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Der Dax ist am Freitag über die Schwelle von 23.000 Punkten gesprungen. Foto: IMAGO

Riedls Dax-RadarWie der Dax den Risiken aus den USA trotzt

Der Kursrutsch der US-Aktien verunsichert die Weltbörsen. Mit starken Einzelwerten hält der Dax dagegen – und dreht zum Wochenende sogar auf. Ist das von Dauer?Anton Riedl 14.03.2025 - 19:27 Uhr aktualisiert

Die neue Schwäche Amerikas zeigt sich nirgends so deutlich wie an den Kapital- und Wertpapiermärkten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist innerhalb von zwei Monaten von 4,8 auf 4,15 Prozent gesunken. Schon die Renditespitze im Januar lag, genau wie die im April 2024, ein gutes Stück unter dem langjährigen Hoch vom Oktober 2023 von 5,0 Prozent. Seit mehr als einem Jahr reagiert der Bondmarkt damit nicht nur auf die rückläufige Inflation. Er signalisiert auch, dass die US-Wirtschaft keineswegs so stabil ist, wie lange Zeit angenommen.

Gut möglich, dass Amerikas Konjunktur nach bisherigen Wachstumsraten um drei Prozent bald nur noch mit einem Tempo um zwei Prozent zulegt. Sollte sich diese Tendenz verfestigen und auch die Inflationsrate, die im Januar von 3,0 auf 2,8 Prozent zurückgegangen ist, weiter abwärts tendieren, könnten die Bondrenditen unter das jüngste Tief bei 4,15 Prozent rutschen. Theoretisch wäre dann Spielraum bis zum nächsten Tief bei 3,6 Prozent, das der Markt im September 2024 markiert hat.

Wie bei den Anleiherenditen geht es auch an den Währungsmärkten mit dem US-Geld seit zwei Monaten bergab. Um mehr als sechs Prozent hat der Dollarindex DXY seit Januar verloren. Die jüngste Stärke des im Währungskorb des DXY hoch gewichteten Euros sowie des britischen Pfund Sterling, die beide durch die jüngste europäische Rüstungsoffensive beflügelt werden, hat die Dollar-Schwäche noch offensichtlicher werden lassen.

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Auch wenn im Dollar kurzfristig eine Erholung in der Luft liegt, zeigt die mittelfristige Tendenz nach unten. Der Euro, der aktuell um 1,08 Dollar gehandelt wird, könnte dabei wieder bis zu seinen letztjährigen Hochpunkten bei 1,12 Dollar klettern.

Einbruch bei Hightechs, Rückschlag für Konsumaktien

Besonders heftig erwischte es die amerikanischen Aktienmärkte. So gelang es dem Technologieindex Nasdaq 100 schon Anfang des Jahres nicht mehr, mit den haussierenden europäischen Börsen Schritt zu halten. Mitte Februar scheiterte der Nasdaq daran, ein neues Hoch zu bilden. Danach folgte ein heftiger Absturz, dessen Ende bis zur Stunde offen ist. Hinter der Nasdaq-Schwäche stecken vor allem umfangreiche Abverkäufe der bis vor kurzem hoch bewerteten Favoriten Tesla, Alphabet, Nvidia, Apple oder Amazon.

Brisant für den Dax ist, dass die Schwäche der US-Aktienmärkte aber nicht nur mit der massiven und im Grunde schon länger erwarteten Korrektur der Hightechs zu tun hat. Auch der klassische Dow Jones, der zwischen 42.000 und 45.000 Punkten eine obere Trendwende in Form eines typischen Doppelhochs gebildet hat, drückt nach unten.

Auffallend schwach sind seit kurzem auch die großen Konsumwerte Home Depot und Walmart. Hinter beiden Kurseinbrüchen stecken sicher auch umfangreiche Gewinnmitnahmen der zuvor erzielten hohen Kursaufschläge. Doch ein noch weiterer Absturz dieser Aktien wäre für die konsumabhängige US-Wirtschaft kein gutes Zeichen.

Warnsignale von Finanzaktien wie vor der großen Finanzkrise?

