Übernahme-Prozess vorerst gestoppt Elon Musk macht den Twitter-Deal für sich günstiger – auf Kosten der Anleger

Quelle: imago images

Elon Musks Twitter-Gewitter zum Twitter-Deal könnte ein klarer Plan zugrunde liegen: Der Kurznachrichtendienst mag eine verkannte Goldmine sein. Aber warum viel bezahlen, wenn man sie günstiger haben kann?

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Es ist schon genial, was Elon Musk da wieder treibt. Satte 17 Milliarden Dollar gab Netflix im vergangenen Jahr für die Produktion von Spielfilmen und Serien aus. Denn der Wert von Medienunternehmen hängt davon ab, Publikum zu gewinnen und zu behalten. Funktioniert hat das bei Netflix diesmal zwar nicht richtig. Hits sind schwer planbar und höhere Abogebühren Gift. Das Unternehmen verlor zum ersten Mal in zehn Jahren nennenswert Kunden. Aber generell ist es das Geschäftsmodell. 17 Milliarden Dollar also. Fast genauso viel wie der Schraubenhersteller Würth im vergangenen Jahr an Umsatz verbuchte – auch das ein Rekordwert.

Wie sehen zündende Inhalte á la Musk aus? Er tweetet in den frühen Morgenstunden des 13. Mai, dass seine 44 Milliarden Dollar teure Twitter-Übernahme auf Eis liegt. Die Netflix-Serie „Stranger Things“ könnte keinen besseren Cliffhanger liefern. Die Erklärung mutet nur auf den ersten Blick merkwürdig an. Anscheinend stört sich Musk daran, dass Twitter öffentlich erklärt, weniger als fünf Prozent gefälschte Konten zu haben. Eigentlich eine gute Nachricht, was den Wert des Kurznachrichtendienstes heben sollte. Aber vielleicht will Musk ja das Gegenteil erreichen?

Musk glaubt, dass die Zahl der gefälschten Profile viel höher ist. Schließlich hat er verkündet, Twitter von den ganzen Spam-Robotern zu befreien und im Zuge dessen möglichst viele Nutzer zu identifizieren. Wenn es nur unter fünf Prozent sind, dann sollte das keine Priorität sein.





Das weltweite Schlagzeilengewitter kommt in Gang. Zwei Stunden später löst Musk den Cliffhanger mit einem Tweet. Er stehe immer noch zur Übernahme. Twitter schließt trotzdem mit fast zehn Prozent im Minus. Der Adrenalinstoß hat Aufmerksamkeit in Twitter gepumpt. Musk hat mit ein bisschen Drücken auf dem Smartphone Furore erzeugt, für die andere viel Geld investieren müssen. Auch wenn zunächst nur Musk profitiert. Denn der Börsenwert des Kurznachrichtendienstes liegt nun 12 Milliarden Dollar unter seinem Gebot.



Musk demonstriert damit, dass die Twitter-Aktionäre, die der Übernahme noch zustimmen müssen, ihm eigentlich zu Füßen liegen müssten. Durch das jüngste Abrutschen der Tech-Werte erscheint seine Offerte immer großzügiger. Denn momentan könnte er so richtig einkaufen gehen: Uber, eine weltweit bekannte Marke, ist nur noch 47 Milliarden Dollar wert. Ebay, eine Ikone des frühen Internets, ist auf 26 Milliarden Dollar gerutscht. Palantir, die Perle im Portfolio seines Weggefährten Peter Thiel? Nur noch 17 Milliarden Dollar wert.

Börsenwert ist nicht gleich Kaufwert, aber ein Anhaltspunkt. Wie sieht es mit anderen sozialen Netzwerken aus? Facebook oder neuerdings Meta ist zwar mächtig gefleddert, aber spielt mit 562 Milliarden Dollar in einer anderen Liga. Wettbewerber Snap hat hingegen 40 Milliarden Dollar Börsenwert, Pinterest sogar nur noch 14 Milliarden Dollar. Beide eint, dass sie mehr monatliche Nutzer haben als Twitter. Mehr noch: Pinterest scheint ein Schnäppchen. Es hat im vergangenen Jahr ansehnliche 316 Millionen Dollar verdient.

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Twitter hat zwar eine große Klappe und vor allem publizistischen Einfluss. Doch es ist katastrophal geführt, verlor 2021 rund 221 Millionen Dollar. Im vergangenen Jahrzehnt, einer goldenen Dekade für soziale Netzwerke, machte Facebook rund 145 Milliarden Dollar Profit. Twitter verlor 1,3 Milliarden Dollar.



Wenn Twitter also tatsächlich eine Goldmine ist, muss diese erst noch erschlossen werden. Musks Hypothese ist, dass mit einer Generalinventur der Kundenkonten und etwaigen Abogebühren zu erreichen. Er will den Twitter-Umsatz in den nächsten sechs Jahren von fünf Milliarden Dollar auf 28 Milliarden Dollar verfünffachen.

Aber warum mehr bezahlen, was man günstiger haben kann? Nur wenige Tage nach dem Twitter-Gewitter kündigt Musk an, das Angebot an Aktionäre des Online-Dienstes womöglich zu senken. Ein Deal zu einem niedrigeren Gebot sei „nicht außer Frage“, sagte Musk in einem Video-Interview bei einer Konferenz am Montag.

Twitter wird derweil jeden Tag dysfunktionaler. Selbst Mitarbeiter, die viele Jahre den abrupten Führungsstil von Twitter-Mitgründer Jack Dorsey erduldeten, suchen das Weite. Oder werden von seinem Nachfolger Parag Agrawal entlassen. Wie Produktchef Kayvon Beykpour oder der für das Ankurbeln von Einnahmen zuständige Manager Bruce Falck. Nicht gerade unwichtige Positionen.

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Die Cliffhanger dürften Musk so schnell nicht ausgehen. Falls ihm nicht die Anwälte der US-Börsenaufsicht SEC auf die Finger klopfen. Aber das hat ihn ja noch nie gestört. Vielleicht sollte Musk mal erwähnen, was er so alles für 44 Milliarden Dollar an abgestraften Tech-Unternehmen übernehmen kann. Auch wenn er es nicht ernst meint, schließlich geht nichts über einen guten Twitter-Scherz. Aufmerksamkeit ist garantiert. Besonders bei Twitter-Aktionären.

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