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RekordverschuldungGeneration Z? Wird unter Schwarz-Rot zur „Generation Zinsknechte“

850 Milliarden Euro Schulden bis 2029: Damit beschließt die Regierung einen radikalen Kurswechsel. Die Last? Trägt die jüngere Generation. Ein Gastbeitrag.Thomas Hoppe 24.06.2025 - 16:29 Uhr
Bundesminister der Finanzen Lars Klingbeil SPD stellt am Dienstag 24.06.2025 den Entwurf des Bundeshaushalts 2025 in Berlin vor. Foto: IMAGO/epd

Im ersten Haushaltsentwurf von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) geht es nicht nur um Zahlen. Es geht um eine Richtungsentscheidung für unser Land – und um die Frage, wie viel Verantwortung diese Regierung noch gegenüber den jungen Menschen empfindet. Wer sich die Pläne ansieht, muss ernüchtert feststellen: sehr wenig.

Allein bis 2029 plant die Bundesregierung fast 850 Milliarden Euro neue Schulden. Das ist keine randständige Korrektur, sondern ein radikaler Kurswechsel. Getarnt wird dieser Dammbruch als vermeintliche Reparaturoffensive: Da Deutschland vor erheblichen Herausforderungen stehe und bislang zu wenig investiert habe, müsse es jetzt mit Schuldenbergen das alles nachholen.

Was richtig ist: Die Infrastruktur wurde vernachlässigt, aber mangelndes Geld war bisher nicht das Problem angesichts der Rekordsteuereinnahmen.

Der Autor ist Bundesvorsitzender des Verbandes DIE JUNGEN UNTERNEHMER. Foto: Anne Großmann Fotografie
Zur Person
Thomas Hoppe ist seit November 2023 Bundesvorsitzender des Verbandes DIE JUNGEN UNTERNEHMER. Zuvor engagierte sich der 35-Jährige aus Hannover bereits als Vorstandsmitglied im Klub der Gründer und war in dieser Funktion im Präsidium des Verbandes aktiv. Hoppe ist zudem Geschäftsführer und Gründer der Schülerkarriere GmbH, die mittlerweile eines der bundesweit größten Karriere-Netzwerke für Schüler ist. Daneben gründete er die Office-Sharing-Firma work connect GmbH und besitzt eine Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft für Start-ups, die InvConNet GmbH. Seit 2021 ist er Gesellschafter und Berater bei der EDUvation GmbH. Von 2016 bis 2019 war er zudem Dozent an der Fachhochschule des Mittelstands in Hannover im Bereich Unternehmensgründung und -führung und engagierte sich im Bundesverband Deutsche Startups e.V. sowie im Bundesverband für digitale Bildung. Seit 2011 ist er kommunalpolitisch im Stadtrat Laatzen aktiv.

Das ist die falsche Prioritätensetzung

Ursache der Misere sind neben einer ineffizienten Verwaltung und bürokratischen Genehmigungsprozessen – die dafür sorgten, dass Investitionen nicht getätigt werden können – vor allem eine falsche Prioritätensetzung der Politik.

Statt zu investieren, wird das Steuergeld in soziale Wohltaten gelenkt, viele davon wurden im Wahlkampf bereits als Geschenk versprochen. Das Geld wird durch solchen Konsum verfrühstückt, anstatt unsere Infrastruktur wenigstens in Schuss zu halten, von Zukunftsprojekten ganz zu schweigen.

Was dabei aus dem Blick gerät: Schulden von heute sind die Steuerlasten von morgen. Wer ständig neue Verpflichtungen eingeht, ohne klar zu sagen, wie sie langfristig finanziert werden sollen, handelt verantwortungslos, denn er schiebt die Verantwortung in die Zukunft. Und die trifft – wie so oft – die Jüngeren. Diejenigen, die aufgrund der demografischen Realität immer weniger gegen die demokratische Übermacht der Rentnergenerationen durchsetzen können.

Rekordverschuldung

10.000 Euro neue Schulden für jeden Bundesbürger

Kommentar von Christian Ramthun

Wir Jüngeren sollen zwar irgendwann in diesem Land Verantwortung übernehmen, aber unsere Generation wird dann finanziell keine Gestaltungsspielräume mehr haben, weil wir die Schulden dieser Bundesregierung und auch ihrer Vorgänger begleichen müssen. Die Generation Z bekommt damit eine ganz neue Bedeutung: Generation Zinsknechte.

Die Bundesregierung benutzt den beschönigenden Begriff des „Sondervermögens“, um die reale Tragweite ihrer Politik sprachlich zu verschleiern. Vermögen deutet etwas Positives an, was die Politik aber tatsächlich plant, sind nichts anderes als „Sonderschulden“.

Noch schwerer als diese sprachliche Täuschung wiegt jedoch, dass es von der Notwendigkeit echter Reformen ablenkt. Während marode Schulen, schleppende Digitalisierung und Investitionsstaus im öffentlichen Sektor weiter an der Tagesordnung sind, sollen nun Mittel in dreistelliger Milliardenhöhe in die Länder fließen – ohne dass diese Gelder mit Strukturreformen verknüpft werden: Die Missstände bleiben, die Schulden samt Zinsen und Tilgung wachsen.

Zusätzlichkeit? Der Passus wird zum Papiertiger

Der Passus der „Zusätzlichkeit“, also der Idee, dass das Geld nur für neue Investitionen in die Infrastruktur über dem bisherigen Maß ausgegeben werden darf, bleibt ein Papiertiger. Die Kommunen sind sogar von dieser weichen Regelung befreit: Sie dürfen ihren Teil vom Schuldenkuchen auch für Kulturförderung, Sportangebote und sonstige Dinge verteilen, für die die Bürgerinnen und Bürger eigentlich auskömmliche Steuerzahlungen leisten.

Dabei sind Schulden nicht per se zu verteufeln: Wenn der Staat sich Geld leiht, muss er damit Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessern. Nur so kann sich die Schuldenaufnahme durch Wirtschaftswachstum und steigende Steuereinnahmen von selbst bezahlt machen. Es ist ein Unterschied, ob Instandsetzung maroder Infrastruktur die Ansiedelung neuer Unternehmen ermöglicht oder ob das Geld genutzt wird, um Wahlgeschenke zu verteilen und Streitigkeiten in der Koalition mit Geld zu befrieden.

Wer sich heute hinter Schulden versteckt, lässt morgen keinen Raum mehr für Gestaltung. Und wer heute vermeidet, klar zu benennen, was der Staat wirklich leisten kann – und was eben nicht – der verspielt Vertrauen. Vor allem bei jungen Menschen.

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