1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. IT
  4. Alibaba: Wie dem Tech-Konzern dank KI ein fulminantes Comeback gelingt

KI-Deal mit AppleWie Alibaba dank KI ein fulminantes Comeback gelingt

Alibaba hat sich nach einem steilen Abstieg neu erfunden. Nun ist dem chinesischen Tech-Riesen ein wichtiger Deal mit Apple gelungen.Jörn Petring 17.02.2025 - 11:34 Uhr

Nach DeepSeek hat nun auch der Handelsriese Alibaba eine eigene KI namens Qwen vorgestellt, die angeblich auch ChatGPT überlegen sein soll.

Foto: REUTERS

In Hongkongs Finanzszene ist Alibaba derzeit ein heißes Thema. „Sie haben beim Umbau vieles richtig gemacht. Jetzt sehen wir die Ergebnisse, vor allem beim Thema KI“, sagt ein Broker, der in der chinesischen Sonderverwaltungsregion seit über 25 Jahren im Geschäft ist.

Ging es in den letzten Jahren um den von Jack Ma gegründeten Tech-Giganten, der lange das wohl berühmteste private Unternehmen Chinas war, schwelgten Hongkonger Finanzprofis eher im Selbstmitleid. Alibaba schlitterte von einer Krise in die nächste, und immer wenn man glaubte, nun sei der richtige Zeitpunkt zum Einstieg gekommen, gab es ein neues Problem, das die Kurse weiter abschmieren ließ.

Doch der Wind hat sich gedreht. Seit Anfang des Jahres ist die Alibaba-Aktie um mehr als 45 Prozent gestiegen. Die jüngste gute Nachricht: Dem Konzern aus dem ostchinesischen Hangzhou ist es gelungen, Apple als Partner zu gewinnen – ein wichtiger Prestige-Erfolg.

„Apple war sehr wählerisch. Sie sprachen mit einer Reihe von Unternehmen in China, und am Ende entschieden sie sich dafür, mit uns Geschäfte zu machen“, berichtete Alibaba-Vorstand und Co-Gründer Joe Tsai kürzlich stolz auf einem Gipfel in Dubai. Alibaba wird demnach die KI auf in China ausgelieferten iPhones bereitstellen. In den USA kann Apple seinen KI-Dienst Apple Intelligence direkt anbieten. In China hingegen musste aufgrund der Datenschutzgesetze ein lokaler Partner her.

Apple, so wird berichtet, soll unter anderem Gespräche mit den chinesischen Tech-Konzernen Baidu, Tencent und ByteDance (Mutter von TikTok) geführt haben. Auch eine Partnerschaft mit DeepSeek, dem chinesischen KI-Start-up, das zuletzt einen regelrechten globalen Hype ausgelöst hat, soll diskutiert worden sein. Doch Apple, so heißt es, befand DeepSeek für zu unerfahren und entschied sich letztlich für Alibaba.

Der Konzern, den der ehemalige Englischlehrer Ma 1999 in seinem Wohnzimmer gründete, stieg bald zur dominierenden chinesischen E-Commerce-Plattform auf. Alibaba erreichte seinen Höhepunkt um 2020, als es beim Marktwert in einer Liga mit Google oder Facebook spielte. Der Konzern stand kurz davor, seine Finanzsparte Ant Group an die Börse zu bringen. Doch dieser Plan scheiterte spektakulär.

Ma, der sich schon damals weitestgehend aus der Unternehmensführung zurückgezogen hatte, fiel in Ungnade, als er sich mit öffentlicher Kritik an den chinesischen Regulierungsbehörden und dem Finanzsystem in Konflikt mit der Regierung brachte. Peking startete einen breiten Crackdown gegen die Tech-Branche, insbesondere gegen Alibaba, das als zu mächtig und potenziell bedrohlich angesehen wurde. Die geplante Börsennotierung von Ant Group wurde von den Behörden abrupt gestoppt.

