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Infineon-QuartalszahlenLeben in der Fragezeichen-Ökonomie

Wie soll man planen in einer Welt, wo jeden Tag ein neuer Zoll fallen oder hinzukommen könnte? Chiphersteller Infineon wagt eine Prognose – mit vielen Konjunktiven.Philipp Mattheis 08.05.2025 - 14:50 Uhr
Infineon-Chef Jochen Hanebeck muss die Umsatzprognose wieder senken. (Archivbild) Foto: dpa

Die Worte, die der Chef der US-Notenbank Federal Reserve bei seinem jüngsten Zinsentscheid sprach, man kann sie auch als ein Mantra der globalen Unternehmerschaft verstehen: „Ich denke, wir wissen nicht, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln“, sagte er. Man könne schlicht noch nicht prognostizieren, wie sich Handels- und Zollpolitik auf die Wirtschaft auswirken werden. Die Konjunktur, ein einziges Rätsel.

An das Leben in dieser Fragezeichen-Ökonomie müssen sich auch zahlreiche international tätige Konzernen gewöhnen, die gerade die Zahlen für das zweite Quartal dieses Jahres veröffentlichen: Gut sind die Entwicklungen nicht. Wie könnten sie auch? Zölle und Handelsschranken belasten die Margen, was früher oder später in Form höherer Preise weitergegeben wird. Gleichzeitig ist aktuell noch nicht viel davon zu merken.

Und so halten es viele, wie nun auch der Infineon-Chef Jochen Hanebeck: Abwarten und den Konjunktiv nutzen. Würde man in einer stabilen Welt ohne Handelskriege leben, so Hanebeck, hätte man die Prognose beibehalten. Wäre der US-Dollar nicht so stark gefallen in den vergangenen Wochen, sähe die Bilanz stabiler aus. So aber hat der Münchener Chip-Hersteller seine Jahresprognose leicht gesenkt – und das, obwohl das erste Quartal besser gelaufen war als erwartet. Die Erlöse waren um fünf Prozent auf 3,59 Milliarden Euro, währen die Marge unverändert bei 16,7 Prozent lag. China ist für Infineon mit 20 Prozent des Umsatzes der wichtigste Markt. Die USA und Deutschland folgen mit jeweils 10 Prozent. Man rechne mit leicht rückläufigen, statt stabilen bis leicht steigenden Umsätzen.

Humanoide Roboter als neues Geschäftsfeld

Für Schlagzeilen hatte Infineon zuletzt gesorgt, weil es im April einen teuren Zukauf verkündet hatte. Für 2,5 Milliarden Dollar übernehmen die Münchener die Automotive-Ethernet-Sparte des amerikanischen Unternehmens Marvell Technologies. Beschlossen wurde der Kauf freilich schon im vergangenen Jahr – also vor Turbulenzen und Zollkrieg.

Ethernet gilt als Schlüsseltechnologie beim „vernetzten Fahren“, ein Megatrend, wie die Automobilmesse in Shanghai vor wenigen Wochen wieder bestätigte. Gerade in China, nach wie vor für viele deutsche Automobilhersteller der wichtigste Markt, läuft nichts mehr ohne „Software Defined Vehicle“. Das heißt unter anderem, dass neue Funktionen wie bei einem Smartphone einfach via Internet aufgespielt werden. Genau darauf legen chinesische Konsumenten Wert.

Ethernet wurde ursprünglich für kabelgebundene Datenkommunikation entwickelt und wird nun beim Thema autonomes Fahren noch wichtiger. Marvels Sparte baut Chips für dieses Ethernet. Durch die Übernahme will Infineon die steigende Nachfrage bedienen können.

Gleichzeitig erhofft man sich die Erschließung neuer Bereiche. „Die Transaktion stärkt unsere Strategie des profitablen Wachstums in der Zukunft und eröffnet neue Chancen im Bereich der physischen Künstlichen Intelligenz wie humanoide Roboter“, hatte Infineon-CEO Jochen Hanebeck anlässlich der Übernahme gesagt. Die Einheit erwirtschaftet jährlich rund 250 Millionen US-Dollar bei einer Bruttomarge von 60 Prozent – ein profitabler Zweig also, der Infineon gut stehen könnte.

Verzögerte Erholung

Zuletzt nämlich waren die Zahlen eher mau gewesen: Laut Hanebeck hatte sich die zyklische Erholung im Halbleitermarkt verzögert, eine Spätfolge der politischen Lockdowns. Diese hatten zunächst einen Automatisierungsschub ausgelöst, der zu einem Nachfrageüberhang führte, woraufhin wieder viele Kunden ihre Lagerbestände auffüllten. Der Gesamtumsatz war für das Geschäftsjahr 2024 um acht Prozent zum Vorjahr auf 14,9 Milliarden gefallen. Im vergangenen August kündigten die Münchener zudem einen Stellenabbau an: 1400 Arbeitsplätze in „Hochlohnländern“ sollen wegfallen, 1400 weitere auf andere Standorte verlagert werden.

Rund die Hälfte der Kunden sind zudem Automobilhersteller, sowie deren Zulieferer, die allerdings zumindest in Deutschland in der Krise stecken. Dagegen boomt das Geschäft mit KI-Rechenzentren.

Natürlich wirken sich die Zoll-Turbulenzen auch nicht gerade positiv auf den Aktienkurs aus. Von ihrem Dreijahreshoch im Februar bei 38 Euro stürzte sie auf 25 Euro ab am „Liberation Day“. Mittlerweile hat sich der Kurs wieder etwas erholt. In den vergangenen fünf Jahren war mit der Aktie allerdings kaum Geld zu verdienen: Sie pendelte in einem Korridor zwischen 25 und 35 Euro. Nach Bekanntgabe der Zahlen stieg die Aktie um drei Prozent, und notiert bei aktuell 31 Euro. Das Plus mag auch daher kommen, dass Präsident Trump zuvor einen Handelsvertrag mit Großbritannien angekündigt hatte.

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