Mobilfunk: Wie Telefónica Spusu aussperren will
Smartphone unter Wasser
Hier zählt Schnelligkeit, sagt Rainer Beckmann, der ein Repair-Café in Düsseldorf betreibt. „Zunächst: Sofort ausschalten, sollte es noch eingeschaltet sein. Als Nächstes sind alle losen Teile wie Sim- oder SD-Karte und der Akku zu entfernen”, rät er. Dann wird sichtbares Wasser abgetupft und das Smartphone für 24 bis 48 Stunden in einen Beutel Reis gelegt. Reis entzieht die restliche Feuchtigkeit.
Foto: dpaSmartphone unter Wasser
Mit etwas Glück funktioniert das Smartphone danach wieder. Auch wenn dann nicht garantiert ist, dass es keine Folgeschäden gibt, sagt Cem Caliskan, Mobilfunkhändler aus Erkrath. Deshalb führt auch kein seriöser Händler bei solchen Schäden eine Reparatur durch.
Foto: dpaSperrcode vergessen
iPhones werden gelöscht, wenn man zu oft den falschen Code eingibt. Dann lassen sie sich per iCloud, iTunes oder den Wartungszustand entsperren und wiederherstellen. Ohne Datensicherung sind dann allerdings alle Daten futsch. Genaue Anleitung zum Wiederherstellen gesperrter Telefon gibt Apple auf seiner Webseite.
Foto: dpaSperrcode vergessen
Androidbesitzer können ab Version 5.0 Googles Android Geräte-Manager auf der Google-Webseite nutzen, um die Passwortsperre zurückzusetzen. Eine Einschränkung gibt es aber: Der Geräte-Manager muss auf dem Smartphone aktiviert sein, bevor man den Code vergisst.
Foto: HandelsblattDisplay kaputt
Ein gesprungenes Display kann noch funktionieren. Markus Merkle warnt aber davor, es über einen längeren Zeitraum weiter zu verwenden. „Einerseits können durch die Risse Schmutzpartikel und Feuchtigkeit ins Telefon eindringen, andererseits besteht Verletzungsgefahr für den Benutzer.” Erste Hilfe für das Display kann hier auch nachträglich eine Schutzfolie als „Pflaster” sein. In jedem Fall sollte aber das Display so schnell wie möglich ausgetauscht werden.
Foto: dpaZerkratztes Display
„Displayfolien sind unerlässlich”, sagt Caliskan. Dann kommt es erst gar nicht so weit. Alle paar Monate sollte die Folie ersetzt werden. Wenn das Display leicht zerkratzt ist, helfen auch bestimmte Polituren. Hierbei rät Markus Merkle von „Handysektor.de”: „Setzen Sie auf Markenqualität. Gute Polituren geben an, für welche Modelle sie geeignet sind.” Der Grund: Einige Smartphones haben Glas-, andere Kunststoffdisplays und brauchen unterschiedliche Polituren. Vom Polieren mit Zahnpasta rät er dringend ab.
Foto: dpaHandy ist „eingefroren” und reagiert nicht mehr
Den Akku entnehmen und wieder einsetzen, ist der leichteste Weg. Geht das nicht, hilft ein „Hard Reset”. Dazu werden bei Androidgeräten meist der Knopf für die Displaysperre und eine der beiden Lautstärketasten zusammen gedrückt. Bei iPhones müssen gleichzeitig die Home- und die Sperrtaste gedrückt gehalten werden. Im Zweifel wartet man, bis der Akku sich selbst geleert hat. Manchmal wirkt auch ein Anruf auf dem streikenden Telefon Wunder.
Foto: dpaHandy gestohlen
Hier helfen die Apps „iPhone-Suche” für iOS und der Android Geräte-Manager. Sie erlauben das Aufspüren und im Notfall auch das Löschen des Telefons aus der Ferne, erklärt Rainer Beckmann. Das Telefon sollte sofort nach Bemerken des Diebstahls beim Netzbetreiber gesperrt werden.
Foto: dpaHandy gestohlen
Für die Anzeige bei der Polizei braucht man auch die Imei-Nummer des Gerätes. Mit ihr können gefundene Geräte zurück zum Eigentümer gelangen. Die Imei-Nummer befindet sich auf der Rechnung und der Verpackung des Telefons oder wird nach Eingabe von „*#06#” angezeigt.
Foto: dpaHandy stumm geschaltet - und dann verlegt
Auch hier helfen „iPhone-Suche” und der Android Geräte-Manager. „Über diese Konten können, je nach Modell, trotz Stummschaltung, Signaltöne ausgesendet werden”, so Markus Merkle. Klappt das nicht, weiß Beckmann Rat: „Die meisten Smartphones senden einen Warnton, wenn der Akku zur Neige geht – auch, wenn sie auf stumm geschaltet sind.” Hier heißt es also: Warten und die Ohren offen halten.
Foto: dpaFranz Pichler ist ein ganz kleiner Fisch im Haifischbecken der großen Mobilfunkkonzerne. Seine Firma heißt Mass Response, beschäftigt gerade mal 50 Mitarbeiter und meldete im vergangenen Jahr einen Umsatz von mickrigen sieben Millionen Euro.
Doch das dürfte sich bald ändern: Der 50-Jährige Firmengründer nimmt den österreichischen Platzhirschen mit seinem neusten Produkt seit geraumer Zeit eine stattliche Zahl an Stammkunden weg.
