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Umgang mit MedienUnternehmer, fasst euch ein Herz!

In Interviews sollten Firmenlenker auch Antworten mit Empörungspotenzial geben. Nur wenn Unternehmer Mut zeigen, wird auch die Politik mutige Würfe machen.KOMMENTAR von Christoph Werner 18.05.2025 - 12:33 Uhr
Julia Klöckner bei einem Interview (Symbolbild) Foto: imago images/Political-Moments

Als ich an Ostern einen Newsletter durchsah, fiel mir folgende Schlagzeile auf: „Bundestagspräsidentin Klöckner legt sich mit Kirchen an“. In dem Text darunter stand: „Dafür zahle ich keine Kirchensteuer“: CDU-Bundestagspräsidentin Julia Klöckner wirft den Kirchen vor, „austauschbare NGOs zu werden“ – und sagt, zu welchen Fragen sie sich äußern sollten und zu welchen nicht.

Da ich Julia Klöckner persönlich kenne und mich die Äußerungen verwunderten, recherchierte ich nach dem Originalinterview. Es war in der „Bild“ erschienen: Julia Klöckner sollte erklären, weshalb den Kirchen in Deutschland die Mitglieder davonlaufen. Sie wich der Frage nicht aus und verzichtete auf Standardphrasen.

Und dann passierte das, was leider immer öfter passiert: Einzelne Medien lösten Aussagen Klöckners aus dem Zusammenhang heraus, wodurch sie sich wie undifferenzierte und übergriffige Kirchenkritik lasen. Frei nach dem Motto: Die Schlagzeile ist wichtiger als seriöse Informationen.

Zu dieser Kolumne
Unter seinen Geschwistern war Christoph Werner der Einzige, der sich für eine Rolle bei dm interessierte. Doch erst einmal zog es den Waldorfschüler nach Frankreich und in die USA, wo er im Management von L’Oréal und GlaxoSmithKline Karriere machte. 2011 stieg er als Geschäftsführer Marketing und Beschaffung bei dm ein. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Geschäftsführung.
... Ex-VW-Chef Herbert Diess, die Wirtschaftsweise Veronika Grimm, dm-Geschäftsführer Christoph Werner und die ehemalige Cum-Ex-Ermittlerin Anne Brorhilker.

Eine ähnliche Erfahrung habe ich kürzlich gemacht, als ich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung auf den vergleichsweise hohen Krankenstand in Deutschland angesprochen wurde. Gleich schwante mir Ungemach, denn dieses Thema hat Erregungspotential. Wie also mit dieser Frage umgehen? In die Klamottenkiste der Phrasen und Allgemeinplätze greifen? Oder eine grundsätzliche und ehrliche Antwort geben?

Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit. Unsere Entscheidungen, so argumentierte ich, sind maßgeblich von den Konsequenzen, die unsere Handlungen auslösen, beeinflusst. Denn Freiheit ist auch Verantwortung; deshalb sollten wir die Rahmenbedingungen in Deutschland so gestalten, dass das Prinzip gilt: Du kannst tun, was du willst, aber alles hat seinen Preis. Auf die anschließende Frage nach konkreten Beispielen hätte ich mich einfach aus der Affäre ziehen und beispielsweise auf den Gesetzgeber und die gewählten Repräsentanten des Volkes verweisen können.

Ich entschied jedoch, mich an der Debatte zu beteiligen und zwei Beispiele für Rahmenbedingungen zu nennen, die einen Einfluss auf den Krankenstand haben könnten: der Krankenschein per Telefonanruf und die Karenztage, also die früher in Deutschland geltende Regelung, nicht direkt am Tag der Krankmeldung mit der Lohnfortzahlung zu beginnen. Daraus machte das ein oder andere Medium die Schlagzeile, dass ich mich für Karenztage in Deutschland ausspreche. Dies führte zu zahlreichen Zuschriften, manche zustimmend, viele aber auch voller Vorwürfe und der Ankündigung, nie wieder bei dm einkaufen zu wollen.

War es nun richtig, konkret auf Fragen mit Empörungspotential einzugehen? Ich denke ja, denn sonst leisten gerade wir Unternehmer keinen Beitrag zu gesellschaftlich relevanten Debatten, sondern überlassen das Feld vor allem jenen, die beschönigen, vereinfachen, zuspitzen, polemisieren und banalisieren.

Politiker sind auf differenzierte gesellschaftliche Debatten angewiesen, die sie aufgreifen können. Denn wenn uns Unternehmer der Mut verlässt, kontroverse Themen öffentlich anzusprechen, wird auch die Politik keine mutigen Würfe mehr wagen.

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