US-Zölle: Ein Plan fürs Unplanbare
Es geht hoch her im Zollkrieg zwischen den USA und der EU: Erst forderte US-Präsident Donald Trump einen Aufschlag von 50 Prozent auf Importe aus Europa, dann ließ er sich zumindest auf eine Schonfrist ein. Was kommt als nächstes? Ungewiss. Und doch bin ich mir sicher: keine Weltwirtschaftskrise.
Diese Zuversicht schöpfe ich aus dem, was ich kürzlich auf meiner Geschäftsreise durch die USA erlebt habe, bei Besuchen einiger Kunden aus der Mikroelektronik. Die produzieren teilweise in Amerika, lassen das meiste aber in Asien fertigen. Ich wollte herausfinden, wie sie mit Donald Trumps Kurs umgehen – und was sie von uns als Zulieferer aus einem Land erwarten, das davon besonders betroffen sein dürfte.
Am wichtigsten waren ihnen die Produkte, die sie bald auf den Markt bringen wollen. Von einer Aufregung über mögliche Zölle wie in Europa keine Spur. Erst als ich das Gespräch darauf gebracht habe, sagten sie etwas dazu: Sie rechnen mit höchstens zehn Prozent auf Einfuhren und damit, dass es zahlreiche Ausnahmen geben wird, wie sie etwa Apple-Chef Tim Cook für Smartphones erreicht hatte – und an die sie sich dranhängen können. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit.
Mein Eindruck: Die meisten verstehen die Drohungen als Verhandlungstaktik.
Können wir alle uns also wieder entspannt zurücklehnen? Natürlich nicht. Das wäre naiv. Wir deutschen Unternehmer, davon bin ich überzeugt, müssen uns umstellen. Trump mag irgendwann weg sein, der Protektionismus wird bleiben. Auch in anderen Regionen der Welt. Ich kann sogar verstehen, dass viele Staaten sich mehr Wertschöpfung im eigenen Land wünschen, mehr gut bezahlte Industriearbeitsplätze für die eigene Bevölkerung. Local for Local, die Produktion vor Ort, wird also das neue Normal werden, sei es durch Anreize wie Steuererleichterungen oder durch Hürden wie Zölle.
Die gesamte Wertschöpfungskette wird das spüren, auch wir bei Delo, obwohl unsere Klebstoffe oft weniger als ein Cent pro Bauteil ausmachen – eine Summe, bei der selbst hohe Zollsätze kaum ins Gewicht fallen. Deshalb bauen wir gerade eine zusätzliche Produktion in Asien auf, unsere erste außerhalb Deutschlands. Und deshalb benötigen wir langfristig auch in Amerika eine Fertigung. Dafür nehmen wir uns Zeit. Gerade in diesen Tagen braucht es keinen Aktionismus, sondern gut durchdachte Entscheidungen.
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