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Cloud-GeschäftKann SAP Oracle auf Abstand halten?

Am Mittwoch legt SAP seine Zahlen fürs zweite Quartal vor: Kann der Software-Riese aus Walldorf Rivale Oracle auf Distanz halten? Bekommt Konzernchef Bill McDermott die Probleme im Stammgeschäft in den Griff?Michael Kroker 19.07.2016 - 14:48 Uhr

Wolkige Aussichten am SAP-Konzernsitz im nordbadischen Walldorf.

Foto: dpa

Deutschland ruht im Sommer- und Hitzeloch – ganz Deutschland? Von wegen – zumindest im Nordbadischen dürften aktuell noch der eine oder andere ins Schwitzen geraten: Denn die SAPler geben derzeit noch den Präsentationen und Pressemitteilungen für Mittwoch den letzten Schliff: Am Vormittag werden nämlich SAP-Vorstandschef Bill McDermott und Finanzchef Luka Mucic die Zahlen des weltgrößten Anbieters von Unternehmenssoftware für das zweite Quartal 2016 vorlegen.

Wie in den Vorquartalen werden sich die Augen von Aktionären, Finanzanalysten und Marktbeobachter vor allem auf einen Aspekt konzentrieren: Bleibt die Wachstumsmaschine Cloud intakt? Oder anders ausgedrückt: Ist der Aufstieg in die Wolken des Walldorfer Konzerns auch zwischen April und Juni mit unvermittelter Geschwindigkeit weitergegangen?

Die Messlatte ist jedenfalls hoch: Allein im ersten Quartal kletterten die Erlöse mit Cloud-Anwendungen – also Software, die Unternehmen nicht selber installieren, sondern die SAP per Internet-Zugriff bereitstellt – um satte 35 Prozent auf 680 Millionen Euro. Dies entspricht immerhin bereits einem Anteil von gut 14 Prozent vom Gesamtumsatz zwischen Januar und März in Höhe von 4,7 Milliarden Euro.

Vor- und Nachteile von Cloud Computing
Wer all seine Informationen in einer Cloud speichert, ist vom Anbieter abhängig. Sollte der sich möglicherweise nur unzureichend um seine Kunden kümmern, ist ein Wechsel zu einem anderen Anbieter meist schwierig, da die Datenmengen groß sind. Ein weiteres Problem: Für den Fall, das ein Anbieter pleite geht, gibt es keine klaren Regelungen. Erst wenn es Standards gibt, die einen Anbieterwechsel ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.
Dienstleister, die Clouds anbieten, beschäftigen sich in der Regel intensiv mit dem Thema Datenschutz. Allerdings sind große Datenmengen auch immer ein attraktives Ziel für Hacker. Die Auslagerung der eigenen Daten in eine Cloud bedeutet somit auch immer einen Kontrollverlust.
Die Menge des Speicherplatzes im Netz kann flexibel angepasst werden. Benötigt man mehr Speicherplatz, kann man einfach die angemieteten Kapazitäten erhöhen, anstatt sich teure Hardware kaufen zu müssen.
Der Administrationsaufwand sinkt, wenn man eine Cloud benutzt. Da die Installation auf dem eigenen Computer entfällt und auch Updates von den Cloud-Anbietern durchgeführt werden, kommt es hier zu einer großen Zeitersparnis.
Wer mit einer Cloud arbeitet, kann flexibel auf Daten zugreifen. Dabei spiel der Ort keine Rolle. Sowohl von Smartphones, als auch von Tablets und Computern aus können die Informationen abgerufen werden.

Wie rasant das Cloud-Geschäft der Walldorfer wächst, beweist ein Blick nur zwei Jahre zurück: In den ersten drei Monaten 2014 erlöste SAP in der Internet-Wolke erst 219 Millionen Euro – damit haben sich die Umsätze in jenem Zeitraum gut verdreifacht. Gemessen am Umsatz lag das Cloud-Geschäft im ersten Quartal 2014 erst bei gut sechs Prozent.

SAP schlägt sich in der Cloud besser als Oracle

Damit haben sich die Walldorfer beim Gang in die Cloud deutlich besser geschlagen als etwa der Konkurrent Oracle: Zwar stiegen die Erlöse des US-Konzerns mit Internet-Softwarediensten im jüngsten Geschäftsquartal mit 49 Prozent auf 859 Millionen Dollar sogar noch stärker als bei SAP.

