Intel: Kriselnder Chipkonzern erhält Milliarden-Finanzspritze von Softbank
Der kriselnde US-Chipkonzern Intel erhält eine erhebliche Geldspritze von Softbank. Der japanische Technologie-Investor teilte am Dienstag mit, im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Intel-Aktien für insgesamt zwei Milliarden Dollar kaufen zu wollen. Der Preis je Intel-Anteilsschein liege bei 23 Dollar, knapp drei Prozent unter dem Schlusskurs an der Wall Street vom Montag.
Mit dieser Transaktion wird Softbank zu einem der zehn größten Investoren beim einst weltgrößten Halbleiter-Hersteller Intel.
„Diese strategische Investition spiegelt unsere Überzeugung wider, dass die Produktion hochmoderner Halbleiter in den USA weiter zunehmen wird“, sagte Softbank-Chef Masayoshi Son. Intel werde dabei eine Schlüsselrolle spielen. Lip-Bu Tan, der Vorstandsvorsitzende von Intel, begrüßte die Transaktion. „Masa und ich arbeiten seit Jahren eng zusammen. Ich schätze das Vertrauen, das er Intel mit dieser Investition entgegenbringt.“ Tan war bis 2022 Mitglied im Verwaltungsrat von Softbank.
In seinem aktuellen Job muss er Intel aus einer schweren Krise führen. Der US-Konzern aus dem Silicon Valley hat den Trend zur Künstlichen Intelligenz (KI) verschlafen und keine konkurrenzfähigen Prozessoren für diese Technologie im Programm. Außerdem hinkt die Firma aus dem Silicon Valley bei den Fertigungsmethoden hochmoderner Chips dem weltgrößten Auftragsfertiger TSMC hinterher. Gleichzeitig verliert Intel Marktanteile bei klassischen Prozessoren an den Erzrivalen AMD. Daher gilt das Unternehmen inzwischen als Übernahmekandidat. Zuletzt gab es Spekulationen, die US-Regierung könnte bei dem Chip-Hersteller einsteigen.
Der frühere Vorzeigekonzern hat in den vergangenen Quartalen Milliarden-Verluste aufgehäuft. Konzernchef Lip-Bu Tan will Intel mit einem harten Sparkurs wieder auf Kurs bringen. Der Manager steht jedoch wegen seiner geschäftlichen Verbindungen mit China unter Druck. US-Präsident Donald Trump hatte deswegen zeitweise seine sofortige Ablösung gefordert.
Die Investitionsentscheidung von Softbank habe nichts mit Trumps Forderung zu tun, betonte ein Insider am Dienstag. Die japanische Beteiligungsfirma strebe keinen Sitz im Intel-Verwaltungsrat an und verpflichte sich auch nicht zum Kauf von Prozessoren des Unternehmens.
Über die Bewertung des Softbank-Einstiegs waren sich Experten uneins. Die in Frankfurt notierten Intel-Aktien stiegen als Reaktion auf den Softbank-Einstieg am Dienstag um 5,5 Prozent. Analyst Rolf Bulk vom Research-Haus New Street sprach von einem Vertrauensbeweis. Außerdem steige die Chance, dass Softbank künftig Chips von Intel beziehen wird. Dem Softbank-Insider zufolge ist die Investition jedoch nicht an Abnahmeverpflichtungen geknüpft. Die Aktien des US-Konzerns stiegen dennoch im vorbörslichen Geschäft an der Wall Street um mehr als sechs Prozent.
Amir Anvarzadeh, Anlagestratege für Japan beim Vermögensberater Asymmetric Advisors, beurteilte die Transaktion zurückhaltender. „Die Investition hilft zwar, bringt für Intel aber nicht die Wende.“ Für Son gehe es wohl eher darum, seine gute Beziehung zu Trump zu bewahren.
Bei den Softbank-Aktionären kam die Nachricht nicht gut an: Softbank-Papiere rutschten in Tokio ab.
Der Intel-Deal ist der bislang letzte in einer Reihe milliardenschwerer US-Investitionen von Softbank. Die japanische Firma beteiligt sich unter anderem am ChatGPT-Entwickler OpenAI und am US-Projekt „Stargate“. In dessen Rahmen sollen für 500 Milliarden Dollar neue KI-Rechenzentren entstehen.
Außerdem will Softbank gemeinsam mit dem weltgrößten Elektronik-Auftragsfertiger Foxconn in den USA Equipment für Rechenzentren produzieren.
Softbank gehört auch die Mehrheit am Chipdesigner ARM, mit dessen Technologie praktisch alle Smartphones und Tablet-Computer laufen.
Auch die US-Regierung denkt über eine Beteiligung am Chiphersteller nach – als Gegenleistung für frühere staatliche Zuschüsse. Diese waren noch von der Vorgängerregierung unter Präsident Joe Biden genehmigt worden. „Wir sollten für unser Geld eine Kapitalbeteiligung bekommen“, sagte Handelsminister Howard Lutnick am Dienstag dem Sender CNBC. Es gehe jedoch nicht um die Kontrolle über das Unternehmen. „Wir wandeln lediglich eine unter Biden gewährte Finanzhilfe in Eigenkapital für die Trump-Regierung zugunsten des amerikanischen Volkes um“, versicherte Lutnick. Er schlug eine stimmrechtslose Beteiligung vor.
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