Noch gefährlicher könnte der geradezu schlagartige Schwächeanfall der Finanzwerte werden: American Express, Goldman Sachs, JP Morgan und sogar Visa, also alle finanznahen Aktien im Dow Jones, haben in den vergangenen Wochen die größten Verluste seit mehreren Jahren erlitten. Dazu kommt die auffallende Schwäche der Blackrock-Aktie, die zwar nicht im Dow Jones ist, aber als weltgrößtes Investmentimperium ein wichtiger Indikator für die Börsen ist. Vor der großen Finanzkrise von 2008/09 waren es Bankaktien wie JP Morgan oder Goldman Sachs, die schon im Laufe des Jahres 2007 spürbar an Stärke verloren hatten.

Noch gibt es beim Verlauf der US-Finanzwerte einen wichtigen Unterschied zur Krisenzeit der Jahre 2007 bis 2009: Damals drehten die Notierungen der Banken innerhalb mehrerer Monate nach längeren Konsolidierungen langsam und Schritt für Schritt nach unten, bevor die Baisse dann im Herbst 2008 ihre Abwärtsdynamik entfaltete. Aktuell handelt es sich bei JP Morgan oder Goldman Sachs bisher um einmalige, wenngleich scharfe Rücksetzer und noch nicht um komplettierte Abwärtsbewegungen. In der Regel kommt es gerade nach schnellen, heftigen Einbrüchen wie denen der vergangenen Wochen auch zu ebenso schnellen Gegenbewegungen.

Wenn die Erholung kommt, kommt sie von der Nasdaq

Und genau diese Spekulation wird derzeit in den USA vorbereitet. So wie die Technologiewerte die ersten waren, die in der Hausse an Dampf verloren, werden sie die ersten bei der Erholung sein. Reihum werden derzeit von kleinen und großen Spekulanten und Investoren Wetten gestartet, wann Tesla, Nvidia, Alphabet, Amazon, Adobe, Broadcom oder selbst Apple wieder ein Kauf sind.

Im Nasdaq-100-Index ist die Übertreibung in den negativen Bereich, der sogenannte überverkaufte Zustand des Marktes, heftiger als bei den Tiefpunkten der vergangenen zwei Jahre. Der Fear & Greed Index des Fernsehsenders CNN ist mit einem Stand von 14 bis 15 Punkten sogar unter das Tief vom August 2024 gerutscht. Im Nasdaq-100-Index könnte schon ein stabiler Tagesverlauf Kaufsignale auslösen, die angesichts der nervösen Lage dann zu einer eruptiven Kurserholung führen könnten.

Wie weit eine solche Reaktion gehen könnte, ist offen. Der Verlauf dieser Erholung dürfte dann darüber entscheiden, ob der jüngste Kurssturz an den US-Börsen nur ein vorübergehender Schwächeanfall war oder ob er nicht doch eine längere Baisse einleitet. Die Doppelspitzen in Dow Jones, S&P und Nasdaq und die ausgeprägte Abwärtswende im Halbleiterindex SOX sprechen dafür, bei den bevorstehenden Turbulenzen nicht zu übermütig zu werden.

Kursdruck bei SAP und Siemens, Resistenz bei Allianz und Deutscher Bank

Die amerikanische Schwäche hinterlässt mittlerweile auch im Dax deutliche Spuren. Vor allem die führenden Technologieaktien SAP, Siemens und Infineon standen unter Abgabedruck. Bei SAP und Siemens handelt es sich bisher um technische Reaktionen in einem großen, dynamischen Aufwärtstrend. Operativ signalisieren die Zahlen und Prognosen beider Unternehmen 2025 eine stabile Entwicklung.

Bei Infineon wurde die vielversprechende Startphase vom Februar erst einmal abgebrochen, sollte aber spätestens im Bereich von 31 bis 34 Euro wieder Boden finden. Operativ könnte Infineon nach 1,3 Milliarden Euro Nettogewinn in der vergangenen Saison (2023/24) mit einem Anstieg in Richtung 1,5 Milliarden Euro in diesem Jahr die Wende schaffen.

Von einer Schwäche der Finanzwerte wie in den USA ist im Dax hingegen bisher nichts zu spüren. Im Gegenteil: Allianz, Münchener Rück und Hannover Rück haben gerade in den vergangenen zwei Wochen wieder deutlich zugelegt; ein Zeichen für ein stabiles Versicherungsgeschäft und für die finanziell solvente Verfassung der Assekuranzen.

