SAP-Kundenmesse Sapphire: SAP verspricht seinen Kunden 30 Prozent mehr Produktivität
Heute um neun Uhr Ortszeit wird Christian Klein in Orlando im US-Bundesstaat Florida die Eröffnungsrede auf der SAP-Hausmesse Sapphire halten. Dabei tritt der SAP-Vorstandschef mit einer in dieser Form seltenen Stärke auf die Bühne: Auch bei den Ende April veröffentlichten Finanzzahlen für das erste Quartal hat sich der Cloud-Motor der Walldorfer einmal mehr als krisenfest erwiesen. Nach einem zwischenzeitlichen Einbruch aufgrund der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump nähert sich auch die SAP-Aktie wieder ihrem Allzeithoch.
Klein kann also vergleichsweise entspannt auftreten – und wird die US-Bühne im weltweit größten Softwaremarkt doch nutzen, um das nächste Feuerwerk für SAP zu zünden. Schließlich erwirtschaftete der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware im vergangenen Jahr mit rund 11 Milliarden Euro ziemlich genau ein Drittel seines Umsatzes von gut 34 Milliarden Euro in den USA.
Unter anderem deshalb verlegen die Walldorfer ihre wirklich wichtigen Ankündigungen gerne auf die jährliche Kundenkonferenz, zu der der Konzern traditionell in den Sunshine State im Südosten der USA einlädt.
Betriebssystem für KI
So auch in diesem Jahr: Demnach bündelt SAP künftig seine verschiedenen Lösungen für künstliche Intelligenz (KI) in einer einheitlichen Softwareumgebung namens SAP AI Foundation. „Diese Umgebung muss man sich wie ein neues Betriebssystem für alle KI‑Angebote von SAP vorstellen“, sagte SAP-Cloudvorstand Thomas Saueressig in einem Journalisten-Gespräch vor der Kundenmesse. „Damit wird KI ein natürlicher Bestandteil jeder SAP-Applikation.“
Um das zu ermöglichen, macht SAP seinen Ende 2023 gestarteten KI-Assistenten Joule künftig überall verfügbar. Indem Joule umfassend integriert ist, soll er Anwender bei ihrer gesamten täglichen Arbeit innerhalb und außerhalb von SAP-Anwendungen begleiten, um Daten zu finden, in Echtzeit neue Einblicke zu bieten und Abläufe zu optimieren. Der SAP-Assistent werde also „omnipräsent und allgegenwärtig über SAP- und Nicht-SAP-Systeme hinweg“ Antworten auf geschäftsrelevante Fragen liefern, so Saueressig.
Der ehemalige Technikvorstand hat gleich ein Praxisbeispiel dafür parat: Wer beispielsweise in seinem Internetbrowser die Nachricht über neue Tarife eines Logistikanbieters lese, könne die entsprechende Zeile einfach kopieren und Joule fragen, was dies fürs eigene Geschäft bedeute. „Joule durchforstet dann unter anderem die Nicht-SAP-Daten über die neuen Tarife sowie die SAP-Daten im System des Kunden“, erläutert Saueressig. „Dadurch kann der Agent genau ermitteln, welche Auswirkungen die neuen Tarife auf die eigene Lieferkette oder die Preisstruktur haben.“
SAP-Suchmaschine fürs Business – mit Perplexity
Wichtiger Bestandteil dieses Ansatzes ist eine neue Partnerschaft mit dem amerikanischen KI-Start-up Perplexity – „Googles gefährlichstem Gegner“, wie die WirtschaftsWoche erst kürzlich titelte. Perplexity kombiniert eigene und fremde KI-Modelle zu einer KI-Suchmaschine, die quellengestützte Antworten in Echtzeit liefert. „Durch diese Partnerschaft bauen wir eine Art Business-Answer-Machine“ erläutert Saueressig. Egal welche Antworten man suche, die SAP-KI wird sie finden, weil künftig „SAP-Daten und Nicht-SAP-Daten gebündelt“ würden.
Schon heute nutzen laut Aussage von Thomas Saueressig mehr als 34.000 SAP-Kunden das unter dem Namen „Business AI“ zusammengefasste KI-Portfolio der Walldorfer. Dazu zählen neben dem Agenten Joule mehr als 230 vorkonfigurierte und mehr oder weniger direkt einsetzbare KI-Szenarien. Bis Jahresende will SAP sogar mehr als 400 solcher Lösungen an den Start bringen. „Dabei geht es aber nicht nur um die Zahl der Szenarien, sondern um den Mehrwert, den unsere Kunden damit erzielen“, sagt Saueressig.
Und der ist laut SAP tatsächlich beträchtlich: Mit Neuerungen wie dem nun überall verfügbaren KI-Assistenten Joule und einem erweiterten Netz von KI-Agenten, die über Systeme und Geschäftsbereiche hinweg arbeiten, wollen die Walldorfer eine neue Ära einläuten: SAP verspricht seinen Kunden unter anderem durch den allgemeinen Zugang zu KI einen Produktivitätsschub von bis zu 30 Prozent. „SAP kombiniert die weltweit leistungsfähigsten Geschäftsanwendungen mit Echtzeitdaten und den neuesten KI-Innovationen“, so Christian Klein. „Mit der Erweiterung von Joule, unseren Partnerschaften mit führenden KI-Pionieren und der Weiterentwicklung von SAP Business Data Cloud schöpfen wir das Potenzial von KI für Unternehmen aus.“
Lesen Sie auch: Der Cloud-Motor von SAP zeigt sich krisenfest – zumindest bisher