SAP

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Gemessen am Umsatz im vierten Quartal in Höhe von 10,59 Milliarden Dollar kommt die Oracle-Cloud aber erst auf einen Anteil von acht Prozent. Folglich lautet hier die wichtigste Frage: Kann McDermott seinen Erzrivalen, den Oracle-Gründer und Chairman Larry Ellison, auch weiterhin auf Abstand halten?

Mindestens ebenso spannend ist aber ein Blick auf das Stammgeschäft rund um die SAP Business Suite, ein Programmpaket zur Steuerung aller Abläufe im Unternehmen wie etwa Personalwesen, Buchhaltung und Finanzbuchhaltung. Denn hier deutete sich bereits im ersten Quartal dieses Jahres Ungemach an: Seinerzeit schrumpften die sogenannten Lizenzerlöse immerhin um 13 Prozent.

Der Online-Speicher
Die meisten Nutzer verbinden mit der Cloud Online-Speicher-Dienste wie Dropbox, Google Drive oder Apples iCloud. Dieser Dienste haben sich in den vergangenen vier Jahren wachsender Nutzerzahlen erfreut. Doch der Cloud-Gedanke ist weitaus älter. Wo Sie die Cloud schon benutzt haben, bevor der Begriff Berühmtheit erlangte und wo Sie sie heute nutzen, ohne es zu wissen, erfahren Sie in den folgenden Bildern.

Foto: dpa

E-Mail

Jeder Nutzer eines E-Mail-Services wie GMX, Google Mail oder AOL nutzt einen Cloud-Service. Die Cloud ist nichts anderes als eine Anwendung, die sich auf den Servern eines Anbieters abspielt. In diesem Fall bietet etwa 1&1 mit seinen E-Mail-Diensten Web.de und GMX.de Postfächer, die über den Browser aufgerufen werden und im Gegensatz zu Microsofts Outlook beispielsweise nicht extra auf dem Rechner installiert werden müssen.

Foto: dpa

Spielen in der Cloud
Beim sogenannten Cloud Gaming laufen Spiele auf externen Servern. Die Spiele werden auf diesen Servern gestartet und berechnet – beim Nutzer kommen nur Bild und Ton an. Das hat einen Vorteil: Der Spieler braucht keine allzu starke Hardware sondern lediglich eine schnelle Internetverbindung. Die Belastung liegt auf den Servern. Eine Installation ist ebenfalls nicht notwendig. Zudem müssen Spiele vom Entwickler nicht mehr für das jeweilige Endgerät angepasst werden.
Der Nachteil: Sind die Server überfüllt oder wegen anderer technischer Probleme nicht erreichbar, muss der Nutzer sich auf lange Wartezeiten einstellen oder kann das Spielen ganz vergessen.

Foto: AP

Office-Programme
Google bietet neben dem Speicher- und dem E-Mail-Dienst mit Google Docs ein Programm für Textverarbeitung in der Cloud an. Auch Tabellenkalkulationen und Präsentationen können online erstellt werden. Mussten Nutzer vor einigen Jahren noch ein Office-Programme von Microsoft oder Apple auf dem Rechner installieren, können sie heute bequem über die Cloud arbeiten.
Auf Google Docs kann man einfach über den Browser zugreifen, die Dokumente werden bei Google-Drive gespeichert. Ein großer Vorteil: Mehrere Menschen können gleichzeitig in einem Dokument arbeiten – die Synchronisierung der Datei läuft automatisch.
Auch Microsofts neues Office-Paket 365 hat die Office-Anwendungen in die Cloud verschoben.

Foto: REUTERS

Adobes Kreativ-Programme
Adobe hat sein Geschäftsmodell für Software wie Photoshop, Flash und Indesign ebenfalls auf die Cloud ausgerichtet. Statt einmalig eine Lizenz zu kaufen, muss der Kunde, will er die aktuellen Versionen von Adobes Kreativ-Programmen nutzen, künftig ein Abo-Modell eingehen.
Der Vorteil: Der Nutzer muss keine Updates durchführen, nichts installieren und kann dank der CreativeSync-Technologie von Adobe auf dem Tablett begonnene Arbeiten auf dem Rechner fortsetzen.

