ob der angepeilte Versteigerungstermin überhaupt zu halten ist.

Und so gibt sich beispielsweise Olaf May, verantwortlicher Manager für IT und Mobile Communication bei Samsung in Deutschland nur vorsichtig optimistisch, dass beispielsweise das neue Galaxy S10 5G rasch bei deutschen Käufern ankommt: „Wir arbeiten daran, die Möglichkeiten von 5G möglichst schnell für den Verbraucher und für Unternehmen Wirklichkeit werden zu lassen“, sagt May. Aber damit hängt der koreanische Tech-Konzern eben auch vom Netzaufbau in Deutschland ab. „Wir hoffen, dass erste 5G-Tests in Deutschland nächstes Jahr in den ersten Städten verfügbar sein wird.“ Tests, wohlgemerkt, nicht flächendeckende Netze.

Sorge um Sicherheit

Dazu kommt die zunehmende Diskussion um die Sicherheit der neuen Infrastrukturen. Insbesondere um den chinesischen Netzausrüster Huawei ist zuletzt ein veritabler Streit bis in oberste politische Etagen entbrannt. Kritiker befürchten, dass chinesische Unternehmen vom Staat gezwungen werden könnten, digitale Hintertüren (sogenannten Backdoors) in ihre Hard- und Software einzubauen. Fernöstlichen Spionen stünde dann nicht nur der Zugriff auf die deutschen Datenverkehre offen. Womöglich ließen sich darüber, so die Sorge, im Ernstfall sogar ganze Funknetze kurzerhand lahmlegen.

Huawei bestreitet die Existenz von Backdoors und die Zusammenarbeit mit chinesischen Geheimdiensten zwar vehement. Doch die zunehmende Skepsis der Kritiker an der Glaubwürdigkeit des fernöstlichen Ausrüsters mindert das nicht. Beim Konkurrenten ZTE, der ebenfalls aus China stammt und dem Vernehmen nach das Mobilfunknetz für den vierten deutschen Bewerber um 5G-Lizenzen, United Internet, aufbauen soll, ist es nicht anders.

Streit um die Lizenzbedingungen, Sorge um die Sicherheit im Netz und ein Mangel an zukunftsträchtigen Geschäftsmodellen – die Voraussetzungen für den Aufbruch ins 5G-Zeitalter könnten wahrlich günstiger sein. Nicht nur in Deutschland. Denn selbst da, wo erste Anbieter tatsächlich schon erste Dienste gestartet oder angekündigt haben – neben der Schweiz auch in Korea, Japan, China und den USA –, haben die Angebote mit echtem Mobilfunk noch wenig zu tun.

5G-Start ohne Mobilfunk

Tatsächlich nämlich sind jene drahtlosen Internet-Zugänge, die die Schweizer Sunrise in Kürze vermarkten will, etwas völlig Anderes als jene Anwendungen, für die der neue Turbofunk eigentlich entwickelt wurde. Im Prinzip sind sie bloß der Ersatz für herkömmliche Festnetzanschlüsse – nicht umsonst umschreibt Sunrise den Service auch als „Glasfaser durch die Luft“. Genauso ist das in den USA, wo der Netzbetreiber Verizon seit Herbst 2018 ersten Kunden in Ortsteilen von Houston, Indianapolis, Los Angeles und Sacramento Internet-Hausanschlüsse über 5G-Funk anbietet. Konkurrent AT&T will mit ähnlichen Diensten im Jahresverlauf nachziehen. Aber Mobilkommunikation ist das eben nicht.

Ein echter, umfassender Aufbruch ins 5G-Zeitalter, das gestehen in Barcelona (zumindest inoffiziell) selbst die engagiertesten Propagandisten der nächsten Mobilfunkgeneration ein, der müsste anders aussehen.

Und so werden sie es wohl 2020 noch einmal versuchen müssen mit ihrer Punktlandung in Sachen 5G.

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