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Mehr Geld für RüstungWo Rüstungs-ETFs zur Verteidigung beitragen

Europa wird bedroht. Mit ETFs in die heimische Rüstungsindustrie zu investieren, klingt daher mehr als sinnvoll. Doch haben die Unternehmen überhaupt etwas davon?Sebastian Schug 12.03.2025 - 16:56 Uhr
Lynx-Kampffahrzeuge an einer Produktionslinie im Werk von Rheinmetall. Foto: REUTERS

Europa ist in Aufruhr, Amerika wirkt nicht länger als der verlässliche Partner von einst. Während die Politik in London, Paris, Brüssel und Berlin über Wege diskutieren, wie die Sicherheit des Kontinents finanziert werden soll, sind die Bürgerinnen und Bürger nur Zuschauer. Oder?

Nicht ganz. An den Börsen sind europäische Rüstungsunternehmen derzeit ein Kassenschlager, egal ob Rheinmetall, Leonardo oder Kongsberg. Die Kurse steigen. Wer sich gegen ein Klumpenrisiko absichern und nicht nur in einzelne Aktien, sondern breit in den Sektor investieren will, für den bieten sich ETFs an. Doch bei aller Euphorie bleibt die Frage: Kommt dieses Geld den Firmen überhaupt zugute – oder nur den Fondsanbietern?

Ein ETF – kurz für Exchange Traded Fund – investiert üblicherweise in alle Aktien eines bestimmten Index. Der Index enthält die Aktien verschiedener Unternehmen. Der ETF baut diesen auf die eine oder andere Art nach, im Finanzjargon Replikation genannt. Vereinfacht gilt also: Wer einen ETF-Anteil erwirbt, für den kauft der Fondsanbieter entsprechend Aktien der Unternehmen. Dafür entrichtet der Anleger eine Gebühr. Die Nachfrage stützt den Kurs der Rüstungsaktien, doch zu den Unternehmen fließt erstmal kein Cent. Denn sie haben nur bei ihrem Börsengang mit den ausgegebenen Aktien Geld eingesammelt. Alle weiteren Kurssteigerungen spülen ihnen hingegen kein Geld in die Kasse. Sind ETFs also weniger nützlich als gedacht? Um das zu beantworten, muss man sich die Finanzierungsfragen genauer anschauen.

Europe First

Zunächst einmal dürfen alle, die mit ihrer ETF-Investition den Rüstungsunternehmen etwas Gutes tun wollten, aufatmen. Denn auch der European Parliamentary Research Service (EPRS), das europäische Gegenstück zum Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags, sieht in ETFs Potenzial. Gegenüber der Financial Times (ft) gab der EPRS-Analyst Kjeld van Wieringen an, in den vergangenen Wochen Gespräche mit Fondsanbietern zur Schaffung rein europäischer Rüstungs-ETFs geführt zu haben.

Aktuell gibt es auf dem Markt genau einen solchen Indexfonds, den WisdomTree Europe Defence ETF (IE0002Y8CX98). Der Fonds ist erst kürzlich bei Xetra, dem wichtigsten Handelsplatz der Deutschen Börse, gestartet. Die Londoner Gesellschaft WisdomTree ist damit Vorreiter, andere Rüstungs-ETFs, wie der VanEck Defense ETF (ISIN: IE000YYE6WK5) oder der HANetf Future of Defense ETF (ISIN: IE000OJ5TQP4) enthalten zu einem großen Teil amerikanische Werte.

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Der US-Fokus ergibt sich nicht nur durch die schiere Größe der US-Verteidigungsindustrie, sondern auch aufgrund ihrer Struktur. Darauf verweist auch Rainer Bernnat, Experte für die Verteidigungsindustrie bei der Beratungsgesellschaft PwC: „Nur ein Teil der Rüstungsunternehmen (ist) aktuell börsennotiert, insbesondere im europäischen Raum.“ Während auf der anderen Seite des Atlantiks viele der Unternehmen an der Börse gelistet sind, sieht das bei der oft mittelständisch geprägten europäischen Branche anders aus.

Das mangelnde Angebot spiegelt sich auch im neuen Produkt von WisdomTree wider: Der deutsche Hersteller Rheinmetall hat einen Anteil von 18 Prozent. Normalerweise dürfen ETFs im Rahmen der europäischen UCITS-Regeln maximal 20 Prozent in einen Einzelwert investieren; meist liegt der Anteil einzelner Werte deutlich niedriger. Mit einer Investition ist also im Vergleich zu herkömmlichen ETFs ein etwas höheres Risiko verbunden.

Beitrag über Bande

Angenommen, dieses Risiko ist den Anlegern die Sicherheit des Kontinents wert, wo zahlt sich diese Bereitschaft nun aus? Kenneth Lamont von der Analysefirma Morningstar ist gegenüber der britischen Tageszeitung „Financial Times“ deutlich: „Wenn Sie eine steigende Aktie kaufen, profitiert der Verkäufer, nicht das Unternehmen.“ Am einfachsten profitiere ein Unternehmen von einer Eigenkapitalerhöhung, doch das sei die teuerste Art der Finanzierung. Stattdessen bevorzugen Unternehmen zur Finanzierung Kredite, also Schulden. Und genau hier könnten ETFs doch helfen.

Wenn Sie eine steigende Aktie kaufen, profitiert der Verkäufer, nicht das Unternehmen.
Kenneth Lamont
Morningstar-Analyst

Die These, die sowohl Lamont als auch PwC-Experte Bernnat stützen und die der EPRS prüft, ist folgende: Steigt der Wert einer Aktie, ist das aus Sicht von Kapitalgebern wie Banken ein Zeichen dafür, dass der Markt die Aussichten auf Gewinne und entsprechende Dividenden als hoch einschätzt. Geldgeber, die sich fragen, inwieweit ein Unternehmen in der Lage ist, Kredite in Zukunft zu bedienen, könnte das ermuntern, der Rüstungsbranche bessere Kreditbedingungen einzuräumen.

Für nicht börsennotierte Unternehmen bleibt aus Sicht Bernnats dagegen vor allem der Anleihemarkt als kostengünstige Variante zur Kapitalbeschaffung. Insgesamt sieht er Aktien und ETFs nur als ein Puzzlestück im Gesamtbild der Finanzierung: „ETFs vereinfachen jedoch Investitionsmöglichkeiten für private Anleger im Verteidigungssektor.“

Auf die Politik kommt es an

Der Experte sieht den größten Hebel weiter bei der Politik. Die Ideen, die gerade in Deutschland diskutiert werden – Sondervermögen und gelockerte Schuldenbremse – erweitern demnach die Spielräume. „Positive Effekte auf beiden Seiten treten allerdings nur ein, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden“, sagt er. Nur dann können die Hersteller ihre Kapazitäten auch tatsächlich ausbauen.

Hierzu gehören seinen Worten nach einerseits die verbindlichen Abnahmezusagen der Politik, die Erlaubnis, Waffen auf Vorrat zu produzieren und die Reform der Planungs- und Beschaffungsprozesse im Verteidigungsministerium. Helfen würde das zunächst den Lieferanten der Hauptwaffen-Systeme, also Panzer, Flugzeuge und Artillerie. Deren Lieferfähigkeit hänge jedoch in zweiter Instanz an hunderten, meist mittelständischen Zulieferunternehmen. Auch hier müsse diese Planbarkeit „ankommen“.

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