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US-Notenbank Erholung der US-Wirtschaft wird sich laut Fed noch hinziehen

Bis zur Vollbeschäftigung sei es in den USA noch ein weiter Weg. Das sagte US-Notenbank-Chef Powell bei der halbjährlichen Anhörung vor dem Kongress.

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Der Chef der Federal Reserve betont: Mit einer vollständigen Genesung der US-Wirtschaft sei erst zu rechnen, wenn die Bürger von der Eindämmung der Corona-Pandemie überzeugt seien. Quelle: Reuters

Trotz des jüngsten Lichtblicks am Arbeitsmarkt wird sich die Erholung der US-Wirtschaft laut der Notenbank Fed hinziehen. Mit einer vollständigen Genesung sei erst zu rechnen, wenn die Bürger von der Eindämmung der Corona-Pandemie überzeugt seien, betonte Fed-Chef Jerome Powell am Dienstag bei der halbjährlichen Anhörung vor dem Kongress.

Er sagte in der Video-Konferenz vor dem Bankenausschuss des Senats, direkte Hilfen für Haushalte und Firmen könnten „den entscheidenden Unterschied machen“, um den langfristigen Schaden für die Konjunktur zu begrenzen.

Wahrscheinlich würden weitere Hilfen vom Kongress und von der Fed nötig, um die Konjunkturerholung zu stützen. Die Wirtschaft werde sich aber auf jeden Fall wieder fangen.

Die Corona-Krise hat in den USA Vollbeschäftigung in Massenarbeitslosigkeit umschlagen lassen: Mehr als 20 Millionen Amerikaner verloren im April ihren Job, bevor im Mai ein vorläufiges Ende einsetzte und wieder 2,5 Millionen Jobs geschaffen wurden.

Die Fed geht im Mittel davon aus, dass die Arbeitslosenquote zum Jahresende noch bei 9,3 Prozent liegen wird. Powell zeigte sich jedoch optimistisch, dass das Schlimmste überstanden sei und die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen werde. Es sei zu erwarten, dass viele Amerikaner schon im Sommer wieder in Lohn und Brot seien. Doch liege insgesamt „noch ein weiter Weg“ vor den USA, in denen vor der Corona-Krise praktisch Vollbeschäftigung herrschte.

Lob für Barschecks an Bürger

Millionen Amerikaner waren im Rahmen eines staatlichen Krisenpakets Barschecks in Höhe von jeweils 1200 Dollar zugeschickt worden. Powell sagte, das jüngste Rekordplus bei den Einzelhändlern sei ein Beleg dafür, dass die Nachfrage auch dadurch stimuliert worden sei.

Die Einzelhändler nahmen im Mai 17,7 Prozent mehr ein als im Vormonat - der höchste Wert seit Beginn entsprechender Statistiken im Jahr 1992.

Auch die Fed hat durch zahlreichen Notfallprogramme mit dazu beigetragen, die Wirtschaft über Wasser zu halten. Zu Wochenbeginn startete ihr als „Main Street Lending Facility“ bekanntes Programm mit einem Gesamtvolumen von 600 Milliarden Dollar.

Es soll Firmen mit bis zu 15.000 Mitarbeitern oder einem Umsatz von höchstens fünf Milliarden Dollar helfen, die Krise zu meistern. Die Notenbank hat zudem gerade den Startschuss für Firmenanleihenkäufe gegeben, nachdem sie im Rahmen ihres unter dem Kürzel SMCCF bekannten Programms zunächst Anteile von Börsenfonds auf dem Sekundärmarkt erworben hatte.

Powell betonte, das Programm könne bei Bedarf heruntergefahren oder auch gestoppt werden, wenn sich die Märkte wie gewünscht stabilisiert hätten.

Jüngst hatte die Fed auch über die Kontrolle der Zinskurve gesprochen - im Fachjargon Yield Curve Control (YCC) genannt. Dabei geht es darum, neben kurzfristigen auch längerfristige Zinsen zu steuern - ein Verfahren, das die japanische Notenbank bereits seit Jahren anwendet.

Powell sagte, die Fed habe dazu „absolut noch keine Entscheidung getroffen“. Man sei noch in einem sehr frühen Stadium der Bewertung.

„Angesichts der jüngsten und in der Summe ziemlich erfreulichen US-Wirtschaftsdaten ist es Fed-Chef Powell bei seinem Auftritt vor dem Ausschuss natürlich etwas schwerer gefallen, bei der Einschätzung der Lage der US-Ökonomie nachhaltig negativ zu klingen, um so das Zinsniveau in den Vereinigten Staaten nicht zu deutlich anziehen zu lassen“, so das Resümee von Ökonom Tobias Basse von der NordLB.

Powell habe daher die Rolle der Verunsicherung betont, die auf der US-Wirtschaft laste.

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