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IT-Fachkräftemangel Deutsche Telekom plant ausgerechnet im Rekordjahr weniger Lehrstellen

Die Telekom möchte immer weniger Menschen eine Lehrstelle anbieten. Quelle: REUTERS

Die Deutsche Telekom will künftig immer weniger junge Leute ausbilden. Dabei ging es dem Unternehmen selten besser als heute.

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Die Deutsche Telekom will künftig deutlich weniger Lehrstellen anbieten. Ausgerechnet in ihrem Rekordjahr überlegt das führende deutsche Telekommunikationsunternehmen, langfristig die Zahl der Auszubildenden um wohl 20 Prozent und mehr zu senken. Das geht aus internen Unterlagen der Gewerkschaft Verdi hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegen. Verdi hat in vier Verhandlungsrunden vergeblich versucht, die für Personalpolitik zuständige Vorständin Birgit Bohle dazu zu bewegen, an der diesjährigen Zahl von 2150 Auszubildenden auch künftig festzuhalten.

Ab 2022 könnten heftigere Einschnitte kommen, wenn das System wie angedacht von einer festgelegten Zahl von Azubis auf eine Quote gemessen an der Mitarbeiterzahl umgestellt wird.
Im Jahr 2023 soll die Quote auf 2,2 Prozent der Inlandsbeschäftigten abgesenkt werden, und dann 2024 noch einmal auf 2,1 Prozent. Schon 2022 sollen mit 1820 Auszubildenden 15 Prozent weniger junge Leute eine Lehre antreten dürfen als noch in diesem Jahr.

Das entspricht immerhin noch einer Quote von 2,3 Prozent der Inlandsbeschäftigten: „Wenn sich die Entwicklung im Personalbestand wie in den letzten Jahren fortsetzt, kommen wir wahrscheinlich deutlich unter 1700 Auszubildenden raus“, schätzt Constantin Greve, der als Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Deutschen Telekom AG gegen diese Sparmaßnahme kämpft: „Das Unternehmen steht wirtschaftlich super da. Angesichts der gesellschaftlichen Krise am Ausbildungsmarkt nach der Pandemie können wir unser Engagement doch jetzt nicht zurückfahren.“

Der Fachkräftemangel in IT-Berufen hält in Deutschland weiter an, und die Deutsche Telekom hat selbst für 2021 längst noch nicht alle Stellen besetzt. „Die Auszubildenden-Zahlen für die Jahre nach 2022 stehen noch nicht fest“, sagt Telekom-Sprecher Peter Kespohl. Wichtig sei für die jungen Menschen nicht nur der Ausbildungsplatz, sondern auch die Übernahmeperspektive danach:  „Ein Teil der Auszubildenden legt einen großen Wert auf eine Übernahme, da müssen wir regelmäßig überprüfen, wie weit über Bedarf wir noch ausbilden sollten.“

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    Die Deutsche Telekom bildet traditionell mehr junge Menschen aus, als sie im Anschluss fest einstellen kann. Das mag sie aus Azubi-Sicht weniger attraktiv machen. Es dürfte der Deutschen Telekom aber auch gegen den Strich gehen, dass die von ihr ausgebildeten Fachkräfte, die sie nicht selbst übernimmt, regelmäßig bei der Konkurrenz gute Stellen finden.
    Für 2021 visiert die Deutsche Telekom ein neuerliches Rekordergebnis mit einem Gewinn von 37 Milliarden Euro an. Schon im Rekordjahr 2020 wuchs Umsatz der Deutschen Telekom 25 Prozent, der Gewinn, gemessen an der Kennzahl Ebitda AL, stieg sogar um mehr als 40 Prozent. Die Deutsche Telekom bildet in sieben technischen und fünf kaufmännischen Berufen aus.

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