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Zölle zwischen China und den USA„Die USA machen sich selbst das Leben schwer“

90 Tage Pause gelten ab Mittwoch im Zollkonflikt zwischen den USA und China. Für Europa entspannt sich die Lage aber nicht, warnt Ökonom Julian Hinz.Celine Imensek 12.05.2025 - 19:56 Uhr
Das US-Kapitol in Washington bei Sonnenuntergang. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PR

In einer gemeinsamen Erklärung der USA und China vom Montag heißt es: Ab Mittwoch setzen die beiden Regierungen die gegenseitigen Zölle für 90 Tage teilweise aus. Die US-Handelsschranken auf chinesische Importe sinken in dieser Zeit von 145 auf 30 Prozent; China erhebt statt 125 Prozent vorläufig nur noch zehn Prozent auf amerikanische Waren.

WirtschaftsWoche: Herr Hinz, komplett in Luft aufgelöst hat sich der Zollkrieg zwischen China und den USA mit der vorübergehenden Aussetzung einiger Zölle noch nicht. Aber was bedeutet dieses erste Entgegenkommen?
Julian Hinz: Wir werden jetzt einen großen Aufholeffekt sehen. Unternehmen werden versuchen auszugleichen, was sie verpasst haben. Viele Produkte, die in den vergangenen Wochen in den Häfen Chinas rumlagen, werden jetzt so schnell wie möglich auf Schiffe geladen.

Heißt: Aufatmen auf beiden Seiten?
Ja, die Erleichterung ist schon deutlich. Immerhin geht es in die richtige Richtung. Aber es gelten immer noch viel höhere Zölle als vor wenigen Wochen oder gar vor fünf Monaten unter US-Präsident Joe Biden. Wir reden also nicht von einer Verbesserung, die Situation ist nur weniger schlecht.

Julian Hinz Foto: PR
Zur Person
ist Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Universität Bielefeld und Leiter des Forschungszentrums Handelspolitik am Kiel Institut für Weltwirtschaft. Sein Schwerpunkt liegt auf internationalem Handel und Außenpolitik.

Bei den vielen Beschlüssen, die zum Teil dann doch wieder pausiert werden, kann einem ja schwindelig werden. Noch einmal von Anfang: Wie haben sich die US-Zölle gegenüber China entwickelt?
Schon unter Biden gab es deutlich höhere Zölle gegen China, eine Folge von Donald Trumps erster Amtszeit. Fast alle Maßnahmen wurden damals mit Sorgen um die nationale Sicherheit begründet. Neu war jetzt im Februar ein weiteres Plus von zehn Prozent auf chinesische Importe, eine Reaktion auf die Fentanyl-Krise in den USA. Im März wurde dann noch einmal um zehn Prozent erhöht. Darauf reagierte China.

Eskaliert ist der Zollstreit mit dem „Tag der Befreiung“ am 2. April, als Trump gegen viele Länder sogenannte reziproke Zölle erhoben hat. Während Trump für andere Staaten eine erste Zollpause von 90 Tagen beschloss, haben China und die USA die Zölle auf über 100 Prozent hochgeschraubt.

Es wird bei signifikant höheren Zöllen mit den USA bleiben.
Julian Hinz
Leiter des Forschungszentrums Handelspolitik am IfW

Die Einigung scheint die Finanzmärkte zuversichtlich zu stimmen und der Ölpreis hat zugelegt. Der Markt scheint jetzt von mehr wirtschaftlicher Aktivität auszugehen. Hat diese Entspannung zwischen den USA und China Auswirkungen auf die europäische oder deutsche Wirtschaft?
Mit einem Wort: Nein. Wenn überhaupt nur sehr marginal. Die Wahrscheinlichkeit einer Importschwemme aus China ist jetzt noch geringer, als wir sie ohnehin gesehen haben.

Und was ist mit Auswirkungen auf die Zoll-Verhandlungen zwischen der Europäischen Union (EU) und den USA?
Da hat das Abkommen zwischen den Briten und den Amerikanern  vergangene Woche mehr bewirkt. Viele haben diese Einigung als Vorlage bezeichnet, wie es jetzt mit anderen Ländern weitergehen könnte. Aber das Ergebnis ist: Selbst gegenüber Großbritannien bleibt es bei dem Zollplus von zehn Prozent. Darauf muss sich auch die EU einstellen: Es wird bei signifikant höheren Zöllen mit den USA bleiben. Egal, was man später einen Deal nennt oder nicht. Niedriger als zehn Prozent werden die Amerikaner nicht gehen.

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Das heißt ja aber auch, dass dieser Deal mit China ein Erfolg für die Trump-Politik ist…
Nein, denn das wirtschaftliche Umfeld sieht für die USA jetzt deutlich schlechter aus. Die Preise in den USA werden deutlich steigen; es wird schwieriger werden in den USA zu produzieren, weil auch importierte Vorleistungsprodukte teurer geworden sind. Die USA machen sich selbst das Leben schwer. Zwar etwas weniger schwer, als noch in den vergangenen vier Wochen. Aber nur weil man die Situation erst deutlich schlechter macht und jetzt etwas weniger schlecht, bedeutet das noch keinen Sieg für diese Politik.

Trotzdem hat Trump ein Talent dafür, alles als seinen Sieg auszulegen. Aber weder er noch das Weiße Haus haben auf X oder Truth Social etwas zu der Vereinbarung gepostet. Wieso nicht?
Es ist einfach noch zu früh. Intern haben wir uns einen Wecker gestellt, wann in Washington die Sonne aufgeht. Ab diesem Moment wird es wohl losgehen, also etwa ab 14 Uhr deutscher Zeit.

Sie haben schon angesprochen, dass die Unsicherheit für Unternehmen weiter besteht. Trotzdem ist der deutsche Aktienindex Dax heute Vormittag gestiegen – was überwiegt denn nun?
Langfristig besteht weiterhin Unsicherheit. Die ist schlecht für Planung und Investition und deswegen teuer. 90 Tage lang herrscht jetzt zwar, vielleicht, Ruhe, ab Mitte August sind die Zölle zwischen China und den USA aber wieder relevant. Und im Juli läuft die 90-Tage-Frist für den Rest der Welt aus. Unternehmen müssen also weiter abwarten. Und Vorsicht: Alle Investitionsentscheidungen in den USA, die die Trump-Regierung als Ergebnis der Zölle verkauft, waren zum größten Teil schon vorher geplant.

Vorausgegangen war der Einigung ein Treffen von Delegationen beider Länder in Genf. Vorher waren beide Lager relativ verhalten, was mögliche Abkommen anging. Welche Rolle spielte die Schweiz bei diesem Ausgang?
Meinem Eindruck nach diente die Schweiz nur als diplomatisches Parkett. Die Schweiz versucht ja selbst mit Amerika zu verhandeln.

Was ist jetzt aus EU-Perspektive entscheidend?
Für die europäische Außenwirtschaft ist einerseits wichtig, was bilateral zwischen den USA und der EU passiert. Andererseits, wie sich der Rest der Welt gegenüber den USA verhält. Wenn wir das multilaterale Handelssystem aufrecht erhalten, hat das einen großen Wert für die EU. Das Abkommen mit Großbritannien war diesbezüglich ein eher schlechtes Omen. Was da als guter Deal verkauft wurde, ist keiner und entspricht auch nicht den Regeln der Welthandelsorganisation. Wenn das mit anderen Ländern genauso passiert, wäre das kein guter Schritt für den regelbasierten Welthandel.

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