Foto: AP

Musik-Streaming
Auch wer Musik-Streaming-Dienste wie Spotify, Napster oder Apple Music nutzt, befindet sich in der Cloud. Bei all diesen Streaming-Diensten werden Millionen Musik-Titel auf Servern gelagert, auf die der Nutzer von seinem Endgerät aus zugreift.
Dafür muss er entweder ein monatliches Entgelt bezahlen oder die kostenlosen Alternativangebote nutzen. Bei Spotify kann der Nutzer zum Beispiel die Gebühren einsparen, wenn er bereit ist, zwischendurch von Werbung beschallt zu werden.

Foto: dpa

Serien-Streaming
Filme und Serien werden ebenfalls immer öfter über das Netz angesehen. Anbieter wie Netflix, Sky Go, Watchever, Amazone Prime und Maxdome erlauben den Zugriff auf tausende Filme und Serien. Auch hier zahlen Nutzer eine monatliche Gebühr und können dafür so viel schauen, wie sie möchten.

Foto: dpa

Smartphone und Tablett
Wer sein Smartphone oder Tablett einrichtet – egal ob es nun von Apple, Google oder Microsoft ist, muss sich ein Konto für die jeweilige unternehmenseigene Cloud einrichten. Wer die Standardeinstellungen nicht ändert, speichert dann sämtliche Kalender- und Adressdaten in der Cloud. Gleiches gilt für Fotos und E-Mails.

Foto: dpa

Das Problem dabei: Trotz des Schwenks des Geschäftsmodells in Richtung Cloud Computing mit monatlichen Mieteinnahmen sind Software-Lizenzen, welche die Unternehmenskunden traditionell in einem Block vorab entrichten, immer noch ein wichtiger Indikator dafür, wie gut ein Software-Unternehmen dasteht.

Schließlich ziehen die Lizenzerlöse über mehrere Jahre stabile und gut berechenbare Support-Erlöse nach sich: Im so genannten Enterprise Support, einem speziellen Wartungsmodell der SAP, blättern die Kunden immerhin stolze 22 Prozent der Lizenzkosten hin – pro Jahr wohlgemerkt. Weil die Supportumsätze dank guter Automatisierung zudem hochprofitabel sind, stellen sie gewissermaßen den heiligen Gral jedes Anbieters von Unternehmenssoftware da.

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von Michael Kroker

Folglich ziehen rückläufige Softwarelizenzen aber in den Folgejahren auch weniger Support-Erlöse nach sich – eine gefährliche Abwärtsspirale droht, wenn es einem Softwarekonzern nicht gelingt, den Einbruch direkt bei den Lizenzen zu stoppen. Folglich ruht das Hauptaugenmerk von Analysten und Beobachtern hier vor allem darauf, wieviel vermeintlich langweilige Software-Lizenzen zwischen April und Juni dieses Jahres SAP verkaufen konnte.

Hohe Investitionen ins Cloud-Geschäft

Und last but not least blicken Investoren natürlich gerne auf die sogenannte Bottom Line; also darauf, was SAP unterm Strich bei seinen Verkäufen über die verschiedenen Vertriebswege und Geschäftsmodelle verdient – sei es zur Miete per Cloud, sei es traditionell „on premise“ auf den Rechnern im Unternehmen installiert.

Hier litten die Walldorfer zuletzt unter sinkenden Margen – auch das ein Resultat des rasanten Schwenks in Richtung Cloud: Denn das Internet-Geschäft drückt auf die Profitabilität, da SAP kontinuierlich kleinere Umsätze über die Laufzeit verbuchen muss, nicht eine große Summe vorab.

Dazu kommen hohe Anfangsinvestitionen in das Cloud-Geschäft, etwa in eigene Rechenzentrumskapazitäten. Anleger erwarten hier vom SAP-Management Aussagen darüber, wie das Ausbalancieren der verschiedenen Geschäftszweige in Zukunft das Ergebnis beeinflusst.

Vielleicht kann dabei ja auch ein komplett neues Geschäftsfeld helfen: Wie die „WirtschaftsWoche“ Ende Mai exklusiv berichtete, erweitert SAP sein Geschäft künftig um den Verkauf von Daten und Apps. Dieses in der Sparte SAP Digital gebündelte Angebot soll in einigen Jahren bereits fünf Milliarden Dollar schwer sein. Bisher weisen die Walldorfer jene Umsätze nicht gesondert aus – möglicherweise beginnen sie ja am Mittwoch damit.

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