Auch bei der Deutschen Bank und der Commerzbank ist außer kurzen Tagesreaktionen noch keine Schwäche zu erkennen. Bestätigt wird diese Verfassung durch ebenfalls nur kleinere Kursreaktionen der französischen Banken BNP Paribas oder Credit Agricole. Die britische HSBC indes, mit umgerechnet 185 Milliarden Euro gewichtigste europäische Bankaktie, hat in den vergangenen Wochen allerdings ähnlich wie die US-Banken verloren.

Gedrückte Konjunkturwerte werden zur Stütze im Dax

Sogar die seit Jahren gedrückten klassischen Konjunkturwerte kommen dem Dax nun zugute. BASF ist bis an das wichtige Kursniveau von 55 Euro herangekommen und könnte nach einer kurzfristigen Verschnaufpause die Erholung fortsetzen. Die Ludwigshafener profitieren derzeit von ihrer starken Präsenz in Asien, wo sich die Chemienachfrage deutlicher belebt als in Europa. Henkel-Aktien allerdings müssen nach einem enttäuschenden Jahresstart einen Rückschlag verkraften. Obwohl die Wachstumsraten wahrscheinlich bis auf weiteres mager bleiben, gibt es bei der Rentabilität wichtige Fortschritte. Zwischen 70 und 75 Euro sollten Henkel-Aktien wieder Boden finden.

Besonders wichtig für den Dax ist die Stabilisierung seiner einstmals dominierenden Autoaktien. BMW, Mercedes-Benz und zuletzt Volkswagen ist das mittlerweile gelungen. Alle drei Aktien haben sich während der intensiven Krisendiskussion der vergangenen Monate tendenziell aufwärts entwickelt; ein klassisches Zeichen von Stärke.

Schlusslicht dabei ist ausgerechnet der bisherige Musterknabe Porsche. Hauptgrund dafür dürfte sein, dass Porsche eben nicht nur ein Autohersteller ist, sondern auch ein Luxusunternehmen. Und die haben, das zeigt der jüngste Kursverfall des französischen Luxusriesen LVMH, in Zeiten wirtschaftlicher Kargheit, Unsicherheit und wieder notwendiger Wehrhaftigkeit einen harten Stand.

Fazit für den Dax

Der Kurssturz an den US-Aktienmärkten hat die Hausse im Dax eingebremst, den deutschen Aktienmarkt aber bisher nicht in die Knie gezwungen. Zum Ende der Woche steigt er gar wieder deut lich an. Selbst wenn der Dax in den nächsten Wochen bis etwa 21.500 Punkte nachgeben sollte, wäre das nur ein kurzfristiger Rücksetzer in einem nach oben gerichteten Trend.

Auch weitere Rückschläge könnte der Dax verkraften: Bis Mitte des Jahres dürfte die 200-Tagelinie, die den mittel- bis langfristigen Trend markiert, Notierungen zwischen 20.000 und 21.000 Punkten erreichen. Der seit 2022 bestehende Aufwärtstrend, der aktuell bei 18.700 verläuft, wird zur Mitte des Jahres etwa 19.700 erreichen.

Die besondere Stärke, die der Dax seit Jahresanfang an den Tag legt, kommt ihm nun auch bei seinen Korrekturen zugute: Gerade weil deutsche Aktien so dynamisch performt haben, können sie jetzt deutlich korrigieren, ohne ihre großen Aufwärtstrends zu verletzen.

Unverwundbar ist der Dax deshalb nicht. Sollte es in den USA wider Erwarten zu weiteren, heftigen Kursrückgängen kommen, könnte dies auch die europäischen Märkte erfassen. Gerade deshalb wäre es wichtig, dass den US-Börsen nun kurzfristig möglichst bald ein Befreiungsschlag gelingt. An der Spitze dürfte dabei der Nasdaq-Index stehen. Schon ein deutlicher Punktegewinn zum aktuellen Wochenausklang könnte dafür die Initialzündung werden.

Hinweis: Der nächste Dax-Radar erscheint erst wieder am 28. März.

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