Unter dem schräg klingenden Kunstnamen „spusu“ – die Buchstaben stehen für „sprich und surf“ – zettelt Pichler seit Juni 2015 mit supergünstigen Tarifen für Smartphones einen Preiskampf in der Alpenrepublik an. Verträge mit einem Datenvolumen von 1,3 Gigabyte verkauft „spusu“ schon für sechs Euro pro Monat, zehn Gigabyte kosten gerade mal 19,79 Euro pro Monat. Bei den etablierten Anbietern müssen Kunden häufig das Doppelte zahlen. 50.000 Mobilfunkkunden konnte spusu mit solchen Discount-Tarifen bereits gewinnen.
Für Pichler ist Österreich der Testlauf für eine europaweite Expansion. Als nächstes will der Discounter seine Schnäppchen deutschen Kunden schmackhaft machen. Doch der eigentlich für diesen Sommer geplante Stapellauf verzögert sich. Der Grund: Der Mobilfunkbetreiber Telefónica boykottiert den Konkurrenten aus dem Nachbarland.
Seit der Fusion von Telefónica (bekannt unter der Marke O2) und E-Plus ist der spanische Konzern mit 43 Millionen aktiven Sim-Karten der nach Kundenzahl größte deutsche Mobilfunker. Weil der Telekom-Gigant so mächtig ist, sollen Wettbewerber wie spusu bei ihm vorstellig werden, wollen sie auf den deutschen Markt. Seit zwei Jahren verhandelt Pichler bereits mit Telefónica. Doch bislang gibt es – so Pichler – „keine nennenswerten Fortschritte“.
Ist Telefónica verpflichtet, spusu in den Markt zu lassen?
Dabei wäre Telefónica nach Ansicht von Pichler verpflichtet, spusu rein zu lassen. Die Brüsseler EU-Kommission hatte den Zusammenschluss von E-Plus und Telefónica im Jahr 2014 nur unter der Auflage gebilligt, dass der neue Telekom-Riese das zusammengelegte Mobilfunknetz für Neulinge öffnet und einen Teil der Netzkapazitäten zu günstigen Einkaufskonditionen für Untermieter bereitstellt. Im Fachjargon heißen solche Discounter virtuelle Mobilfunkbetreiber.
Der Begriff taucht auch in der Entscheidung der EU-Kommission auf. Doch zwischen Telefónica und spusu gibt es unterschiedliche Auffassungen, wie er zu interpretieren ist. Nach Ansicht von Telefonica – so steht es zumindest auf einer für Interessenten eingerichteten Web-Seite - fallen darunter nicht Mobilfunkanbieter, die weitgehend autonom mit eigener Festnetzinfrastruktur die Mobilfunk-Stationen verbinden. Das aber plant spusu mit eigner Technik und entfacht damit den Streit. „Wir bieten an, wozu wir laut den Auflagen verpflichtet sind“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme von Telefónica. „Zu Verhandlungen mit einzelnen Interessenten äußern wir uns nicht.“
Mit dem Mobilfunkanbieter Drillisch schloss Telefónica etwa solch eine Vereinbarung. Mit Discount-Marken wie „Yourfone“ und „smartmobil“ sollte Drillisch die Rolle des einstigen Preisbrechers E-Plus übernehmen und so verhindern, dass die verbliebenen drei großen Mobilfunkbetreiber in Deutschland ein Oligopol mit annähernd gleichen Tarifen schaffen.
Diese Hoffnung erfüllte sich aber bisher nicht. Jüngste Statistiken zeigen: In kaum einem anderen europäischen Land kosten Telefonate und Internetdienste so viel wie in Deutschland. Für 35 Euro, ergab ein europaweiter Tarifvergleich des finnischen Marktforschers Digital Fuel Monitor, bekommen deutsche Smartphone-Nutzer lediglich ein Datenvolumen von durchschnittlich vier Gigabytes. In heftiger umkämpften Märkten wie in Frankreich gibt es für den gleichen Preis längst 50 Gigabytes, also ein zwölf Mal höheres Datenvolumen.
Mit „spusu“ könnte Deutschland diesen Rückstand möglicherweise schnell aufholen. Das meint auch das Bundeskartellamt, das Pichler unterstützt. „Wir würden den Marktzutritt eines virtuellen Netzbetreibers aus dem Ausland begrüßen“, heißt es in einem Schreiben der Bonner Wettbewerbshüter an die EU-Kommission, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Nach Ansicht der Kartellwächter ist das Verhalten von Telefónica nicht gerechtfertigt.
Rückendeckung vom Bundeskartellamt
Für die gesamte Branche hat das weitreichende Folgen: So lange der Mobilfunker sich quer stellt, werden auch die anderen Branchengrößen Deutsche Telekom und Vodafone kaum neue Wettbewerber rein lassen. Die Bonner Wettbewerbshüter, von Anfang an Kritiker der Fusion von O2 und E-Plus, sehen ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Es seien bisher „allenfalls geringfügige Anzeichen für eine nachhaltige positive wettbewerbliche Entwicklung erkennbar“, heißt es in dem Schreiben. Die Hoffnung, der durch die Fusion verursachte wettbewerbliche Schaden könne durch neue Anbieter kompensiert werden, erfüllte sich bisher nicht.
Pichler jedenfalls sieht sich ermuntert, auch juristisch gegen die Blockade von Telefónica vorzugehen. „Ich prozessiere ungern und hoffe weiter auf faire Verhandlungen, aber zur Not ziehe ich vor Gericht und kämpfe durch alle Instanzen."
