Michael Diekmann im Interview Allianz-Chef hält Garantie-Zinsen für Auslaufmodell

Der Allianz-Chef hält lebenslang garantierte Zinsen für ein Auslaufmodell, glaubt nicht an eine rasche Erholung der Weltwirtschaft und fürchtet die Konkurrenz der Vergleichsportale.

Michael Diekmann, 58, Chef des weltgrößten Versicherers Allianz, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Diekmann, die Signale sind widersprüchlich: US-Notenbankchef Ben Bernanke will das Tempo bei den Anleihekäufen drosseln, EZB-Chef Mario Draghi kündigte eine lange Niedrigzinsphase an. Kommt nun eine Zinswende oder nicht?

Diekmann: Bei US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit sind die Renditen in den vergangenen vier Wochen um etwa 0,5 Prozent gestiegen. Das ist enorm. Wir sind dort jetzt bei einer Rendite von 2,6 Prozent. Ich glaube, dass die Rendite für US-Staatsanleihen bis Ende 2014 weiter steigen wird. In Europa erwarte ich einen langsameren Anstieg.


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Was sollten Anleger angesichts der extrem niedrigen Zinsen jetzt mit ihrem Geld tun?

Das fragt mich jeder Besuch, egal, ob privat oder geschäftlich.

Was antworten Sie Ihrem Besuch?

Er oder sie sollte das Geld der Allianz anvertrauen. Wir wissen, wie man richtig investiert.

Die 10 größten Versicherer Europas
AllianzDie Allianz verfügt in Deutschland über die bekannteste Marke im Versicherungssektor. 2010 hat die Gruppe weltweit 5,2 Milliarden Euro verdient und Einnahmen von mehr als 100 Milliarden Euro erzielt. Neben dem Versicherungsgeschäft ist das Management großer Vermögen das zweite Standbein des Konzerns geworden. Mit Pimco besitzt die Allianz den am stärksten beachteten Anleihenmanager. Quelle: Handelsblatt Quelle: dapd
AxaDer größte französische Versicherer konkurriert mit der Allianz um die Marktführerschaft in Europa. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Einnahmen auf 91 Milliarden Euro. Der Gewinn sank um ein Viertel auf 2,75 Milliarden Euro, weil Sanierungsarbeiten nach der Finanzkrise das Ergebnis belasteten. Quelle: Reuters
GeneraliDer Marktführer in Italien ist traditionell stark im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten. 2010 flossen rund 73 Milliarden Euro in die Kassen, 1,7 Milliarden Euro verblieben als Gewinn. Quelle: dpa/dpaweb
AvivaDie britische Gruppe konzentriert sich in Europa neben dem Heimatmarkt auf weitere sieben Märkte: Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland, die Türkei und Russland. Die Einnahmen beliefen sich 2010 auf mehr als 50 Milliarden Euro. Rund zwei Milliarden Euro verdiente der Konzern. Quelle: Reuters
Zurich FinancialLängst ist der Versicherer über die Schweiz hinaus gewachsen. International ist die in Dollar bilanzierende Gruppe ein direkter Konkurrent von Allianz und Axa. 2010 flossen umgerechnet 49 Milliarden Euro in das Unternehmen, über zwei Milliarden Euro betrug der Gewinn unter dem Strich. Quelle: Reuters
Munich REDer weltgrößte Rückversicherer hat zwei Standbeine: Das Geschäft mit anderen Versicherern sowie das Privatkundengeschäft, das vor allem über die Tochter Ergo läuft. Mehr als 45 Milliarden Euro an Prämien flossen 2010 in die Kasse, dabei verblieb ein Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro. Quelle: dpa
CNP AssurancesDer Versicherer ist in Frankreich führend im Verkauf von Lebensversicherungen. 33 Milliarden Euro an Prämien fließen im Jahr hinein, eine Milliarde Euro Gewinn zieht der Konzern daraus. Quelle: Screenshot

Aber auch bei der Allianz sinkt die Verzinsung von Lebensversicherungen stetig. Können Sie dieses Produkt trotzdem noch guten Gewissens empfehlen?

Ja, natürlich. Die Lebensversicherung ist kein Spekulationsinvestment. Der Sinn ist, dass ich im Todesfall einen Schutz habe und am Ende mehr Geld ausbezahlt bekomme, als ich eingezahlt habe. Dass wir Versicherer uns bei der Anlage dieser Gelder in einer Stresssituation befinden, liegt daran, dass der Staat niedrige Zinsen will. Dass die Allianz Leben vor diesem Hintergrund zuletzt eine gesamte Verzinsung von 4,2 Prozent bieten konnte, ist schon eine Sensation.

Wie verändern Sie angesichts der niedrigen Zinsen Ihre Anlagestrategie?

Bei Neuanlagen sind derzeit Bundesanleihen sicher nicht attraktiv. Beim Kauf von Papieren einiger südeuropäischer Staaten können die Risikogesichtspunkte nicht ignoriert werden. Wir streuen daher sehr breit. Wir gehen in Schwellenländer, wir investieren in Infrastruktur, und wir vergeben Darlehen an Mittelständler.

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Trotzdem: Die niedrigen Zinsen müssen doch extrem schmerzen.

In einem Umfeld, in dem wenig zu verteilen ist, kommt uns unsere Größe zugute. Wir haben am Neugeschäft bei Lebensversicherungen in Deutschland einen Anteil von 23 Prozent mit steigender Tendenz. Wir arbeiten zur Hälfte der Kosten des Marktes und erwirtschaften im Schnitt bei der Kapitalanlage 50 Basispunkte mehr Rendite als die Wettbewerber.

Könnten mittelfristig einige kleinere Versicherer wegen der niedrigen Zinsen vom Markt verschwinden?

Die Situation wird sicherlich nicht einfacher, wenn wir für lange Zeit einen realen Nullzins haben. In einem normalen Umfeld ist das System sehr resistent, auch wegen der harten Regulierung in Deutschland. Wenn allerdings die Menschen den Glauben an die Lebensversicherung verlieren würden und das Neugeschäft dauerhaft einbricht, wird es für die Industrie schwieriger.

Im vergangenen Jahr sind die Neubeiträge der Allianz beim Geschäft mit Lebensversicherungen geschrumpft. Wie wird sich das Neugeschäft für Lebensversicherungen 2013 entwickeln?

Für die Allianz erwarten wir, dass sich das Neugeschäft 2013 ähnlich wie im Vorjahr entwickeln wird.

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