Schneller schlau: So lernen Maschinen das Denken
Mit Kameras, Mikrofonen und Sensoren erkunden die Maschinen ihre Umwelt. Sie speichern Bilder, Töne, Sprache, Lichtverhältnisse, Wetterbedingungen, erkennen Menschen und hören Anweisungen. Alles Voraussetzungen, um etwa ein Auto autonom zu steuern.
Neuronale Netze, eine Art Nachbau des menschlichen Gehirns, analysieren und bewerten die Informationen. Sie greifen dabei auf einen internen Wissensspeicher zurück, der Milliarden Daten enthält, etwa über Personen, Orte, Produkte, und der immer weiter aufgefüllt wird. Die Software ist darauf trainiert, selbstständig Muster und Zusammenhänge bis hin zu subtilsten Merkmalen zu erkennen und so der Welt um sie herum einen Sinn zuzuordnen. Der Autopilot eines selbstfahrenden Autos würde aus dem Auftauchen lauter gelber Streifen und orangefarbener Hütchen zum Beispiel schließen, dass der Wagen sich einer Baustelle nähert.
Ist das System zu einer abschließenden Bewertung gekommen, leitet es daraus Handlungen, Entscheidungen und Empfehlungen ab – es bremst etwa das Auto ab. Beim sogenannten Deep Learning, der fortschrittlichsten Anwendung künstlicher Intelligenz, fließen die Erfahrungen aus den eigenen Reaktionen zurück ins System. Es lernt zum Beispiel, dass es zu abrupt gebremst hat und wird dies beim nächsten Mal anpassen.

Zusätzlich zu den regulatorischen Herausforderungen bekam Alibaba auch noch neue Konkurrenz. Pinduoduo, ein aufstrebendes chinesisches Unternehmen, das im Ausland unter dem Namen Temu große Erfolge feierte, wurde zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber.

Alibaba reagierte mit dem größten Firmenumbau seiner Geschichte. Das Top-Management um CEO Eddie Wu und Chairman Tsai leitete den Turnaround ein. Zunächst ging es darum, das Kerngeschäft zu stärken. Nebenprojekte wurden reduziert und die großen Shopping-Plattformen Taobao und Tmall wieder ins Zentrum gerückt. Dann folgte die klare Ansage: KI ist der neue Fokus.

Unter dem Eindruck des Erfolgs von ChatGPT begann Alibaba, verstärkt in KI-Forschung und -Talente zu investieren. Man priorisierte den Ausbau des Cloud-Geschäfts, da es die Grundlage für die KI-Entwicklung bildet. Zudem beteiligte sich Alibaba an mehreren chinesischen KI-Startups wie Moonshot und Zhipu. Auch ein hauseigenes KI-Modell wurde trainiert. Qwen 2.5 überzeugte erst im Januar wieder mit Testergebnissen, die selbst DeepSeek teilweise in den Schatten stellten.

Alibaba hat aber anderes im Sinn, als sich zwangsläufig an die Spitze im Rennen um die leistungsfähigste KI zu setzen. Unternehmen und Forscher sollten sich eher darauf konzentrieren, KI-Lösungen zu entwickeln, die reale Probleme lösen und praktischen Nutzen bieten, argumentierte Tsai in Dubai.

Auch Peking, das im Tech-Rennen mit den USA unter Druck steht, scheint derweil seinen Gräuel gegen Alibaba-Gründer Jack Ma überwunden zu haben. Am Montag durfte Jack Ma an der Seite mit anderen berühmten Tech-Größen in Peking an einem Treffen mit Staats- und Parteichef Xi Jinping teilnehmen.

Peking signalisiert zwar bereits seit einiger Zeit, dass die Regulierungs-Kampagne gegen die Konzerne vorbei ist. Stattdessen werden die Unternehmen nun als wichtige Unterstützung für die Modernisierungspläne des Landes gesehen. Dass Ma nun aber wieder mit Xi an einem Tisch sitzen darf, dürfte diese Botschaft noch einmal unterstreichen – und Alibaba damit weiteren Aufwind verschaffen. Somit könnte auch ein Börsengang der Ant Group wieder näher rücken.

Lesen Sie auch: Ist die Alibaba-KI besser als DeepSeek?

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick